Amanda Seyfried: „Kann das Leben kein Musical sein?“

In „Mamma Mia! Here We Go Again“ kehrt Amanda Seyfried zur bisher erfolgreichsten Rolle ihrer Karriere zurück. Im Interview spricht die 32-Jährige über ihre anfänglichen Zweifel an einer Fortsetzung, das Erfolgsgeheimnis des ersten Teils und ihren Hass gegenüber Donald Trump.

Interview: Köksal Baltaci

Kommt sie oder kommt sie nicht? Bis zur letzten Minute ist unklar, ob Amanda Seyfried ihre Interviewtermine für „Mamma Mia! Here We Go Again“ (seit 19. Juli im Kino) vergangene Woche in einem Hamburger Innenstadthotel wahrnehmen wird. Sie sei zwar – so viel hat sich unter den JournalistInnen herumgesprochen –  in Hamburg gelandet, aber die geplanten Fotoshootings und Interviews für das Fernsehen wurden angeblich schon abgesagt. Die Schauspielerin fühle sich nicht wohl, sie habe ein Problem mit ihren Augen. Welche Ironie, dass ihr ausgerechnet die Augen, die zu so etwas wie ihrem Markenzeichen geworden sind, einen Strich durch die Rechnung machen und ihre Promo-Tour platzen lassen könnten.

Als sie dann – relativ pünktlich – doch den Raum mit den wartenden JournalistInnen betritt, kann von einem „Unwohlsein“ keine Rede mehr sein. Perfekt gestylt, bestens gelaunt und voller Energie schwärmt sie erst einmal vom „außergewöhnlichen Charme dieser Stadt“. Warum finden Medientermine nicht öfter in Hamburg statt, sondern immer nur in Berlin, murmelt sie vor sich hin, während sie auf einem Stuhl Platz nimmt. Flankiert von zwei – sichtlich erleichtert wirkenden – Betreuerinnen. Das nächste Interview werde auf der Dachterrasse des Hotels stattfinden, der Ausblick soll atemberaubend sein, flüstert sie in Richtung eines Journalisten. Als sie merkt, dass ihr alle Anwesenden, inklusive Hotelpersonal, nur auf die Augen starren, um zu sehen, welches Problem sie mit ihnen hat, muss sie lachen. Ihre Maskenbildnerin („Sie ist ein Genie“) habe sie wieder „hingekriegt“. Keiner müsse sich Sorgen machen. „Man erkennt nichts, oder?“, fragt sie noch, während sie demonstrativ ihren Kopf nach vorne streckt. Kollektives Kopfschütteln. „Dann können wir ja anfangen.“ Kollektives Kopfnicken.

Wienerin: „Mamma Mia!“ war ein Welterfolg. Ich nehme an, dass Sie nicht die geringsten Zweifel hatten, als man zehn Jahre später wegen einer Fortsetzung auf Sie zukam?

Amanda Seyfried: Im Gegenteil, ich hatte große Zweifel. Ich war gerade hochschwanger, als ich erfuhr, dass an einer Fortsetzung gearbeitet wird. Es gab aber noch kein Drehbuch und ich fragte mich, was in den zehn Jahren passiert sein soll und welche Geschichte wir erzählen wollen. Und natürlich: Wird Meryl Streep wieder mit dabei sein? Dann bekam ich mein Baby, war erst einen Tag wieder zuhause und gerade beim Stillen, als mein Agent anrief und sagte, der Film kommt zustande. Nachdem ich bald darauf das Drehbuch las, waren meine Zweifel ausgeräumt. Ich wusste, das wird wieder etwas Besonderes werden.

Worauf führen Sie eigentlich den enormen Erfolg des ersten Teils zurück? „Mamma Mia!“ wird immer noch im Hauptabendprogramm gezeigt, viele Fans haben das Musical 20 oder 30 Mal gesehen.

Ehrlich gesagt halte ich den Girl-Power-Aspekt für das größte Erfolgsgeheimnis des Films. Dieses Band zwischen Mutter und Tochter und ihr Wille, ihre Träume zu verwirklichen. Auch das Setting spielt natürlich eine Rolle, wir haben ja auf einer wunderschönen Insel gedreht. Und nicht zuletzt die Musik. Ohne die Musik von Abba wäre der Film sicher nicht so erfolgreich geworden. Wie sage ich das am besten… Musicals springen in dein Herz und lassen dich nicht mehr los. Plötzlich willst du selbst singen und tanzen.

Wünschen Sie sich manchmal, das Leben würde ablaufen wie ein Musical? Mit spontanen Gesangs- und Tanzeinlagen.

Ja, immer dann, wenn ich mit meinem Mann streite. Wäre das nicht großartig? Wenn wir sauer aufeinander sind, singen und tanzen wir eine Runde und alles ist wieder gut. Aber so ist das wahre Leben nicht, oder?

Ich fürchte nicht.

Dabei würde es die Welt zu einem besseren Ort machen. Wie heißen noch einmal diese Videos auf YouTube, in denen sich fremde Menschen irgendwo treffen, um spontan zu singen und zu tanzen?

Flashmob?

Ja, genau. Ich meine, wie gut fühlt man sich, wenn man einen Flashmob sieht? Eine Minute lang denkt man zwar: Was soll das, was machen die da? Aber dann überkommt es einen und man will mitmachen. Ich habe schon lange keinen Flashmob mehr gesehen. Warum eigentlich?

Sie könnten einen organisieren, um den Film zu bewerben?

Dafür sind wir zu spät dran, glaube ich.

Nicht, wenn Sie zum Beispiel Donald Trump überzeugen können mitzumachen.

Trump? Das wäre schon was. Wenn Trump wirklich öffentlich einen Abba-Song singt, würde ich ihn wahrscheinlich um 0,003 Prozent weniger hassen.

Wie hat man sich eigentlich die Zusammenarbeit mit Cher vorzustellen? Ich meine, immerhin ist sie die große Cher.

So dachten wir am Anfang auch. Alle waren sehr nervös und haben auf ihre Ankunft gewartet. Aber es hat höchstens eine Minute gedauert, bis sie zu einem Teil der Familie wurde und alles lief wie geschmiert. Sie ist eine großartige Person, sehr bescheiden und süß.

Keine Allüren?

Nicht die geringsten. Dafür gäbe es auf einem Filmset auch keinen Raum.

Sie haben ja deutsche Vorfahren. Leben in Deutschland noch Verwandte von Ihnen?

Nein, das ist viel zu lange her. Meine gesamte Familie wurde in Pennsylvania geboren. Ich spreche auch kein Wort Deutsch. Was ich weiß, ist, dass unser Nachname wohl irgendwann einmal Siegfried lautete und später zu Seyfried wurde.

Amanda Seyfried (32) wurde als Sophie in dem Musicalfilm "Mamma Mia", in der sie neben Filmgrößen wie Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth zu sehen ist, weltberühmt. In der Fortsetzung des Films versammelt sich Sophies Familie auf der griechischen Trauminsel Kalokairi, um ihr Baby willkommen zu heißen. Seit 19. Juli in den österreichischen Kinos zu sehen.

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