Abtreibung per Telefon in Australien

Während in vielen Ländern noch immer darüber diskutiert wird, ob Abtreibung überhaupt erlaubt sein sollte, macht Australien einen großen Schritt nach vorne.

Australische Frauen können seit Kurzem ihre Schwangerschaft abbrechen, ohne einen Arzt zu besuchen. Ein neuer Telefonservice erleichtert ihnen den Prozess des Abbruches enorm. Die "Tabbot Foundation" berät die Frauen per Telefon und schickt ihnen dann die notwendigen Medikamente zu. Die einzige persönliche Beratung ist ein notwendiger Ultraschall und Bluttests in lokalen Kliniken.

Dieser Service erspart den Frauen viel Geld - denn er kostet rund die Hälfte weniger als in eigens dafür eingerichteten Abtreibungskliniken. Außerdem können so Frauen, die in abgelegeneren Orten wohnen, leichter an die Medikamente herankommen.

Medizinische Beratung per Telefon ist nicht ungewöhnlich für Australien, da in dem großen Land viele Gegenden keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Ein Sprecher der Tabbot Foundation sagt im Interview mit dem Sydney Morning Herald: "Der Schwangerschaftsabbruch per Telefonkonferenz ist eine der passendsten Verwendungsmöglichkeiten, weil ein Arztbesuch in so einem Fall nicht notwendig ist. Das bedeutet auch, dass Frauen, die von Abtreibungskliniken eingeschüchtert waren, jetzt leichteren Zugang haben."

Billiger und für alle verfügbar

Die kostenlose Servicenummer schickt die Frauen zu lokalen Labors, die einen Bluttest und einen Ultraschall durchführen, um sicherzustellen, dass der Abbruch in Ordnung geht (sie dürfen maximal 63 Tage lang schwanger sein). Der Arzt bekommt die Resultate und berät die Frauen telefonisch.

Wenn die Behandlung genehmigt wurde, dann erhält die Frau ein Paket mit den Medikamenten Mifepriston und Misoprostol - Handelsname: Mifegyne - prophylaktisch Antibiotika, Schmerzmittel und Tabletten gegen Übelkeit. Das alles kostet zusammen 250 australische Dollar - also in etwa 156 Euro. In Österreich kostet eine Abtreibung zwischen 350 und 800 Euro.

Einen Tag später ruft eine Krankenschwester an, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung ist. Ein 24-Stunden-Notruf ist außerdem immer erreichbar für die Frauen.

Mifegyne wurden bereits von Millionen Frauen weltweit genutzt - ohne weitere Folgen. 2010 ist jedoch eine australische Frau nach den Abtreibungsmedikamenten gestorben, weil eine Infektion ausgebrochen war. Die Tabbot Foundation verlangt jedoch einen weiteren Bluttest nach der Abtreibung, damit so etwas nicht passieren kann.

Eine Studie mit mehr als 13.000 australischen Frauen zeigte, dass die Medikamente in 96,5 Prozent der Fälle effektiv waren. Starke Blutungen passierten in 0,1 Prozent der Fälle und eine Infektion entwickelte sich bei 0,2 Prozent der Frauen.

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