Amanda Seyfried im miss-Interview

Vielleicht hatte sie nicht immer ein gutes Händchen für die Wahl ihrer Filme, aber aus der ständig als Girl next door besetzten Amanda Seyfried ist eine selbstbewusste Frau geworden. Sie hat zu sich gefunden und gelernt, mit allen Zweifeln zu leben. Drei Filme, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, beweisen jetzt: Amandas Augenblick ist gekommen!

Amanda Seyfried (27) wirkt wie eine Außerirdische. Eine extrem hübsche Außerirdische, mit großen Augen, seelenvoll, umrahmt von üppigen, blonden Haaren. Um die Wirkung zu verstärken, hat sie sich in ein gewaltiges weißes Handtuch gehüllt, um sich vor der aggressiven Klimaanlage des Hotels, in dem wir uns treffen, zu schützen. „Ich habe heute schon acht Pressetermine hinter mir", erzählt sie erschöpft, „aber ich würde mich auch nackt auf die Straße legen für diesen Film."

Amanda Seyfried in "Les Miserables"
Suche nach Anerkennung

Dieser Film ist Les Miserables (seit Ende Februar in den Kinos) und hat Seyfried im Frühling von Tokio über New York und Los Angeles bis nach London geführt, durch unzählige Städte und Länder. Dies könnte Seyfrieds großer Moment sein - und hat doch länger auf sich warten lassen. Ihr Debüt gab sie 2004, im Film Girls Club - Vorsicht bissig! Als Karen Smith, das liebe, aber ziemlich dumme Mitglied der Highschool-Clique The Plastic, zeigte sie damals echtes komödiantisches Talent. Es war zwar ihr Durchbruch, aber es dauerte dann doch bis 2008, bis sie ihre erste Hauptrolle ergatterte - in Mamma Mia, der pompösen Adaption des Abba-Musicals, die zum weltweit zum Überraschungserfolg wurde. Zumindest an den Kinokassen, denn Kritiker überzeugte der Film nicht so ganz und Amanda Seyfried suchte lange nach einen Weg, um beides zu schaffen. Ihr Gesicht war zwar auf jedem Plakat der Filme, die sie gedreht hat, aber die Rollen und die Anerkennung, die einige ihrer Kollegen erhalten haben, schien für sie schwer erreichbar.

Amanda Seyfried
Zwischen Girl next door und Pornostar

Vielleicht lag es an den eher seichteren Inhalten oder der mangelnden Wahl für die richtige Rolle, die sie von anderen Stars unterscheidet. Doch 2013 könnte sich dank der Hilfe von Regisseur Tom Hooper und der Pornolegende der 70er Jahre, Linda Lovelace, alles für Seyfried ändern. „Ich danke Gott für Les Miserables und Lovelace. Dadurch konnte ich die zwei entgegen gesetzten Enden eines Spektrums in kürzester Zeit zeigen", so Seyfried über ihre unterschiedlichen Rollen, mit denen sie es jetzt schaffen will. „Du arbeitest immer verzweifelt daran, dass die Filmindustrie Notiz davon nimmt, was du tust, besonders dann, wenn du dich verbessern willst. Ich bin super aufgeregt über die Filme. Es gibt immer die Möglichkeit, sie könnten denken, dass ich versage, aber ich versuche es zumindest. Ich weiß, dass ich hart arbeite!"

Ich bin nicht prüde, aber ich bin in keiner Weise mit meiner Sexualität an dem Punkt, an dem Linda damals angelangt ist.
Der Biopic über den berüchtigten Pornostar Linda Lovelace, die in den 70er Jahren mit dem Film Deep Throat berühmt wurde, wurde im Jänner auf dem Sundance Film Festival und im März auf der Berlinale vorgestellt. Der Film, der im August in den USA anlaufen soll, kommt mit viel weniger Wirbel daher als Les Miserables, aber Seyfried spielt eine viel komplexere Rolle. Sie taucht tief ein in die Vergangenheit eines Pornostars und befasst sich mit den langen Jahren des Missbrauches von Linda Lovelace. „Die Erfahrungen eines anderen Menschen zu verstehen, ist schon schwer, aber jemanden zu spielen, mit dem man sich gar nicht identifizieren kann ...", meint Seyfried seufzend.


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Amanda Seyfried in "The Big Wedding"
Ich darf mit Hugh Jackman zusammenarbeiten und mich wie eine Prinzessin anziehen. Also wirklich - mein Leben ist toll!

„Ich bin nicht prüde, aber ich bin in keiner Weise mit meiner Sexualität an dem Punkt, an dem Linda damals angelangt ist. Das Schwierigste war das Verständnis für den Kampf, den sie geführt hat, die Tiefe ihrer Depression und wie sie immer vortäuschen musste, dass alles in Ordnung ist, während sie jeden Tag aufs Neue mit der Scheiße ihres Lebens konfrontiert war", erzählt sie. „Ich hatte drei Wochen nach dem Film, bevor die Dreharbeiten zu Les Mis begonnen habe, aber ich konnte mich schwer rausholen aus der Lovelace-Thematik, bis ich am Set ankam. Es war dann eine Erleichterung, eine Rolle zu spielen, die das komplette Gegenteil ist."

InlineBild (e800893f)Neues Selbstbewusstsein

Seyfried steht in den Startlöchern und wartet auf Anerkennung, an den Kinokassen, bei den Kritikern, oder vielleicht auch bei beiden. Aber sie weiß selbst am besten, dass Hollywood einem nichts garantiert. Sie spielte in Jennifers Body von Regisseurin Karyn Kusama, Die mit Juno gefeiert wurde, aber mit Jennifers Body floppte. Oder in Das Leuchten der Stille basierend auf einem Schmachtfetzen von Nicholas Sparks, der auch im Vergleich zu Wie ein einziger Tag schlecht angenommen wurde. Auch für Red Riding Hood fanden die Kritiker wenig lobende Worte. "Wir machen ja die ganze Zeit Filme. Anfangs bekommst du einen coolen Film wie Mamma Mia! oder Girls Club - Vorsichtig bissig! und das haut die Leute um. Sie sind große Erfolge, aber dann hast du ein paar Flops und du begreifst, dass sich die Erfahrungen, die du beim Drehen gemacht hast, überhaupt nicht mit dem Ergebnis decken. Man kann es nicht kontrollieren. Es ist immer schade, wenn die Leute es nicht zu schätzen wissen oder es nicht ankommt", so Seyfried.

Zitate (a9abfbe0)Doch die Stimmen der Kritiker, die ignoriert sie jetzt gekonnt. Sie hat ihr Leben im Griff, dank ihres Selbstvertrauens und ihres Selbstbewusstseins. "Ich habe diese Zuversicht gefunden als Schauspielerin. Ich weiß, dass ich spielen kann - manchmal besser als andere. Klar, in diesem Job gibt es einige Dinge, die ich nicht tolerieren kann, aber das ist es trotzdem wert. Das Leben von jedem ist doch manchmal doof und manchmal toll, aber ich darf mit Hugh Jackman zusammenarbeiten und mich wie eine Prinzessin anziehen. Also wirklich - mein Leben ist toll!"

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