Ab diesem Zeitpunkt wird Unzufriedenheit im Job gesundheitsgefährdend

Arbeitspsychologin Claudia Altmann gibt Antworten auf die Frage, wann es Zeit für eine Auszeit ist.

Der Herbst naht, und damit auch die Zeit, in der sich viele die Frage stellen: Mache ich alles richtig in meiner Karriere? Bin ich irgendwann stehen geblieben? Soll ich vielleicht ganz von vorne anfangen? Wir haben die Arbeitspsychologin Claudia Altmann gefragt, auf welche Warnsigale man achten sollte.

Ab wann weiß man, dass man eine berufliche Auszeit nehmen sollen? Gibt es Faktoren, die das ankündigen?

Claudia Altmann: Prinzipiell sollte man sich immer wieder mal Auszeiten nehmen und es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass eine längere berufliche Auszeit notwendig wird: (verlängerte) Wochenenden, Urlaube und auch den angehäuften Zeitausgleich konsumieren. Viele Menschen sammeln Urlaubstage/ Zeitausgleich für längere Urlaube an, die Erschöpfung bis dahin wird dann aber so groß, dass sie den Urlaub nicht genießen können und recht lange brauchen, um vom Stressmodus in den Entspannungsmodus zu kommen. Je größer die Erschöpfung ist, desto länger dauert die Erholung.

Manchmal kann eine Auszeit zur beruflichen Neuorientierung oder zur Weiterbildung dienen, z.B. wenn ich mich von meinem Job dermaßen ge- oder überfordert fühle, dass ich nebenbei keine Ressourcen zur Neuorientierung oder Weiterbildung mehr habe.

Überfordert im Job

Wann wird Unzufriedenheit im Job gesundheitsgefährdend?

Wenn die Unzufriedenheit zu einer dauerhaften Belastung wird und es keine Möglichkeit zur Veränderung gibt  bzw. man keine Veränderungsmöglichkeit sieht. Symptome sind z.B: Grübeln, zunehmende Nervosität und Ängste, Angst oder vor der nächsten Arbeitswoche, Gefühle von Über- oder Unterforderung, das Gefühl nur noch zu funktionieren, aber keine Freude und keinen Sinn mehr in der Arbeit zu erleben, vermehrte Konflikte mit ArbeitskollegInnen, wenn die Werte des Unternehmens gegen die eigenen Werte sprechen, innere Kündigung. Ein Alarmsignal sind auch körperliche Reaktionen wie Schlafstörungen oder häufigeres Kranksein. 

 

Wie sieht es mit Bildungskarenz und Weiterbildung aus?

Ich bin vowiegend im Sozialbereich tätig. Hier sehe ich oft, dass Menschen schon nach wenigen Berufsjahren in Bildungskarenz gehen. Mein Eindruck dazu ist, dass sich die Menschen ihren Job oft anders vorgestellt haben und/ oder dabei weniger bewirken können, als gedacht. Die Arbeit erfährt wenig (gesellschaftliche) Anerkennung, wird immer geringer entlohnt und scheitert oft an systemischen Grenzen. Daher erhoffen sich die MitarbeiterInnen bessere Jobs durch weitere Ausbildungen. Oft wird die Bildungskarenz aber auch nach vielen Berufsjahren als Chance gesehen, sich noch einmal neu zu orientieren und sich ein anderes Interessensgebiet zu erschließen.

Was sind die größten Thematiken/Probleme, die Ihnen als Arbeitspsychologin derzeit unterkommen?

Bei den Frauen ist es häufig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Kinder und die damit verbundene Mehrfachbelastung. Ansonsten eine hohe Arbeitsbelastung, oft verbunden mit zu wenig Ressourcen, Burnoutprävention bzw. Beginn von Burnout und Konflikte mit Vorgesetzten und KollegInnen.

 

Was können Unternehmen tun, um ein gesundes, produktives Arbeitsumfeld zu schaffen?

Klare Werte schaffen, mit denen sich die MitarbeiterInnen identifizieren können. Authentische Führungskräfte, die Orientierung und Führung bieten - Führen ist nicht gleich Machtausübung. Flexibilität für die Individualität der MitarbeiterInnen: flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten zur Mitgestaltung, Entscheidungsfreiräume. Offenheit für Konflikte und Belastungen der MitarbeiterInnen. Teambuilding und gleichzeitig auch die individuellen Stärken fördern. Bei Bedarf Coaching/ Supervisionsangebote zur Verfügung stellen.

Mag. Claudia Altmann: Klinsche und Gesundheitspsychologin, Arbeitspsychologin, Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision. www.claudia-altmann.at 

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