Abtreibungsgegner*innen in Brasilien: 10-Jährige sollte nach Missbrauch nicht abtreiben dürfen

Ein 10-jähriges Kind wurde durch einen Missbrauch schwanger. Ein Abbruch wäre legal, Abtreibungsgegner*innen blockierten aber das Spital.

Brasilien hat ein strenges Abtreibungsgesetz, aber für sie wäre ein Schwangerschaftsabbruch legal gewesen. Am Ende musste das Mädchen trotzdem im Kofferraum eines Autos versteckt in das Krankenhaus der brasilianischen Küstenstadt Recife gebracht werden. Abtreibungsgegner*innen blockierten den Eingang. Sie wollten verhindern, dass das erst zehn Jahre alte Kind seine Schwangerschaft sicher und legal abbrechen kann.

Seit vier Jahren soll ein Onkel das Mädchen regelmäßig vergewaltigt haben, so kam es auch zu der Schwangerschaft des Kindes. Ärzt*innen sahen das Leben des Mädchens in Gefahr, sollte sie gebären müssen. Eine Abtreibung lehnte ein erstes Krankenhaus im Heimatbundesstaat des Mädchens dennoch ab. Offiziell, weil die Einrichtung nicht die notwendige Ausstattung habe. Kritiker*innen vermuten allerdings ideologische Gründe.

Abtreibung verboten

In Brasilien sind Abtreibungen prinzipiell verboten. Ungewollt Schwangeren drohen bei einem Abbruch Haftstrafen zwischen einem und drei Jahren. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist, beim Fötus die schwere Missbildung Anenzephalie festgestellt wird (die Lebenserwartung bei dieser Schädelfehlbildung beträgt nach der Geburt nur wenige Stunden) oder das Leben der Mutter in Gefahr ist. Bei dem zehn Jahre alte Mädchen aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito treffen zwei der drei Voraussetzungen zu, eine Abtreibung wäre also legal möglich.

Proteste für und gegen Selbstbestimmung

Die Familie des Mädchens wandte sich nach der Absage des ersten Krankenhauses an ein Gericht. Der zuständige Richter verfügte, dass der Eingriff in einem Krankenhaus in Recife durchgeführt werden solle - doch damit sollte das Trauma des Mädchens noch kein Ende finden. Anti-Choice-Aktivist*innen veröffentlichten die Namen des Kindes und der zuständigen Klinik in sozialen Medien. Die Abtreibungsgegner*innen organisierten den Protest vor dem Spital. Gleichzeitig protestierten feministische Demonstrant*innen für das Recht auf Selbstbestimmung und Wahlfreiheit von ungewollt Schwangeren.

Schließlich konnte die Abtreibung in der vergangenen Woche durchgeführt werden. Dem Mädchen geht es nach Information der behandelnden Ärzt*innen den Umständen entsprechend gut.

Rechte Aktivistin habe Datenschutz verletzt

Auf eine der involvierten Anti-Choice-Anhänger*innen, die rechte Aktivistin Sara Giromini, dürfte jetzt ein Verfahren zukommen. Sie soll wegen Anstiftung zur Gewalt angeklagt werden, weil sie Daten des schwangeren Mädchens veröffentlicht habe. Giromini ist besser bekannt unter ihrem Pseudonym Sara Winter. Sie ist eine Anführerin der rechten Bewegung "Os 300 do Brasil".

Anti-Choice in Brasilien

Erst im Februar zeigte eine Meinungsumfrage, dass eine breite Mehrheit im Land das Abtreibungsverbot für gut hält. Politiker*innen und hohe Beamt*innen scheuen sich nicht davor, mit extremen Aussagen an die Öffentlichkeit zu treten.

Die Frauen-, Familien- und Menschenrechtsministerin Damares Alves reichte etwa im vergangenen September eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft gegen das Onlinemagazin AzMina ein, weil es die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO zu sicheren Abtreibungen veröffentlicht hatte – womit es Werbung für eine Straftat betrieben hätte. Der Leiter der nationalen Kulturstiftung Funarte, Dante Mantovani, fürchtet eine "Abtreibungslobby", die Satanismus fördere.

Illegale Abtreibungen gefährden das Leben ungewollt Schwangerer

Verbote haben ungewollt Schwangere noch nie an einer Abtreibung gehindert - sie machen nur die Umstände schwerer und vor allem unsicherer für die Betroffenen. Jährlich finden in Brasilien geschätzt 500.000 illegale Abtreibungen statt. Die Hälfte der Betroffenen muss anschließend in die Notaufnahme, weil schwere Komplikationen auftreten. Jedes Jahr sterben rund 200 Brasilianer*innen an den Folgen unsicherer Schwangerschaftsabbrüche.

 

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