Aber Hallo, Mr. Richie!

Mit seinem Welthit "Hello" wurden unzählige Anrufbeantworter bespielt. Uns begrüßte Lionel Richie mit privateren Tönen.

Mit seinem Welthit Hello wurden unzählige Anrufbeantworter bespielt. Uns begrüßte Lionel Richie, der mit The Commodores und als Adoptivvater von It-Girl Nicole berühmt wurde, mit privateren Tönen. Und erzählte, warum Frauen mit ihm schimpfen und er der bessere Priester ist.

Text Johanna Jenner Foto Universal Music

London. Dorchester Hotel. Hinter der Tür von Zimmer 210 sitzt Lionel Richie. Vor der Tür stehe ich. Dazwischen liegt die Frage, ob ich ein unprofessionelles Grinsen unterdrücken kann, wenn er gleich „Hello“ sagen sollte. Zum Glück liegen dem Sänger ganz andere Worte auf der Zunge: „Women’s magazine?“, fragt er. „Oh! Ich habe den richtigen Beruf gewählt. Möchten Ihre Leserinnen ein Nacktfoto von mir am Cover sehen?“ Ein anderes Mal vielleicht, danke. Nackte Tatsachen wollen wir nur hören – nicht sehen. Und für den (Seelen-)Strip nehmen wir sein neues Album Just Go. Denn das liefert weit mehr als 14 gute Titel. Es liefert 14 Einblicke in Mr. Richies ganz privates Leben.

1. „Forever“
Für immer ... jung? Sie werden im Juni 60 Jahre alt, sind Vater und Großvater. Fühlen Sie sich erwachsen?
Beim Begräbnis meines Vaters hielt ich eine Rede und sagte: „Ich weiß nicht, ob meine Mutter je einen guten Ehemann hatte. Aber meine Schwester und ich, wir hatten einen tollen älteren Bruder.“ Das Gleiche gilt wohl auch für mich. Im Hause Richie gab’s folgende Szene oft. Mein Sohn brüllte durchs Haus: „Mama! Papa hat mich geboxt!“ Ich gröhlte: „Miles hat mich aber zuerst geschlagen!“ Und meine Ex-Frau schimpfte: „Lionel, du bist der Vater!“ Kurz: erwachsen sein? Ich weiß nicht, wie das funktioniert.

2. „Just Go“
Einfach gehen … Sie sind zweimal geschieden. Wann muss man loslassen?
Wenn das Ende der Straße erreicht ist. Ich wundere mich oft, warum so selten Leute sagen: „Geh ohne mich weiter!“ Sie sagen eher: „Ach, wir lieben uns zwar nicht mehr, aber wir bleiben zusammen, wir kennen uns ja schon so lange.“ Ich weiß, viele Menschen können es sich nicht leisten, sich scheiden zu lassen. In Hollywood, mit dem ganzen Geld, regiert die Trennungslust. Stellt sich nur die Frage, welches Los das härtere ist.

3. „Nothing Left To Give“
Nichts mehr da zu geben ... Wann ist bei Ihnen emotionaler Ausverkauf, wann fühlen Sie sich leergeräumt?
Das letzte Mal war bei folgendem Szenario: Ich reiste in der Weltgeschichte herum, hatte unzählige Shows, steckte gleichzeitig meine Energie in ein neues Album und kam erschöpft heim. Meine Kinder fragten: „Papa, bringst du mich zum Basketballspiel und fahren wir nach Disney World?“ Meine Freunde bettelten: „Lionel, wir geben eine Dinnerparty, kommst du und singst für uns?“ In solchen Momenten ist es dann so weit: „Nothing left to give“. Ich erinnere mich an etwas, was mein Sohn sagte, als er fünf Jahre alt war. Ich fragte ihn, ob er seiner Großmutter nicht einen Abschiedskuss geben mag. Er antwortete: „Ich kann gerade nicht wollen.“ Ein großartiger Satz.

(...)

Das vollständige Interview mit US-Sänger Lionel Richie lesen Sie in der April-Ausgabe der WIENERIN.

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Es muss Spaßvogel Lionel Richie schwer gefallen sein, fürs Foto mal nicht zu grinsen. Gründe zu lachen hat er mit 100 Millionen verkauften Alben und 22 Hits genug.


Links:
extern_link Lionel Richie
extern_link Album: Just Go

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