Andie Gabauer

Hot Pants Road Club, The FreeMen Singers, Live Spirits, zahlreiche Fernsehshows, Musicalproduktionen - die Engagementliste des Sängers scheint kein Ende zu nehmen. Mit typischich.at spricht der sympathische Musiker über sein Leben, Mode, die Liebe und den großen Traum von der E-Gitarre.

Zum Interview trifft sich typischich.at mit Andie Gabauer im Studio der FreeMen Singers. Die Drei-Mann-Band ist gerade dabei, einen neuen Song aufzunehmen und diskutiert über die Verteilung der Stimmen.

"Dann lasst mich doch jetzt die hohe Stimme raufsingen!", sagt Andie, nachdem keine Einigung in Sicht ist. Kein Problem für den Sänger, dessen Stimmumfang gut dreineinhalb Oktaven einschließt. Damit gehört die Aufnahme neu gestartet. Doch bevor es soweit ist, schenkt er uns seine gesamte Aufmerksamkeit für unser Gespräch.

Warum bist du Musiker geworden? War das ein Kindheitstraum?

In den 70er Jahren waren Bands ganz hoch im Kurs. Wir haben viel amerikanische und englische Popmusik im Radio gehört. Im Unterschied zu heute war die Vielfalt noch viel größer. Die Radiosender gaben auch heimischen Bands eine Chance. Es gab tolle Sendungen mit Musik quer durch den Gemüsegarten. Da hatte er für fast jedes Kind einen besonderen Reiz, dieser Traum von der E-Gitarre.

In der Volksschule durfte ich dann anfangen, Gitarre spielen zu lernen. Bald war klar, dass ich dafür wohl ein besonderes Talent habe. Mit den paar Griffen, die ich spielen konnte, habe ich mir die aktuellen Songs selbst einstudiert. Und als ich schön langsam auch in der Öffentlichkeit zu spielen begann, erkannte ich, dass mir dadurch die (Frauen-)Welt zu Füßen liegt.

Beeindrucken zu wollen, das ist irgendwie der Urtrieb, der in uns Männern schlummert. Es bleibt natürlich nicht so beschränkt, die Liebe zu der Sache wächst, je weiter man sich darauf einlässt. Ich bekam Zuspruch und es hat mir mehr und mehr Spaß gemacht. Das hat mich angespornt, immer noch besser zu werden.

Ich bin sehr perfektionistisch, obwohl Perfektion nicht alles ist. Oft macht genau das richtige Quäntchen "Schmutz", das auf einer Aufnahme drauf ist, das gewisse Etwas aus.
Andie Gabauer

Inwieweit wurdest du von deinen Lehrern beeinflusst?

Naja, Gitarre spielen, haben sie mir schon gelernt. Zumindest die Griffe. Meine Lehrer waren Bands, die ich mir angehört habe und von denen ich mir viel abgeschaut habe.

Bezugnehmend auf den Hot Pants Road Club, mit dem du viel unterwegs bist: Wie bist du zum Funk gekommen?

Als ich beim HPRC angefangen habe, war ich selbst noch gar nicht so überzeugt von dieser Musikrichtung. Es war mehr so ein "Meinetwegen, spiele ich halt mit euch...". Natürlich gab es Nummern, die mich beeindruckt haben. Aber richtig Gefallen habe ich erst daran gefunden, als ich mich mit dieser Musik beschäftigt habe.

Trotzdem scheint sich jede Generation mit dieser Musik identifizieren zu können. Das Publikum bei den HPRC Konzerten ist immer bunt gemischt...

Weil es beim HPRC auch um die Energie geht. Ich weiß nicht, ob mein 16-jähriger Sohn mit dieser Musik so viel anfangen kann, aber nach den Konzerten sagt er zumindest, es war eine super Energie. Der Anspruch wirklich jede Generation zu erreichen, ist enorm hoch und man kann nicht allen gerecht werden. Aber das Feeling, das man dem Publikum gibt, macht ein gutes Konzert aus.

Was Andie Gabauer über Inspiration, Rituale und Mode denkt, lesen Sie auf Seite 2!

Die Frage ist, ob man überbleibt. Daran erkennt man, ob man als Musiker etwas erreicht hat.
Andie Gabauer
Ich genieße das Leben so gut ich kann!
Andie Gabauer
The FreeMen Singers
Im Studio
Die nächsten Konzerte mit Andie Gabauer:

HPRC:
7. Oktober 2011
Soundhteatre Wels
20:00 Uhr
14. Oktober 2011
Salzburgarena
20:00 Uhr
29. Oktober 2011
Metropol Wien
20:00 Uhr
Steckbrief:

Geburtstag: 28.03.1969
Geburtsort: Wels
Sternzeichen: Widder
Studium: Gesang (Jazz, Popularmusik)
Brucknerkonservatorioum Linz
Bands und Projekte:
- Hot Pants Road Club
- The Freemen Singers
- Live Spirits
- Earth, Wind & Fire Project
- Die Päpste
- Sänger für Starmania und Dancingstars
- Hauptrollen in verschiedenen Musicals

Was inspiriert dich beim Song-Schreiben?

Meine Gitarre, ich spiele einen Akkord und lasse mich von diesem inspirieren, er gibt mir den Funken für die Komposition. Es kann zum Beispiel auch ein Intervall sein, das mich fasziniert, oder eine Rhythmik.

Das ist wie ein Kieselstein, der ins Wasser fällt. Erst zieht er nur einen Kreis, aber dann werden sie immer mehr und größer. Und wenn man das Glück hat und jeder Welle folgen kann, bis sie verebbt ist, dann hat man eine vollendete Komposition.

