8 Mythen über Gelnägel

Um das Thema Gelnägel ranken sich viele Fragen und Mythen. Wir wollten wissen, was Sache ist, und haben deshalb bei einem Experten nachgefragt.

Der Experte

Nagelprofi Sascha Schernthaner ist seit über 15 Jahren als Trainer für Nagelmodellagen tätig und führt mit seiner Frau Cristina das Kosmetik- und Nagelstudio Pulchris in der Wiener Innenstadt.
Die Gelnägel, die von ihm und seinem Team modelliert werden, sehen kein bisschen künstlich aus, sondern so, als hätte man von Natur aus schöne Nägel und diese einfach mit normalem Lack lackiert. Weil hier sorgsam gearbeitet wird und hochpreisige säurearme Gels verwendet werden, kann der Nagel unter der aufgetragenen Gelschicht gesund weiter­wachsen.

Nagel-Experte Sascha Schernthaner

Schernthaner weiß aber, dass das leider nicht der Standard ist. Nageldesign ist in Österreich ein freies Gewerbe – das bedeutet: Auch Personen ohne Ausbildung können im Internet die Materialien bestellen und los­legen. Und das kann schlimm enden.
„Regelmäßig kommen Opfer unsachgemäßer Nagel­behandlungen zu uns, die uns bitten, den Schaden wieder­gutzumachen“, erzählt Schernthaner. „Denn wenn bei Nagelmodellagen Nagelhaut oder Falz verletzt werden und Kunststoffe aus dubiosen Quellen aufgetragen werden, drohen tatsächlich schlimme Entzündungen und Allergien.“
Sein Tipp: Überleg dir gut, in welche Hände du dich begibst. Bei Dumpingangeboten wird oft geschlampt und am Material gespart. Wenn du zum ersten Mal in einem Studio bist, vertraue deinem Menschenverstand: Sieht es hier hygienisch und professionell aus? Welche Ausbildung hat der*die Nageldesigner*in? Welche Materialien werden verwendet? Riecht das Gel streng? Stell Fragen – seriöse Anbieter wissen die Antworten und stehen gerne Rede und Antwort.

8 Gerüchte über Gelnägel, die nicht stimmen

Mythos 1: Das sind ja falsche Nägel!

Tatsächlich handelt es sich bei einer Nagelmodellage um eine Naturnagelverstärkung. Das soll den natürlichen Nägeln mehr Stabilität verleihen und sie stabiler machen. Besonders ideal ist das bei brüchigen und weichen Naturnägeln sowie für Menschen, die Nägel beißen. Denn Nägelkauen kann den Nagel und die Sensibilität der Fingerkuppen nachhaltig schädigen. Geschützt durch eine Gelschicht, kann der Nagel wieder wachsen.

Mythos 2: Gel- und Acrylnägel sind eh dasselbe.

Gelnägel basieren auf lichthärtendem Kunststoff. Erst werden die obersten Zellen der Nagelplatte mit einem Hautfräser aufgerichtet, dann wird Gel aufgetragen und mit einer UVA-Lampe gehärtet. Nach dem Feilen wird mit farblosem oder farbigem Gellack lackiert.
Bei Acrylnägeln wird ein Mix aus Acrylpulver und Liquid auf die vorbereiteten Nägel aufgepinselt. Die Nägel härten an der Luft aus. Im Anschluss wird gefeilt und nach Wunsch lackiert. Schernthaner rät zu Gelnägeln mit einem säurearmen Polymergel, da die Flüssigkomponente der Acrylnägel leicht mit der Haut in Verbindung kommt und bei minderer Qualität Veränderungen der Wachstumszellen verursacht.
Eine dritte Methode sind Gellacke (wie Shellac, Striplac, Gelatic, Sensationail), die wie Nagellacke aufgepinselt und mit UV-Licht ausgehärtet werden. Auch diese leichte Verstärkung sollten KundInnen nicht selbst entfernen. Sehr oft werden die Nägel in mit Aceton getränkte Wattepads und Alufolie gepackt und die Gellacke abgeschabt. Das ist sehr belastend für die Nägel.

