Als Mann im Zyklus-Workshop

Was wissen Männer über den weiblichen Menstruationszyklus? Unser Kollege hat einen Zyklus-Workshop für Männer besucht. Und dabei eine ganze Menge gelernt.

„Als Mann ist man eigentlich mit vier verschiedenen Frauen zusammen“, erklärt Anna Nussbaumer am Anfang unseres Gesprächs etwas augenzwinkernd. Dieser Satz ist es auch, der mir in den kommenden Wochen am stärksten im Gedächtnis bleibt. Ich befinde mich im Männer-Workshop von APur, dem Baby von Anna Nussbaumer und lerne gerade, wie man als Mann mit dem Zyklus seiner Partnerin gut umgehen kann.

Nussbaumer hat ein Diplom in Kindergartenpädagogik, einen Magister-Titel in Publizistik und Kommunikationswissenschaft und jede Menge Coaching- und Beratungsausbildungen in der Tasche. Sie hat sich vor 11 Jahren auf das Thema Weiblichkeit spezialisiert und sich auf dem Gebiet mittlerweile einen Namen gemacht. Für gewöhnlich gibt sie Zyklus-Workshops für Frauen in Wien, Graz, Klagenfurt und anderen Städten in Österreich. Daneben macht sie Wüstenreisen mit Frauen, bei denen es ebenfalls um den Zyklus und weibliche Kraft geht. Und: Sie bietet eben mittlerweile auch Zyklus-Workshops für Männer an.

Anna Nussbaumer

Nachdem der Termin für den Männer-Workshop diesmal nicht genug Anmeldungen hatte, bekomme ich ein Einzelcoaching per Skype. Schade, ich hätte gerne gehört, was andere Männer zum Thema Zyklus interessiert und was bei ihnen die Aha-Momente sind. Aber immerhin, ich muss dafür nicht aus dem Haus und kann den Workshop bequem per Laptop besuchen.

Kein Blatt vor dem Mund

Bei unserem Skype-Gespräch sind Ann Nussbaumer und ich gleich per du. Anna wirkt sehr locker und redet ohne Umschweife mit mir über Dinge wie die Verhütungsmethode, die meine Freundin und ich benutzen, und die Frage, zu welchem Zeitpunkt in ihrem Zyklus wir meistens Streit haben. Wir reden übers Mannsein und Frausein aus Sicht der Hormone und der Natur. Auch der Mann hat nämlich einem hormonellen Zyklus, erfahre ich. Allerdings läuft das Auf und Ab seiner Hormone in einem 24-Stunden-Rad. Dabei ist der Testosteronspiegel in der Früh am höchsten und sinkt zum Abend hin kontinuierlich ab. „Männer sind dadurch eher auf Regelmäßigkeit – ja sogar eine gewisse Monotonie – gepolt, während Frauen das Lebendige, den ständigen Wechsel zwischen den Zuständen erleben und auch brauchen“, erklärt mir Anna. Das klingt zwar nach Klischee, kommt mir aber tatsächlich sehr bekannt vor.

Gefühls-Wechselbad

Der Weibliche Hormonzyklus dagegen ist, so erfahre ich von Anna Nussbaumer, in vier Phasen unterteilt – daher auch die eingangs erwähnten vier Frauen, mit denen man zusammen ist. Die Phasen des Zyklus werden mir anschaulich mit den vier Jahreszeiten erklärt. In jeder der vier Zyklusphasen hat die Frau unterschiedliche Herausforderungen aber auch unterschiedliche Potenziale.

So erfahre ich, wann es am besten ist, sich gemeinsam um organisatorische Fragen wie Urlaubsplanung zu kümmern (in der Woche nach dem Abklingen der Blutung), wann man am besten gemeinsam zuhause bleibt und gemütlich Film schaut (in der Woche vor der Regel) oder als Partner lieber mal ein bisschen mit Freunden unterwegs sein sollte, statt sich gegenseitig zu nahe auf die sprichwörtliche Pelle zu rücken (je nach Bedarf während der Regel).

Lerneffekte

Wenn die Hormone nämlich an ihrem Tiefpunkt sind, also während er Blutung, geht es der Frau oft tatsächlich nicht sehr gut. „Die Frau macht sich dann mehr Sorgen, fühlt sich körperlich schlechter, kann nicht die gleichen Leistungen bringen“, erklärt die Expertin. In dieser Phase solle man Diskussionen eher vertagen und eher um ein paar Tage verschieben. Dann könne es gut sein, dass man das Thema nicht mehr so eng sieht. Als Partner kann ich meiner Freundin in der Phase helfen, indem ich z.B. mehr im Haushalt übernehme und mich generell mehr um Dinge kümmere, die erledigt werden müssen. Organisatorische Aufgaben wie die Urlaubsplanung sollte man lieber nicht in diesem Zeitraum zu führen. Am Ende gibt mir Anna noch ein paar Literaturtipps und rät mir, eine App mit Zykluskalender runterzuladen.

FAZIT:

So unverblümt darüber zu reden, was Frauen und Männer biologisch und psychologisch voneinander unterscheidet ist heutzutage fast ein bisschen tabu. Bei Anna Nussbaumer klingen die kleinen und großen Mann-Frau-Unterschiede aber nicht wie Klischees sondern einfach wie Akzeptanz. Mir gefällt der Zugang.

Manches von dem, was mir Anna über den Zyklus der Frau erzählt, kommt mir bekannt vor, anderes ist mir neu. Am hilfreichsten ist es aber, dass sie diese allgemeinen Infos immer mit konkreten Tipps in Verbindung bringt.

Der spannendste Teil kommt für mich in den Wochen nach dem Workshop. In der Zeit beobachte ich, ob die Dinge, die ich gelernt habe, stimmen. Und tatsächlich: Während der Regel meiner Freundin haben wir zweimal Streit. Das ist schon ein Aha-Erlebnis. Dafür verschieben wir wirklich ein paar Orga-Sessions auf ihren hormonellen „Frühling“ – und siehe da: es läuft tatsächlich sehr reibungslos ab. Eine Zyklus-App hab ich nicht heruntergeladen – die waren mir zu sehr gefüllt mit Darstellungen von Embryonen und Schwangerschaftsbäuchen – aber einfach mal den Zyklusbeginn meiner Freundin in meinem Kalender eingetragen. Jetzt darf ich nur nicht vergessen, dort reinzuschauen…

 

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