Alexa O'Brien im Interview

Sie arbeitet 14 Stunden täglich – „Minimum!“ –, und das unentgeltlich und ungefragt. Es geht ihr um unsere Bürgerrechte und die des US-Soldaten Bradley Manning, der sensible Informationen aus dem Irak-Krieg an WikiLeaks weitergegeben haben soll.

Alexa O'Brien dokumentierte als Einzige den Auftakt des kafkaesken Militär-Prozesses in Fort Meade, den die US-Regierung eigentlich schnell und unauffällig durchziehen wollte. Ihre tausende Seiten umfassenden Protokolle (veröffentlicht unter alexaobrien.com) sind eine unabhängige und inzwischen unverzichtbare Quelle für Journalisten und Öffentlichkeit. Beim Gespräch mit der WIENERIN weiß die in New York City lebende Journalistin und Aktivistin oft nicht, ob sie (darüber) lachen oder weinen soll.


Sie versäumen kein Hearing, schreiben jedes Wort per Hand mit, weil das Gericht Computer verbietet. Wie geht sich das aus?


Ich schlafe kaum, lebe wie ein Teenager. Meine Mutter hilft mir mit dem Abwasch und Dingen, die ich in meinen Dreißigern selbst schaffen sollte. Ich treffe keine Freunde. Ich habe kein Privatleben, keinen Mann und keine Zeit für eine eigene Familie. Seit über zwei Jahren fragen mich alle: „What the f***, Alexa?!"

Und was antworten Sie?

Dass ich Journalistin bin - und ein Mensch. Dass ich das nicht geplant habe, aber für notwendig erachte, weil wir der Regierung und der klassischen Berichterstattung nicht mehr trauen können. Weil es den Institutionen nur noch um Machtvergrößerung geht - mit Guantanamo und gegen Transparenz.


Woher nehmen Sie Ihre Motivation?


Ich bin eine sehr leidenschaftliche Person, egal ob es um das Großziehen eigener Kinder ginge oder eben meine jetzige Arbeit. Und ich befürchte, wenn sich nicht bald etwas ändert, landen wir wieder im dunklen Mittelalter.


Ein Urteil gibt's in zwei, drei Monaten ...

... dann kehre ich zurück in mein altes Leben. Aber manchmal habe ich Angst, dass ich mich obdachlos auf der Straße wiederfinde, wenn das alles vorbei ist (lacht - und reibt sich die Augen).

Alexa O'Brien ist Journalistin, Filmemacherin und Digitalmedien Strategin. Seit 2011 erstellt sie ein umfangreiches Archiv, bestehend aus den einzig verfügbaren Transkripten zum Prozess von WikiLeaks-Informant Bradley.

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