9 Dinge, über die wir uns im Sommer keine Gedanken mehr machen sollten

Körpervorschriften, über die wir uns im Sommer keine Gedanken machen sollten

Tausende Regeln erklären Frauen und weiblich gelesenen Personen, wie ihre Körper wann auszusehen haben. Körpergröße und -form, Alter und Gewicht werden anhand sexistischer Parameter bewertet und in Kategorien voller Bloß nicht's und Auf keinen Fall's geteilt. Klingt kompliziert, ist am Ende aber immer nur sexistisch und macht uns das Leben schwer. Deshalb sollten wir spätestens 2020 darauf pfeifen:

Kleidungsvorschriften, Variante A: zu kurz, zu eng, zu offenherzig

Es ist ganz einfach: Wer einen Unterkörper hat, kann kurze Hosen und Röcke tragen. Ob der Oberschenkel jetzt dicker ist, als es das aktuell geltende Schönheitsideal will, sich ein Röllchen über den Bund stülpt oder eine Delle in die Sonne lacht, tut nichts zur Sache. Kurze Kleidung ist für alle da und jeder Körper hat das Recht darauf, eine sanfte Sommerbrise zu spüren.

Kleidungsvorschriften, Variante B: zu lang, zu weit zu prüde

Weil man als Frau im Patriarchat nix richtig machen kann, gibt es Kritik an Sommerbekleidung natürlich auch in umgekehrt. Aber wem das so passt, die*der soll im Sommer lang und luftig tragen, den Kopf bedecken oder im Burkini oder Badekleid schwimmen gehen.

1.) Körperhaare auf Beinen, in Achseln und auf Vulvahügeln

Haare sollten eigentlich nur Haare sein, auf Frauenkörpern sind sie aber ein gesellschaftspolitisches Statement geworden. Celebrities und Models mit Achselhaaren sorgen in schöner Regelmäßigkeit für helle Aufregung im Internet. Logisch: Über Jahrzehnte haben uns Werbung und Medien eingeredet, dass Frauenkörper unbehaart sind - sogar jene, die in Rasierer-Werbungen rasiert werden. Die Realität schaut anders aus und ist von flauschig weiß bis stoppelig-stupsig voll okay so.

2.) Und: keine Körperhaare

Du willst dich smooth wie ein Delfin fühlen? Bitte go for it. Bein- und Achselhaare sind kein Aufnahmekriterium im feministischen Club. Und auch deine Intimfrisur braucht nur dir zu gefallen, das kann von glattrasiert bis zum vollen Busch auch alles sein (solange du die Finger von parfümierten Waschgels lässt, die schaden nur der Vaginalflora! Ja, ein bisserl Platz für Vaginagesundheit muss immer sein).

3.) Hallo, es ist nur ein Nippel!

Brustwarzen, so sie Frauenbrüste zieren, sind der heilige Gral der Verbote. In sozialen Medien werden Fotos mit Frauennippeln immer noch sofort verbannt, im öffentlichen Raum sorgen BH-freie Tage für unzählige Blicke und Kommentare. Selbst Babys darf man damit nur selten sichtbar füttern. Die Kontroverse um Nippel offenbart das verwirrende und diskriminierende Zusammenspiel zwischen Sexualisierung und Skandalisierung von Frauenkörpern wie kaum ein anderer Körperteil. Deshalb: #freethenipple

4.) Scheidenausfluss und die Flecken, die im Unterhoserl bleiben

Deine Vagina ist auch deswegen wunderbar, weil sie sich selbst reinigt. Und dazu gehören im Verlauf eines Zyklus auch verschiedene Konsistenzen an Ausfluss. Gesellschaftlich wird uns gern suggeriert, dass das ein bisserl ekelig und was zum Schämen ist. Erinnerst du dich noch an die schreckliche #PantyChallenge, wo User*innen stolz Fotos ihrer sauberen Unterhoserl gepostet haben und so beweisen wollten, wie rein ihre Vaginen sind? Sie ist immer noch problematischer Blödsinn, denn vaginaler Ausfluss ist völlig normal und gesund!

Die Scheidenflora verhindert ein Eindringen von Keimen und Bakterien und dazu gehört eben auch Scheidenausfluss. Welche Menge dabei "normal" ist, unterscheidet sich von Vagina zu Vagina. Nur in manchen Fällen kann ein veränderter Ausfluss ein Zeichen für eine Erkrankung sein - und so gesehen dann eigentlich auch wieder ganz praktisch. Roter, grünlicher und bräunlicher Ausfluss, der unabhängig von der Regelblutung auftritt, sollte ärztlich abgeklärt werden. Ansonsten macht deine Vagina einfach nur ihren Job.

5.) "Schirche" Zehen

Es gibt kein Gesetz, dass dir eine perfekte Pediküre vorschreibt, bevor du offenes Schuhwerk tragen darfst. (Auch nicht, wenn du in einer Villa auf Ibiza sitzt.) Und: Nein, du bist nicht die*der Einzige mit Haaren auf den Zehen. Das gilt übrigens auch für Männer, die im Sommer für ihre Sandalen gern schräg angeschaut werden: Auch eure Zehen dürfen in der Sommerbrise wackeln!

6.) Schweißflecken

Newsflash: Schwitzen ist eine ganz normale und notwendige Körperfunktion. Und wenn's heiß ist, schwitzen wir eben. Manche mehr als andere (das ist eine genetische Sache) und am Anfang des Sommers mehr als zum Ende hin (das ist eine Gewöhnungssache), aber so generell ist Schweiß was sehr humanes. Und solang wir hier nur von Flecken und nicht von unangenehmen Gerüche reden, sollte das doch wirklich kein Problem sein.

7.) ... und der böse Wolf

Wenn schwitzige Oberschenkel beim Gehen aneinander reiben, kann das zu unangenehmen bis extrem schmerzhaften offenen Hautstellen führen. Wissen wir, es ist eine der größten Gemeinheiten des Sommers. Es ist aber auch völlig normal und betrifft sehr viele Menschen. Den Wolf kann und soll man also nicht ignorieren, aber enttabuisieren sollten wir ihn auf jeden Fall! Allein um Tipps auszutauschen, wie wir ihn am besten vermeiden.

 

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