Alkohol in der Schwangerschaft: „Es gibt keine sichere Grenze“

Ab welcher Grenze Alkohol in der Schwangerschaft zum Problem wird, ist unklar, meint eine deutsche Expertin.

„Ein Glaserl kann ja nicht schaden“ – ein Satz, den werdende Mütter oft hören, sogar von ihren Ärzten. Eine Studie der Karmasin Motivforschung im Auftrag der der Initiative „Mein Kind will keinen Alkohol!“ aus dem Jahr 2011 zeigte, dass das Wissen um Alkohol in der Schwangerschaft in der heimischen Bevölkerung nicht sehr ausgeprägt ist. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann Ursache von angeborenen körperlichen und geistigen Behinderungen sein. Diese Schäden werden unter dem „Fetalen Alkohol Syndrom (FAS) zusammengefasst.

Das Kind trinkt mit

Gisela Michalowski, Vorsitzende von FASD Deutschland, sagt: „Der Alkohol, den die Mutter trinkt, gelangt innerhalb weniger Sekunden zum Kind. Alkohol ist ein Zellgift und verändert die Zellen des Ungeborenen. Das Kind braucht für den Abbau acht bis zehn Mal länger als die Mutter.“ Vor allem das erste Trimester sei gefährlich, da sich in dieser Phase die Organe ausbilden. Sie sagt: „Letzten Endes ist die Menge egal. Es gibt keine sichere Grenze. Für jeden ist klar, dass man beim Autofahren nicht trinken darf – aber für die Schwangerschaft ist das noch nicht so in den Köpfen angekommen“, sagt die Expertin. Als Negativbeispiel nennt sie eine Mutter, deren Arzt ihr ein Glas Rotwein am Tag während der Schwangerschaft verordnet hat – sie brachte ein schwerbehindertes Kind zur Welt. Muskeln und Knochen sind in Gefahr – deshalb sind Kinder mit FAS meist klein und schlank. Bei starkem Konsum können aber auch innere Organe wie Herz, Niere und Leber beeinträchtigt werden.

Michalowski ist Dipl. Sozialpädagogin hat selbst vier erwachsene leibliche Kinder und ist Adoptivmutter, Pflegemutter sowie Erziehungsstelle von vier Kindern mit FASD. Sie beobachtet bei letzteren vor allem Lernschwächen. „Das Verhalten war anders, sie lernten nicht aus Negativerfahrungen und hatten vor allem in Mathematik Lernschwierigkeiten. Es gibt sogar Kinder, die vergessen ihren eigenen Schulweg.“ Lern- und Schlafstörungen sind mit die häufigsten Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Im breiter gefassten Syndrom «Fetal Alcoohol Spectrum Disorder» zeigen sich die Schäden in Lernschwierigkeiten, Sprachstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Rund eins von hundert Neugeborenen kommt in Europa mit Alkoholschäden auf die Welt. Genaue Zahlen für Österreich gibt es leider nicht.

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