Alt, arm, weiblich

Altersarmut wird nicht durch einen plötzlichen Schicksalsschlag ausgelöst, sie kommt schleichend. Und trifft dreimal mehr Frauen als Männer. Von einer persönlichen Geschichte, die alles andere als ein Einzelfall ist.

Altersarmut bei Frauen

„Das habe ich mir gänzlich anders vorgestellt. Ich war gut ausgebildet, jung verheiratet, berufstätig, wir haben 3 Kinder bekommen und ich war 9 Jahre daheim bei den Kindern, wie es damals üblich war. Alle Freundinnen haben das genauso gemacht. Ehrenamtliches Engagement in der Pfarre und dort und da haben mein Leben bereichert und mit Sinn erfüllt. Lebensjahre ziehen ins Land. Lebenspläne zerbrechen. Der berufliche Wiedereinstieg in Teilzeit ist gut gelungen. Die Ehe ist gescheitert. Jetzt habe ich noch einige Jahre berufliche Laufbahn vor mir. Die Vorausberechnung meiner Pension ist gelinde gesagt schockierend und macht mir Druck und Stress. Gefühle der Wertlosigkeit und Wut begleiten mich.  Ich will mich selbst gut versorgen können und das sogenannte gute Leben haben, von dem alle reden. Enttäuscht von schönen Worten in Politik, Kirche und Gesellschaft, kann ich davon nur träumen.“

Frau E.G.

Frau G.s Geschichte ist kein Einzelfall: Laut Jahresbericht der Pensionsversicherungsanstalt ist in Österreich jeder zehnte Mensch in Pension von realer Armut betroffen. Frauen sogar dreimal häufiger als Männer. Gleichzeitig steigt die Zahl jener Frauen, die in ihrem Ruhestand einen sozialen Abstieg hinnehmen müssen. Denn die durchschnittliche Alterspension beträgt für Österreicher 1.419 Euro, Österreicherinnen bekommen mit 842 Euro 40 Prozent weniger.
Dabei sind es vor allem Frauen, die sich ihr Leben lang engagiert haben, oft im Rahmen unbezahlter Arbeit, in Vereinen, in der Pfarre. Frauen, die in klassisch-konservativen Familienmodellen gelebt und vielleicht sogar nie erwerbsmäßig gearbeitet haben, stehen nach einer Scheidung oder dem Tod des Mannes vor einer finanziellen Notsituation.

Trotzdem ist Altersarmut kein plötzlicher Schicksalsschlag: Fast immer wurzelt sie in jüngeren Jahren, durch Kinderbetreuungszeiten, Teilzeitbeschäftigung oder ausbleibende Unterhaltszahlungen.

Um das Thema Altersarmut aufzuzeigen und die Gesellschaft für genau diese Risikofaktoren zu sensibilisieren, wurde die Plattform alt.arm.weiblich gegründet. Sie will neben Präventionsinitiativen auch ein Rettungsanker für die steigende Zahl an Betroffenen sein. Denn zur Scham über die eigene Armut kommt das Wegfallen sozialer Kontakte, Armut drückt sich nicht nur finanziell aus.

Ökumenische Plattform "alt.arm.weiblich"

Initiiert von der Seniorenpastoral der Erzdiözese Wien, von der Kontaktstelle für Alleinerziehende, der Plattform WIGE, dem Katholischen Bildungswerk und der Bildungsinitiative Anima sowie der evangelischen Stadtdiakonie.

Zahlen, Fakten und Kontakt unter www.altarmweiblich.at 

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