Abtreibungen sind sicherer, je leichter der Zugang ist

Abtreibungen in den USA sind sicher und effektiv, Zugangsbeschränkungen hingegen ein unnötiges Risiko. Das belegt ein umfassender Bericht

Abtreibungen sind sicherer, wenn sie früher in der Schwangerschaft passieren“, sagt der Gynäkologie Dr. Hal Lawrence. „Zögert man den Eingriff hinaus und zwingt Betroffene zu warten und unnötige Hindernisse zu überwinden, verbessert das die Sicherheit nicht. Es kann sogar das Risiko erhöhen.“ Gemeinsam mit einem großen und diversen Pool an ExpertInnen hat er am umfassenden Bericht der National Academies of Sciences, Engineering and Medicine die Sicherheit von Abtreibungen in den USA untersucht.


Die ForscherInnen haben klinische Daten zu den vier üblichen Methoden von Schwangerschaftsabbrüchen untersucht und Aussagen zu medizinischen Ergebnissen und Folgen sowie der Qualität der Methoden getroffen. Alle angewandten Verfahren (medikamentöser Abbruch, Absaug-Methode, Curettage und Spätabtreibungen) sind effektiv und sicher für die Frauen. Ein Problem sehen die StudienautorInnen aber in restriktiven Zugangsbeschränkungen.


Leichter Zugang zu Abtreibungen ist sicherer für Frauen

Strenge Zugangsregelungen brächten nämlich keinerlei erkennbaren Vorteil, sondern würden Frauen unnötigen Risiken aussetzen. Für die USA ist diese Erkenntnis besonders interessant: Die Auflagen für Abtreibungskliniken und die Regelungen für betroffene Frauen variieren von Bundesstaat zu Bundesstaat. In manchen gibt es etwa verpflichtende Wartezeiten oder ein Limit für durchgeführte Abtreibungen pro Klinik. Diese Gesetze werden oft unter dem Deckmantel des Schutzes der betroffenen Frauen erlassen. Die ForscherInnen haben nun belegt, dass vielmehr das Gegenteil der Fall ist.

Die Daten belegen, dass Abtreibungen vor der 10 Schwangerschaftswoche am wenigstens invasiv sind, weil ein medikamentöser Abbruch möglich ist. Wird dieses Zeitfenster durch Zugangsbeschränkungen überschritten, sind nur noch risikoreichere Methoden möglich.

Keine medizinisch komplexen Eingriffe

Je nach Bundesstaat kann der Zugang zu Abtreibungen für betroffene Frauen in den USA eine große Hürde sein. 17 Prozent der Frauen in den untersuchten Fällen mussten für eine Abtreibung eine mehr als 80 Kilometer weite Strecke zurücklegen. In 27 Bundesstaaten müssen die Frauen ein Beratungsgespräch absolvieren und 24 Stunden bis zum eigentlichen Eingriff verstreichen lassen. Gerade im mittleren Westen sind Frauen oft von einer Kombination beider Beschränkungen betroffen - eine vor allem für Frauen mit niedrigerem Einkommen erschwert das den Zugang zu einer Abtreibung oft erheblich.

Das spärliche Angebot an Kliniken oder ÄrztInnen lässt sich nicht mit medizinischer Komplexität rechtfertigen. Im Bericht erklären die ForscherInnen, dass Abtreibungen problemlos ambulant durchgeführt werden können. Die Mehrheit der Eingriffe sei medizinisch nicht komplexer als andere Eingriffe, die in Arztpraxen oder ambulanten Kliniken durchgeführt werden.


Kritisiert wird außerdem der Inhalt der verpflichtenden Information in einigen Bundesstaaten: „Manche Staaten verlangen, dass Anbietern von Schwangerschaftsabbrüchen Frauen schriftlich oder mündlich darüber informieren, dass eine Abtreibung das Risiko einer psychischen oder Brustkrebs-Erkrankung erhöht, obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt.“

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