Welcher ist dein vollendeter Song?

Da gibt es einige. Ich weiß dass es Songs gibt, die mir besser gelungen sind als andere. Vom HPRC ist zum Beispiel "Something Special" so eine Nummer, die in einem durch komponiert wurde. Es ist schwierig zu sagen, das ist meine beste Nummer, das gibt es eigentlich gar nicht. Ich habe auch keinen Song, den ich am liebsten spiele oder höre.

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Du hast eine extreme Spartenvielfalt. Wie kommt das?

Dazu hat vor allem die Tatsache beigetragen, dass ich meinen Weg nicht immer so gehen konnte, wie ich das wollte. Wenn alles so gekommen wäre, wie ich mir das vorgestellt habe, wäre ich sicher nicht so breitgefächert. Ich konnte einfach keinen geraden Weg gehen und muste mich immer wieder verändern. Was ja im Endeffekt auch nicht schlecht war.

Der Vorteil ist, dass mir diese Veränderungen auch immer gefallen haben und ich mich nie ungewollt verbiegen musste.

Wie gestaltest du die letzten Minuten bevor du auf die Bühne gehst?

Mit dem HPRC haben wir ein Ritual, bei dem wir uns im Kreis aufstellen, uns an den Schultern fassen und ganz laut sagen: "Keep on doing what you're doing, but make it funky!" Und das möglichst laut. Das kommt ja auch in einem unserer Songs vor, es ist unserer Affirmation, unser Motto.

Mit Monika Ballwein habe ich etwas Ähnliches. Bei unserem Programm "Live Spirits" sagen wir vorher immer "Live Spirits! - Huh!", sozusagen die Persiflage auf das HPRC Ritual.

Gemeinsam lachen, bevor man auf die Bühne geht, ist eine gute Motivation.

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Hast du einen speziellen Glücksbringer?

Da habe ich zum einen meinen Bernstein, den mir ein Freund geschenkt hat. Außerdem trage ich die Kette, die ich von meinem Besuch bei Dalai Lama mitgebracht habe, sie ist das Glücksmantra der Tibeter.

Du bist immer top gestylt. Wie wichtig ist dir Mode?

Meine trendigen Outfits trage ich, da ich einen ganz lieben Freund habe, der mich immer mit seinen Kollektionen ausstattet. (Helmut Hütthaler, RARE Fashion, Anm. d. Red.)

Ich stehe schon auf tolle Trends, allerdings finde ich die Mode heutzutage extrem überteuert. Ich freue mich natürlich über die super Klamotten, die ich bekomme, aber ich würde nicht so viel Gled für Kleidung ausgeben.

Da kaufe ich mir lieber eine E-Gitarre mehr. Das ist mein Mode-Tick. Die gibt es natürlich auch billiger, aber da ist mir dann wichtig, dass Gibson oder Fender draufsteht.

Was Andie Gabauer über die Liebe denkt, lesen Sie auf Seite 3!

Wie würde eine Gitarre aussehen, die du designt hast?

Diese Frage kann ich erst beantworten, nachdem ich das gemacht habe. Da geht es mir, wie beim Song schreiben. Ich weiß immer erst was es wird, wenn es fertig ist.

Du spielst bei fast jedem Gig mit anderen Gitarren. Wonach suchst du sie aus?

Das sind Phasen. Natürlich muss auch das Optische passen. Vor allem muss es mit meinem Outfit harmonieren. Es soll sich ja nicht komplett schlagen, außer ich will, dass es sich schlägt. Aber dann muss ich mir etwas dabei gedacht haben.

Meinen Glitzergurt habe ich allerdings immer dabei. Den hat eine Designerin extra für mich entworfen, da sie meinte, ich bräuchte etwas mehr Glamour-Faktor.

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Die schwierigste aller Fragen: Was ist Liebe?

Es gibt so viele Arten von Liebe. Ich liebe so vieles, so viele Menschen und vor allem das Leben.

Ich bin kein Philosoph, aber für mich ist Liebe, wenn man etwas spürt. Und je tiefer dieses Gefühl geht, desto größer wird die Liebe. Wenn man dieses Thema etwas tibetischer betrachtet, könnte man auch sagen, Liebe ist Mitgefühl.

Würdest du dich als Familienmenschen bezeichnen?

Ich bin einer geworden, vor allem durch meine Töchter. Ein Leben ohne meine Kids, könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen. Aber ich habe das nie geplant. Darum habe ich das erst lernen müssen. Es ist herrlich, wenn sich meine Mädels in der Früh zu mir ins Bett kuscheln und sagen: "Papa, ich liebe dich so!"

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Österreich ist sehr schön, aber ich liebe das Reisen und noch größeren Spaß macht es mir, wieder nach Hause zu kommen. Ich möchte in den nächsten fünf Jahren also ganz viel reisen und wieder gerne nach Hause kommen. Und ich wünsche mir, dass mich die Musik auf Reisen schickt. Noch mehr als jetzt.

Ich will meine Bekannheit nicht nur auf Österreich beschränken. Es wäre toll, wenn sich das ausbauen würde. Ich wünsche mir, dass irgendeine Platte von mir international so einschlägt, dass ich da hinfahren und Konzerte geben kann.

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Wer würde dich in einem Kinofilm über dein Leben spielen?

Einer, der mir ähnlich sieht, sollte es sein! Und einer, der es schafft, alles möglichst so darzustellen, wie es tatsächlich gewesen ist.

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