Ab wann geht "Online-Stalking" vorm ersten Date zu weit?

Vor dem ersten Treffen das Instagram-Profil casually bis 2011 durchscrollen? Das kennen wohl die meisten von uns. Aber ist es wirklich immer so gscheit, vor dem Date schon so viel über das Gegenüber zu wissen?

Online Stalking, Date

Mal ehrlich: Ein bisserl eine "background investigation" vor einem ersten Date haben wir doch alle schonmal gemacht. Und wenn nicht wir selbst, dann die BFF. Denn wir haben doch alle diese eine Freundin, die mehr rausfindet als das FBI, oder?

Und so sollen manche von uns (wir nennen keine Namen) vor dem ersten Date dagesessen sein und Fotos aus dem Dubai-Urlaub der Tante des Dates aus 2011 durchgeklickt haben. Nur: Was haben wir davon, wenn wir vor einem ersten Treffen die gesamte Familiengeschichte des Gegenübers erstalken – und was macht das mit einem authentischen ersten Eindruck?

Nicht nur bekommen wir durch die Online-Präsenz oftmals einen falschen Eindruck von einer Person – sowohl in eine positive, als auch eine negative Richtung –, wir tendieren dadurch auch dazu, Menschen eher in Schubladen zu stecken, wodurch wir dem Date möglicherweise nicht mehr so offen und neugierig begegnen.

Recherche gibt Sicherheit

Jennifer Taitz, Psychologin und Autorin von "How to be Single and Happy" erklärt gegenüber betches.com etwa: "Natürlich recherchieren wir alle gerne. Das beginnt schon dabei, wenn wir uns vor einer Verabredung die Menükarte des Restaurants online ansehen und vorab schon entscheiden, was wir bestellen werden. Und genau das scheinen wir jetzt eben auch im Dating-Leben adaptiert zu haben. Diese Recherche kann uns ein Gefühl von Sicherheit geben und uns gleichzeitig noch aufgeregter machen."

Dazu kommt: Weil wir im Netz nur ein paar wenige Aspekte des Gegenübers "kennenlernen", tendieren wir dazu, sie zu überbewerten. Taitz erklärt das so: "Infos aus Social-Media-Profilen können schnell falsch aufgefasst werden, wenn man die Person nicht tatsächlich kennt. Das kann auf der einen Seite dazu führen, das Date zu idealisieren und auf ein Podest zu stellen oder sie noch vor dem ersten Treffen abzuschreiben."

Mit Maß und Ziel

Am Ende sei laut Taitz ein Mittelweg die beste Lösung: Ein bisserl Recherche vorab verleiht ein Gefühl von Sicherheit, gleichzeitig bleibt aber dieser "organische erste Eindruck", wie Taitz ihn beschreibt. Wem’s schwer fällt, die Finger vom Insta-Profil des Dates zu lassen, dem rät sie: "Deine Zeit und dein mentaler Aufwand sind wertvoll. Denk am besten an den Input und Output. Wenn du ein wenig Zeit in Online-Recherche investiert und es dir damit dann besser geht, go for it. Aber es wird dir nicht besser gehen, wenn du auf diversen Instagram-Profilen gaaaanz nach unten scrollst und immer mehr über die Person herausfinden willst. Du verdienst es, deine Zeit mit spannenderen Dingen zu verbringen!"

 

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