Abschiebung: Dreijähriger von schwangerer Mutter getrennt

Bei der Abschiebung einer armenisch-iranischen Familie aus dem Bregenzer Wald trennten die Behörden einen kleinen Buben von seiner schwangeren Mutter.

Am Sonntagmorgen wird die kleine Familie aus ihrer Wohnung in Sulzberg abgeholt. Die im fünften Monat schwangereArpine P., ihr Mann Azat und der dreijährige Sohn Anri sollten abgeschoben werden. Eine Stresssituation, die zu viel ist für die schwangere Frau. Sie wird ins Landeskrankenhaus Bregenz gebracht.

Die Frau sei gynäkologisch gesund, es sei aber zu Komplikationen wegen der Stresssituation gekommen, sagt der Vorarlberger Sicherheitslandesrat Christian Gantner (ÖVP) dem Standard. Für den Rest der Familie ändert das nichts am für sie von den Behörden so vorgesehenen Tagesablauf: Der Vater wird, mit seinem kleinen Sohn an der Hand, von der Polizei aus dem Krankenhaus eskortiert. Am Sonntagnachmittag werden die beiden nach Wien gebracht.

Initiative "Pro Asyl" setzt sich seit langem für die Familie ein

Die Initiative "Pro Asyl" aus Sulzberg konnte den Abtransport nicht verhindern, VertreterInnen kamen zu spät im LKH Bregenz an. Rechtsanwalt Ludwig Weh hält "die Festnahme eines dreijährigen Kindes und die Trennung von seiner Mutter für einen barbarischen Akt", wie der Standard zitiert. Die Festnahme sei außerdem rechtswidrig: Der Asylantrag der Familie sei zwar letztinstanzlich abgelehnt worden, bis zum 1. November wäre aber noch Zeit für freiwilligen Ausreise gewesen. Weh habe das der Regionaldirektion des BFA auch telefonisch mitgeteilt. "Der Regionaldirektor sagte mir, er übernehme dafür die Haftung", sagt Weh. Er will nun für die schwangere Frau eine Fristverlängerung erreichen.

Erwin Steurer von der Initiative "Pro Asyl" kritisiert das Vorgehen scharf: "Es ist mit der Menschenrechtskonvention absolut unvereinbar, ein dreijähriges Kind von seiner Mutter zu trennen." So recht versteht die Abschiebung in der Initiative niemand: "Arpine und Azat leben seit fast fünf Jahren hier, sie sind voll integriert, im Kirchenchor, in der Liturgiegruppe, in der Tanzgruppe. Azat macht Gemeinwesenarbeit im Rahmen der Integrationstätigkeit", erzählt Steurer im Standard. Sohn Anri kam vor drei Jahren hier auf die Welt. "Der ist ein richtiger Sulzberger", sagt Steurer. Eine erste Abschiebung der Familie konnte die Initiative bereits verhindern.

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