Alltägliches Chaos

Chaos begleitet uns unser ganzes Leben - ob wir es wollen oder nicht. Wo Chaos überall anzutreffen ist, auch oft ohne dass wir es merken, verraten wir Ihnen hier.

Ordnende (Vor-)urteile

Unordnung verstärkt Vorurteile, stellten niederländische Forscher in einer Feldstudie fest. Auf einem vermüllten Bahnhof äußerten (hellhäutige) Menschen öfter Vorverurteilungen gegenüber Homosexuellen und Muslimen und rückten deutlicher von ihren Sitznachbarn ab, wenn diese dunkelhäutige Männer waren, als in einem zweiten Experiment in ordentlichem, sauberem Umfeld.

Chaos im Teenie-Kopf

Pubertierende Kinder bringen mit ihrem Verhalten Eltern oft zur Weißglut. Kein Wunder: Ihr Hirn gleicht einer Großbaustelle - und diese Umbauprozesse bringen Jugendliche aus dem Takt. Das Hirn beginnt sich neu zu verschalten, legt neue Nervenverbindungen an und andere still. Dabei reift es erst hinten, dann vorne. Da der vordere Teil des Hirns das „rationale Kontrollzentrum" ist, fällt es Jugendlichen schwer, sich zu entscheiden. Sie greifen bei Entscheidungen auf einen Gehirnteil zurück, der Gefühle reguliert - Entscheidungen können kaum vernunftgeleitet ausfallen ... Auch für die morgendliche Übermüdung gibt‘s eine erklärung: Bei Teens wird das Schlafhormon Melatonin bis zu 48 Stunden später ausgeschüttet.

Aufgemischtes Weltall

Auch junge Sterne machen ihrem Umfeld zu schaffen: Astronomen der Europäischen Südsternwarte konnten vor kurzem mit Bildern des Very Large Telescope belegen, wie die Geburt eines Sternes Chaos stiftet: Materieströme von den Stern-Newbies, bis zu eine Million km/h schnell, kollidieren mit Gaswolken, erzeugen Stoßwellen und lassen die Gaswolken leuchten - wobei surreal wirkende Bögen, Flecken und Streifen entstehen.

Migräne gegen Migräne

Lässt sich Chaos kontrollieren - durch sich selbst? Das wollen Physiker, Mathematiker und Neuroinformatiker an der TU Berlin rausfinden. Sie untersuchen in „nichtlinearen dynamischen Systemen" die Folgen chaotischer Prozesse - wie etwa Migräne, Finanzmarktkrisen, Stromausfälle. Ihr Ziel: Modelle zu entwickeln, mit denen sich solche Systeme steuern lassen, indem man ihre Fähigkeiten zur Selbstorganisation nutzt.

Chaos, Angst und Ordnung
Jürgen Kriz
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Ausgetickt
Lothar Seiwert
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