Alarmzeichen für Demenz und was du vorbeugend tun kannst

Probleme mit dem Gedächtnis lösen bei vielen Betroffenen Beschämung aus und wecken auch die Angst vor Demenz. Dabei ist die nicht immer begründet. Kommen neben der Vergesslichkeit weitere Probleme dazu, sollten aber die Alarmglocken schrillen.

Demenz ist schwierig zu erkennen

Du suchst ständig nach deinem Schlüssel oder dem Geldbörserl, erinnerst dich nicht mehr an Dinge, die du am Vortag gehört hast, versäumst Termine und hast Probleme, dich im Alltag zurechtzufinden? Dahinter kann eine Demenz stecken.

Aktuellen Schätzungen zufolge leben in Österreich 115.000 bis 130.000 Menschen mit irgendeiner Form der Demenz. Aufgrund des kontinuierlichen Altersanstiegs in der Bevölkerung wird sich diese Anzahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln und der Betreuungs- und Pflegebedarf wird somit weiter steigen – so die Zahlen des österreichischen Demenzberichts des Sozialministeriums.

Demenz ist schwierig zu erkennen

Zu Beginn ist eine Demenz nicht leicht zu erkennen. Gedächtnisstörungen können auch durch behandelbare psychische oder körperliche Erkrankungen hervorgerufen sein. Zum Beispiel durch eine Depression. "Depressive Episoden führen vorübergehend auch zu Gedächtnisproblemen sowie zu Handlungs- und Orientierungsproblemen", sagt Prof. Wolfgang Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn, zur DPA.

Eine Demenz von einer Depression abzugrenzen, ist oft nicht einfach: "Gedächtnisprobleme werden oft als persönliches Versagen erlebt und führen zu Selbstwertzweifeln. Da Selbstwertprobleme auch ein Kennzeichen von Depression sind, sind beide Erkrankungen oft nur schwer voneinander abzugrenzen."

Eine Form von Demenz ist die Alzheimer Krankheit oder auch Alzheimer-Demenz/Morbus Alzheimer genannt. Sie ist die häufigste Form der Demenz und eine unheilbare Störung des Gehirns. Dabei sterben Nervenzellen im Gehirn ab und Menschen werden vergesslich, verwirrt und orientierungslos.

Alzheimer: Die Smyptome

  • Man stellt immer wieder die selben Fragen
  • Man hat keinen sicheren Umgang mit Geld
  • Deutliche Beeinträchtigung des Gedächtnisses, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses
  • Orientierungsprobleme
  • Probleme mit dem Zeitgefühl
  • Man weiß nicht mehr wie alltägliche Tätigkeiten funktioneren (z.B. Kochen)
  • Die alltägliche Routine gerät durcheinander
  • Man vernachlässigt sein Äußeres, bestreitet dies aber
  • Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen
  • Die selbe kurze Geschichte wird immer wieder erzählt
  • Anzeichen von Aggressionen und Depression
  • Fehlende Motivation und Interesse
  • Bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt

Wie kannst du dich schützen?

Bewegung, gesunde Ernährung und geistige Aktivität. Diese drei Säulen sollten eine wichtige Priorität in deinem Leben sein. Dadurch trainierst du nicht nur deinen Körper, sondern auch deinen Geist. Resultat: Du bleibst länger fit und zwar nicht nur um Alzheimer auszuschließen, sondern in jeder Hinsicht.

Ebenfalls förderlich: Lese Bücher, spiele Schach, löse Rätsel, habe Hobbys. Es ist wichtig, das Gehirn dazu anzuregen, zu arbeiten. Auch Freundschaften sind wichtig. Denn es ist erwiesen, dass Menschen, die sich gerne von anderen abkapseln, ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Zusätzlich erkennen Freunde und Familie meistens zuerst die anfänglichen Symptome.

Eine Rolle spielt vorbeugend auch die Ernährung. Gönne dir viel Obst, Gemüse, Nüsse und Olivenöl. Weniger förderlich ist rotes Fleisch. Greifst du zu Fisch, nimm idealerweise fetten Fisch wie Lachs, Kabeljau oder Makrele – sie enthalten Omega-3-Fettsäuren. Und: Trinke ausreichend Wasser und gerne auch Tee und Kaffee.

Diagnose und Therapie

Die korrekte Diagnose kann Therapien ermöglichen, die den Gedächtnisschwund aufhalten. Sogar die Alzheimer-Erkrankung lässt sich bremsen, wenn du rechtzeitig mit geeigneten Therapie-Maßnahmen beginnst und so deren Schutzwirkung optimal ausnützt. Deswegen ist eine möglichst frühe Diagnose von großer Bedeutung. Trotzdem gibt es noch keine Therapie, die Alzheimer vollständig heilt.

Diplom-Sozialpädagogin Saskia Weiß, die beim Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft tätig ist, rät Angehörigen im Gespräch mit der DPA, darauf zu achten, wann Betroffene selbst Probleme ansprechen. "Gerade am Anfang machen Betroffene gelegentlich Bemerkungen wie 'heute bin ich wieder so fahrig' oder 'irgendetwas stimmt nicht mit meinem Kopf'. Das kann man als Aufhänger nehmen, um seine eigene Sorge zu benennen und einen Arztbesuch vorzuschlagen", sagt Weiß. Sie empfiehlt, die Reizworte "Demenz", "Alzheimer" und "Gedächtnisstörungen" dabei erst einmal zu vermeiden.

Alzheimer ist nicht heilbar. Seit einigen Jahren gibt es aber zumindest Medikamente, die das Fortschreiten der Krankheit im Anfangsstadium um etwa ein Jahr verzögern können. Trotz der begrenzten Therapiemöglichkeiten raten Expert*innen zu einer möglichst frühen Diagnose. Die Krankheit auch "nur" um ein Jahr auszubremsen ist wertvoll. Außerdem könnten Betroffene bei einer frühen Diagnose rechtzeitig mit ihrer Familie die Zukunft planen und verfügen, wie sie versorgt werden wollen, wenn sie nicht mehr urteilsfähig sind.

 

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