9 Dinge, die ich als große Frau nicht mehr hören kann

Auf ewig Erste in der Stirnreihe zu sein, ist spätestens ab dem Eintreten der Pubertät ein Kampf gegen dumme Sprüche von meist männlicher Seite. Denn die kann mit Frauen* über 1,65 Meter Körpergröße offenbar ganz schwer umgehen.

Frauenbeine in engen schwarzen Hosen von oben fotografiert, Blick auf die Schuhe

Bei der Wahl des Anmachspruches haben es sich die Typen hingegen immer leicht gemacht. Motto: "Fixiere auf die augenscheinlichste Äußerlichkeit einer Frau* und sprich sie unbedingt darauf an." Seitdem ich 15 bin, liegt der Anmachspruch also auf der Hand:

1. "Wie groß bist du eigentlich?"
Ich antworte "1,83 Meter" und weiß schon, was jetzt kommt – das Offensichtliche:

2. "Was, du bist echt größer als ich?!"
Ich antworte "Ja" und ignoriere die Empörung des Gegenübers. Sorry not sorry. Die Konversation ist deshalb keineswegs vorbei, der Gesprächspartner hat das Kuriosum "große Frau" noch immer nicht verdaut. Wenn die Vermessung knapp ausging (es wird sich dann natürlich neben mich gestellt und Schulterhöhe verglichen), wird das übrigens gern mit einem "Also, ich bin schon einen Zentimeter größer" untermauert.

3. "Waren deine Freund*innen alle größer als du?"
Berechtigte Frage, denn bei einem normalen Paar hat die Frau* schließlich kleiner zu sein als der Mann*. Wie schaut denn das sonst aus, beim Schmusen zum Beispiel! Also echt!

4. "Wie groß bist du bitte, wenn du hohe Schuhe anziehst?!"
An sich ein einfaches Rechenbeispiel, geht man von einer Absatzhöhe von sieben bis neun Zentimetern aus, hab ich mich spätestens nach diesem Satz umgedreht. Vor allem, wenn die Variante "Und was sagt dein Freund, wenn du hohe Schuhe anhast?" kam.
Heute denke ich mit einem Schmunzeln an einen früheren Job – ein damaliger Kollege war einen guten Kopf kleiner als ich und meinte, als ich eines Tages hohe Stiefel mit Absatz anhatte: "Die Schuhe lässt du aber das nächste Mal zuhause." Seitdem gehören hohe Absätze in jedes berufliche Meeting mit kleineren Männern.

5. "Steh gerade, sonst kriegst du einen Buckel!"
Leichter gesagt als getan, Mama. Wenn die Freundinnen beim Wachstumsschub mit 13 nicht mithalten konnten, lässt sich das Gebücke kaum vermeiden. Und bei den altersbedingten Unsicherheiten im Umgang mit der Welt wurde ab und an vielleicht auch mal ein Wegducken draus. Wer knapp zehn Zentimeter größer ist als alle anderen, tut sich mit dem In-der-Menge-Untergehen schwer. Wobei es in der Pubertät genügend Momente gibt, in denen man lieber im Erdboden versinken möchte.

6. "Siehst du die XY irgendwo?"
Eine Tatsache, die ich mit 14 genauso zu schätzen wusste wie mit 35: Ich finde alle wieder. Gebt mir eine Menschenmenge, ich such euch jemanden.

7. "Wo wächst du denn noch hin?!"
Keine Ahnung, Oma/Opa/gesamte Verwandtschaft/Briefträger*in/Lehrer*in/mir unbekannte Person im Supermarkt. Beliebte Alternative: "Jetzt hörst aber dann bald einmal auf mit dem Wachsen."

8. "Alle Großen bitte in die letzte Reihe!"
So sicher wie der erste Platz in der Stirnreihe ist der Platz in der letzten Reihe beim Schulfoto (bis die Fotograf*innen Ende der 90er kreativ wurden und auch mal jemanden in die erste Reihe gelegt haben – war aber auch nie ich).

9. "Also NOCH länger haben wir die Hosen wirklich nicht."
Zugegeben, dieser Satz ist ein Relikt aus den Zeiten, als man beim Einkaufen noch Beratung in Anspruch nahm und es noch keine eigenen "Tall"-Kollektionen für große Menschen gab. Er steht jedoch stellvertretend für alle Bemerkungen in Sachen Outfit, Beinlänge, Schuhgröße, die mir im Laufe der Jahre zugeworfen wurden, ohne dass ich danach gefragt hätte. Umso stolzer war ich, als ich das erste Mal eine Jeans gefunden hab, Ende 90er Jahre, Bootcut natürlich, deren Saum sich bei Regenwetter vollgesogen hatte. Weil die Hose LANG GENUG WAR.

 

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