Mythos 3: Gelnägel schädigen die Nägel.

Wenn professionell gearbeitet wird, entstehen keine Schäden. Moderne, der Kosmetikverordnung entsprechende Produkte, die unter fachmännischer Verwendung angebracht werden, können sogar das Wachstum bzw. die Struktur des Nagels dauerhaft verbessern. Durch den Schutz entsteht bei manuellen Tätigkeiten weniger Druck auf die Nagelplatte – der Nagel wächst dadurch schmäler und gerader aus dem Nagelbett. Es bildet sich weniger Nagelhaut. Sogar verbreiterte Fingerkuppen, von Profis Fingerbeeren genannt, können sich so zurückbilden; die Finger wirken schlanker und eleganter. Besonders stark sieht man das bei ehemaligen Nagelbeißer*innen, deren Kuppen vormals extrem breit waren.

Mythos 4: Der Naturnagel erstickt unter Gel oder Acryl.

Nein, da Fingernägel nicht „atmen“. Naturnägel sind genau wie Ihr Haar Anhangsgebilde der Haut und werden ausschließlich durch die Wurzel mit Sauerstoff aus dem Blutkreislauf versorgt.

Mythos 5: Die verwendeten UV-Lampen lassen die Haut altern.

Natürlich besitzen alle UV-/LED-Lampen eine gewisse Lichtstrahlung. Gemessen an der Leistung dieser Geräte und der eigentlichen Bestrahlungszeit von wenigen Minuten liegt die Intensität der verwendeten Lichtquelle aber unterhalb jener des normalen Tageslichts. Es ist somit nicht notwendig, vor der Behandlung im Nagelstudio einen Sonnenschutz zu verwenden.

Mythos 6: Gelnägel kann ich mir billiger daheim machen.

Eine Nagelmodellage ist eine zeitaufwendige Dienstleistung. Das kostet, vor allem, wenn hochwertige Produkte verwendet werden. Im Schnitt kostet eine Neumodellage zwischen 60 und 70 Euro.
Nach drei bis fünf Wochen ist der Naturnagel so weit nachgewachsen, dass aufgefüllt werden muss (Kosten: 40 bis 50 Euro). Da der Naturnagel immer fettet, ermüdet das Material nach rund zwei Monaten. Das Gel wird abgetragen, ohne den Naturnagel zu beschädigen; das Prozedere beginnt von vorne.
Kein Wunder, dass da manche mit der Idee liebäugeln, im Internet ein DIY-Set zu erwerben und selbst Nägel zu modellieren. Ohne Fachwissen geht das aber meistens schief. Hat man keine Zeit, kein Geld oder keine Lust mehr auf Gelnägel, hört man besser wieder damit auf.

Mythos 7: Wenn man die Gelnägel runtermacht, sind die Nägel papierdünn.

Horrorbilder aus dem Netz basieren auf der Tatsache, dass die Gelschicht brutal heruntergerissen, runtergefeilt oder -gefräst wurde. „Entscheidet sich die Kundin dafür, mit Gelnägeln aufzuhören, tragen wir eine ganz dünne Gelschicht auf, die natürlich rauswächst. Die Lücke zum Nagelansatz kann so mit Nagellack kaschiert werden. Der Nagel ist ohne Schutzschicht gefühlt dünner, reagiert aber auf den Verlust des Überzugs mit verstärkter Keratinbildung. So kann er unter Umständen stärker werden als zuvor“, sagt Schernthaner.

Mythos 8: Bei Gelnägeln muss man regelmäßig eine Pause machen.

Auch dieser Mythos hält sich hartnäckig im Netz. Tatsächlich gibt es dafür aber keinen Grund – der Nagel wächst ja regelmäßig nach. „Meine Mutter trägt seit über 25 Jahren Gelnägel und hat wunderschöne, gepflegte Nägel“, so Schernthaner.

 

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