Am Rande der Magersucht

Christian Bale ist frei von den typischen Hollywood-Skandalen. Sein einziges Laster: Er quält sich gerne selbst. So, dass es wehtut.

Er ist der Mann der Extreme und liebt es, an seine Grenzen zu gehen. Trotzdem ist er frei von den typischen Hollywood-Skandalen. Seit sieben Jahren ist der 34-jährige Schauspieler nämlich verheiratet. Glücklich. Und ein Kind hat er auch. Sein einziges Laster: Er quält sich gerne selbst. So, dass es wehtut.

Text Johanna Jenner Fotos Bryce Duffy/CORBIS OUTLINE, TOBIS Film

Kaffee mit fettarmer Milch, Zigaretten und Whiskey – so lautet die Bale’sche Radikaldiät. Zu beißen gibt’s nur einen Apfel pro Tag. Nach wenigen Wochen wiegt Christian Bale 30 Kilo weniger – und steht bei 52 Kilo wackelig auf den dürren Beinen. Warum die völlige Selbstzerstörung? „Ich bin jemand, der sich gern herausfordert und seine Grenzen austestet. Für den Job tu’ ich alles.“

So wie vor vier Jahren, als er die Hauptrolle in The Machinist (2004) spielt und sich auf diese radikale Diät setzt. Denn er will überzeugend den von Schuldgefühlen getriebenen Mann mimen, der mehr als ein Jahr nicht geschlafen hat. Und so zieht sich Bale Monate zurück. Nur mit seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter Emmaline teilt er die Leiden der Diät. „Ich wollte dem Essen aus dem Weg gehen, traf mich nicht mehr mit Freunden. Oft saß ich nur im Sessel und achtete panisch darauf, ob mein Herz noch schlägt. Ich war so dünn, dass meine Frau es mit der Angst zu tun bekam und mir beim Schlafen einen Spiegel unter die Nase hielt, um zu sehen, ob ich noch atme.“

Der Atem stockt dem aus Wales stammenden Darsteller jedoch erst, als er von seinem Arzt Folgendes zu hören bekommt: „Herzlichen Glückwunsch, Herr Bale. Sie haben die Körperwerte eines 80-Jährigen erreicht.“ Das wirkt. „Danach fraß ich alles in mich hinein, um wieder zu Kräften zu kommen.“ Ist auch höchste Eisenbahn – schließlich steht die nächste Rolle vor der Tür. Bringt doch Hungerhaken Bale beim Batman-Casting nicht mal mehr einen Liegestütz auf die Reihe. Sechs Wochen hat er, um den Superhelden-Anzug in Batman Begins (2005) wieder auszufüllen. Weshalb sich Mr. Jo-Jo-Effekt mit Pizza und Eiscreme vollstopft – und wieder 40 Kilo draufpackt. Zu viel, wie sich herausstellt. Als er zum Set kommt, bleibt den Produzenten die Luft weg. „Sie sagten alle: ,Du bist zu fett. Kann schon sein, dass unter der Fettschicht auch Muskeln sind, die kann aber keiner sehen.‘ So musste ich wieder 15 Kilo abnehmen“, sagt Bale und seufzt.

(...)

Mehr über Bales Kindheit im Rampenlicht und seinen jüngsten Film, die starbesetzte Bob-Dylan-Biografie I'm Not There, erfahren Sie in der März-Ausgabeder WIENERIN.

bild4_164

Christian Bale: „Ich war so dünn, dass mir meine Frau beim Schlafen einen Spiegel unter die Nase hielt, um zu sehen, ob ich noch atme.“

Links:
extern_link Film: I'm Not There
extern_link Christian Bale

Aktuell