80-jährige Deutsche kämpft für Recht auf weibliche Anrede

Von der Bezeichnung "Kunde" oder "Kontoinhaber" fühlte sich eine Bankkundin nicht angesprochen. Die Sparkasse weigerte sich das generische Maskulinum zu ändern, deswegen zog die verärgerte Kundin vor Gericht.

Aufgeben ist so gar nicht Marlies Krämers Sache, vor allem dann nicht, wenn es um Frauenrechte geht. Schon mehrfach engagierte sich die 80-jährige Deutsche aus dem Saarland für die Repräsentation des weiblichen Geschlechts in Deutschland. So setzte sie sich etwa für die Verwendung von weiblichen Namen bei Wetter-Hochs ein, die zuvor nur für Tiefs verwendet worden waren, in den 90er Jahren verzichtete sie solange auf einen Reisepass, bis sie als "Inhaberin" (statt "Inhaber") unterschreiben konnte.

Weibliche Formulierung statt generischem Maskulinum

Nun stand die Rentnerin erneut vor Gericht, um gegen die durchgehend männlich Bezeichnung in ihrer Sparkasse vorzugehen: Statt der Bezeichnung "Kunde" oder "Kontoinhaber", forderte Krämer die weibliche Formulierung "Kundin" oder "Kontoinhaberin" auf den Bank-Formularen ein.

Die Sparkasse hatte sich im Vorfeld geweigert die Formulare auf eine geschlechtsspezifische oder neutrale Formulierung zu ändern. Würde man jeweils nach Frau, Mann, Ehepaar oder sonstigen Gruppen unterscheiden, würde das zu einem enormen Aufwand führen - 800 verschiedene Formulare müssten bei der Sparkasse geändert werden, dies sei allein schon ein räumliches Problem, argumentiert Reiner Hall, Anwalt der beklagten Sparkasse.

Krämer: "Nicht mehr als Frau totgeschwiegen werden"

"Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde", hatte Krämer ihren Kampf für die weibliche Form vor dem Gericht begründet - leider ohne Erfolg, wie das Gericht vor wenigen Stunden verkündete.

Nachdem bereits das Landgericht Saarbrücken der Sparkasse Recht gegeben hatte, musste Krämer nun auch vor dem deutschen Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eine Niederlage hinnehmen, ihre Revision wurde abgewiesen.

Gericht: Männliche Form ist nicht diskriminierend für Frauen

Die Begründung des Gerichts: Bezeichnungen wie "Kunde", also einer verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form, seien keine Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts. Frauen als "Kunde" zu bezeichnen, sei somit weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Die kämpferische Krämer will trotz der erneuten Niederlage nicht aufgeben und plant mit ihrem Anliegen nun vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Sollte sie dort ebenfalls scheitern, würde sie notfalls auch vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Wenn das mal keine Hingabe ist!

Die Verwendung von geschlechtsspezifischen oder -neutralen Formulierungen sorgt bereits seit Jahrzehnten in der deutschen Sprachwelt für Diskussionen.

Fakt ist: Mittlerweile haben dutzende Studien bewiesen, dass die fehlende Repräsentation weiblicher Formen in der deutschen Sprache einen Effekt auf uns haben. ForscherInnen stellten in einer Studie 2015 fest, dass bereits im Kindesalter diese Auswirkungen zu beobachten sind. Kinder, die demnach die männliche und weibliche Berufsbezeichnung vorgelesen bekamen, trauten sich in weiterer Folge eher zu, typisch männliche Berufe zu ergreifen, als jene, denen nur die männliche Pluralform vorgelesen wurden.

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