Am Prüfstand

Im Fußball haben die Italiener eindeutig die Nase vorn. Aber wie schlagen sich unsere glutvollen Nachbarn in den anderen, lebenswichtigen Disziplinen wie beispielsweise Humor? Romantik? Aufmerksamkeit? und Ehrlichkeit? Ist jedes italienische Gastspiel gleich ein Heimspiel? Wir prüfen nach ....


"Principessa", textet mir feurig Giorgio aus Venedig ohne Aufforderung, "Ich komme nach Wien. Mit all der Zuneigung, die mir erlauben darf." Hat er sich gerade darüber hinweggesetzt, dass ich weder adelig noch tadelig bin, sondern vielmehr verheiratet - nach 20 Jahren gegen seine Anmachsprüche - immun? Wenigsten probiert er nicht mehr seine mageren Englischkenntnisse an mir aus. Das hätte auf mich die gleiche erotische Wirkung wie Geschirrwaschen. Trotzdem für diese peinliche Ansage gibt es nur Negativpunkte: Unverschämtheit: 1:0 für Italien.

Süß wie Tiramisu, feurig wie Pizza Diabolo, redegewandt wie Petrarca: der italienische Mann. Aber wie und warum hat das mit mir und den Italienern eigentlich angefangen ...

Bei mir ist Claudio aus Udine daran schuld: Es war Liebe auf den ersten Blick und ich war 10. Acht Jahre lang habe ich mit der Sohn des RAI-Korrespondenten schmachtend die Schulbank gedrückt und mindestens ein Auge auf ihn geworfen. Nicht ganz ohne Erfolg. Für die explosive Mischung aus italienischen Genen und österreichischer Erziehung sollte es ein nur ein "Unentschieden" geben. Dennoch ein nostalgischer Bonuspunkt: Romantik: 1:0 für Italien.

Marco aus Verona war seiner Freundin nicht ganz treu, als er mich als 17-Jährige küsste. Dafür waren seine Liebesbeteuerungen an den Backfisch von nahezu umwerfender Kreativität. Von diesem Ideenreichtum haben später so viele Damen profitiert, dass seine spätere Frau wegen Untreue die Scheidung einreichte.
Glaubwürdigkeit: 1:0 für Österreich. Treue: 1:0 für Österreich.

Niemand hat mich je so zum Lachen gebracht wie Michaelangelo aus Urbino: Die schräge Mischung aus Roberto Benigni und "La Linea" hat uns 40 internationale Studenten während einer Japanreise mit seinen Real-Life-Stand-Up-Comedy-Einlagen so gut unterhalten, dass wir sogar zum Frühstück Räucheraal essen konnten. Ja. ja. La vita è bella. Dafür gibt's sogar zwei Punkte.
Humor: 2:0 für Italien.

Italo aus Rom fühlte sich fern der ewigen Stadt einsam: "Wenn du mich nicht erhörst, kann nicht weiter leben", sagte der Arzt mit Tränen in den Augen. "Meine Mutter in Rom wäre glücklich, wenn sie so eine schöne, kleine Blume wie dich an meiner Seite wüsste ..." Fast hätte mein schlechtes Gewissen mich erdrückt. Zwei Wochen tröstete sich das billige Adriano Celentano-Double mit einer blonden Texanerin.
Hang zum Muttersöhnchen: 1:0 für Italien.
Ehrlichkeit: 1:0 für Österreich.

Antonio aus Cantazaro ist mit Abstand der beste Koch, der mir je begegnet ist. Sein "Pollo alla don Giacinto" zergeht auf der Zunge. Schon mit Anfang 20 war er ein junger Gott am Herd. Ich werde ihn nie vergessen. Leider waren die Geschichten um seine Mafia-Verbindungen wohl doch kein Scherz. Er ist seit Jahren spurlos verschwunden.
Kochkünste: 1:0 für Italien.

Fazit: Die italienischen Männer sind doch besser als ihr Ruf. Oder ich habe einfach nur die falschen getroffen. Oder es stimmt tatsächlich, was mein Freund Matthias über Italiener sagt:
"Die haben es leicht. Sie müssen sich nur zwei Wochen im Sommer mit euch Frauen auseinandersetzen. Wir hingegen betreuen euch das ganze Jahr ..."


Zutaten:
800 g Huhn (Keule, Brust oder Filet)
Eine halbe Limone
Eine dicke Zwiebel
400 g Erdäpfel
Scharfes Paprikapulver
1 scharfe Pfefferoni
Olio extravergine d'oliva
3 Lorbeerblätter
Salz

Empfohlene Weine:
Lamezia Rosso, Lago di Caldaro (rosso)

Zubereitung:
Hühnerstücke mit Limone beträufeln, Zwiebel fein schneiden, Erdäpfel waschen, schälen, ebenfalls fein schneiden. In einem Bräter aus Terracotta die gesalzenen Hühnerstücke mit kleine Pfefferonistücken unterlegen und mit Olivenöl beträufeln. Der geschnittene Zwiebel und die Lorbeerblätter kommen obenauf. Ab ins Backrohr mit einem kleinen Tröpfchen Wasser. Nach 20 Minuten wenden und nochmals für 15 Minuten anbraten.

Sollte das Pollo alla don Giacinto nicht gelingen, fragen Sie doch Antonio!

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