Am schönen Ende der Welt

WIENERIN-Redakteurin Marion Genetti hat den fünften Kontinent in sechs Tagen abgeflogen. Nun fragt sie sich: Was soll jetzt noch kommen?

Es gibt Dinge, die Frau besser nicht machen sollte. Zum Beispiel: sich in jungen Jahren einen Traum erfüllen. Und für einen Quickie nach Down Under reisen. WIENERIN-Redakteurin Marion Genetti hat den fünften Kontinent in sechs Tagen abgeflogen. Nun fragt sie sich: Was soll jetzt noch kommen?

Text & Fotos Marion Genetti

Noch weiß ich nicht, dass dieser Trip mich verändern wird. Aus einem „Ach, ich fliege mal nach Down Under“ wird später eine mittelschwere Krise – mit der noch immer aktuellen Frage: Wo soll ich zukünftig Urlaub machen? Doch der Reihe nach. Noch ist alles gut, ich habe soeben 21 Stunden Flug hinter mich gebracht, bin Halbmarathons an den Airports Frankfurt und Singapur gelaufen – und kann trotzdem lachen. Liegt wohl an der frischen Luft und an den Sonnenstrahlen. Und an der Temperatur. 30 Grad. Spätsommer in Adelaide. Endlich wieder Flip-Flops und Mini tragen. Sechs Tage lang.

1. Tag: Adelaide
Was tun nach dem langen Flug? Erst mal im Hotel einchecken – und duschen. Das schnucklige Hotel liegt an der Rundle Mall, der Einkaufs­straße der 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt. Ich schaue aus dem Badezimmer-Fenster und habe das Gefühl, nicht ans andere Ende der Welt, sondern an ein Filmset gereist zu sein. Die Häuser sehen aus wie im Wilden Westen. Als ob gleich John Wayne um die Ecke ­geritten käme.
Nach einem Walk durch die Neighbourhood mache ich einen Abstecher auf einen der unzähligen Hügel, die Adelaide umgeben. Von hier sehe ich das erste Mal das Meer. Ich kann es sogar hören. Es ruft mich. Und ich folge. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit der historischen Bahn nach Glenelg, zur Badebucht. Kinder bauen Burgen, Fischer werfen ihre Angeln aus. Und ich? Lasse mich in den Sand plumpsen und danke dem Leben, das es so gut mit mir gemeint hat.
Mein Magen fängt an zu knurren. Ich habe die Qual der Wahl: Thailändisch? Indisch? Oder vielleicht australisches Essen? Natürlich australisch. Und natürlich draußen essen. Und, äh, natürlich … ja, ich probiere Känguru-Fleisch. Damit ich das auch mal abgehakt habe im Leben. Sie wollen wissen, wie das schmeckt? Ähnlich wie Rindfleisch, nur zarter. Dazu Wein. Schließlich sitze ich an der Quelle. Adelaide gilt als bedeutendste Weinstadt des Landes. Sechs der besten zehn Weine Australiens werden hier, im Umkreis einer Autostunde, gekeltert.
24 Stunden Down Under, und ich bin begeistert.

2. Tag: Barossa Valley
Gestern Wein getrunken. Heute werde ich seine Herkunft recherchieren – und fahre in die „ flachen“ Weinberge. Recherchieren heißt allerdings: Trinken! Bereits nach einer halben Stunde hält der Fahrer an, steigt aus – und schenkt ein. Da ich zu dieser Tageszeit lieber Kaffee als Alkohol schlürfe, landet die Hälfte meines edlen Tropfens im Gebüsch. Weiter geht’s. Endlose Weiten erstrecken sich links und rechts und vor mir. Das Gras ist wegen der Trockenheit braun und ausgebleicht, die noch grünen Bäume wehen im Wind. Eine Ortschaft mit dem Namen Hahndorf macht mich stutzig. Hat mich jemand zurück nach Österreich gebeamt? Von wegen. Es waren deutsche Einwanderer, die die Landschaft hier vor knapp 200 Jahren besiedelt haben. Und das heißt: Deutsch, mit allem, was dazugehört. Modelleisenbahn, Erdbeerplantage, Würstel und Rösti.
Ach ja, meine Recherche. Auf dem Weingut Penfolds Winery begrüßt mich freundlich die Chefin – und hilft mir bei meiner Arbeit, indem sie Dutzende von Weinen auffährt. (Pseudo-)fachmännisch schwenke ich das Glas. Nippe, kaue, schlucke. Am Ende des Tages werden es sechs Weinkellereien sein, die ich inspiziert habe. Könnten auch mehr gewesen sein. Bereits am frühen Nachmittag hat sich ein Schleier über mein Gehirn gelegt.
48 Stunden Down Under. Ich bin mächtig betrunken. Und schwer begeistert.

(...)

Lesen Sie mehr über das berauschende Erlebnis Australien – die restlichen vier Tage finden Sie in der April-Ausgabe der WIENERIN.

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Von Adelaide geht’s mit der historischen Eisenbahn zur Badeküste Glenelg.

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Schlafende Seelöwen soll man nicht wecken, beschließt Redakeurin Marion Genetti an der Seal Bay von Kangaroo Island.

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National Geographic hat Kangaroo Island zur schönsten Insel der Asien-­Pazifik-Region gekürt.

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