8 Modewörter, die keine Mutter mehr hören möchte

Attachment dieses, Helicopter jenes: Modewörter, die Mamas und Papas und vor allem ihre Erziehungsmethoden in Gut und Böse einteilen möchten, gibt es viele. Und sie nerven unsere Gastautorin ziemlich.

Das Thema Kinder - vom Kriegen zum Haben - ist in den letzten Jahren zu einem Riesending geworden. Websites, Foren, Ratgeber: Allesamt versprechen die ultimativen Tipps zum Einschlafen, Erziehen und Entwöhnen (irgendwas gibt's da immer).

Mit all den darum stattfinden Diskussionen sind Modewörter entstanden, um die heißen Themen und Phänomene in der Eltern-Community zu beschreiben. Wo so viele Eltern und so viele unterschiedliche Erziehungsstile aufeinander treffen, ist es wohl unvermeidbar, dass mindestens genauso viel Bewertung und Verurteilung auftritt.

Der wichtigste Punkt, um diese Modewörter zu verurteilen: Sie kategorisieren die verschiedenen Erziehungsmaßnahmen, die Eltern ausprobieren, um ihre Kinder zu liebenden, verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Denn die Wahrheit ist, dass wohl alle Eltern mal diese, mal jene Methode ausprobieren und anwenden – Kinder funktionieren nämlich nicht nach einem bestimmten Muster: ein neuer Tag, ein neues System. Kindererziehung also dieses oder jenes gute oder böse Etikett zu verpassen, setzt die elterlichen Anstrengungen von Müttern und Vätern herab, einfach nur einen guten Job zu machen.

Es ist also an der Zeit, mit der Kategorisierung des Verhaltens von Eltern aufzuhören. Und die folgenden Modewörter aus unserem Wortschatz zu streichen:

1. Helikopter Eltern

Was wurde nicht über sie diskutiert und geschrieben, sie wurden quasi für eine Generation zukünftiger Tyrannen verantwortlich gemacht. Klar, wir wissen, dass wir unsere Kinder nicht wie kleine zerbrechliche Schneeflöckchen vor der großen Welt beschützen können und vor allem sollten. Manchmal wollen Mamas und Papas das aber. Und genießen es sehr.

2. Attachment Parenting

Auch gerne „bedürfnisorientierte Erziehung“. Sei es Stillen nach Bedarf, das Schlafen im Familienbett: Jede Mutter, jeder Vater handelt beizeiten nach den Bedürfnissen ihres/seines Kindes. Wenn das Neugeborene in den ersten Wochen nur auf Mama schläft – na und? Vielleicht ist es „Attachment Parenting“, wenn man beim ersten Schreien des Babys aufspringt. Vielleicht kann man das Schreien aber auch einfach nicht mehr hören und tut alles, um es zu vermeiden.

3. Stay-at-Home Mom

Oder: „Mutter und Hausfrau“. Eine Bezeichnung, die Frauen, die sich dafür entschieden haben, ganztags bei ihren Kindern zu sein, leider immer noch abwertet. Denn Kinder bis zu zehn Stunden am Tag zu betreuen, ist wahrlich kein Zuckerschlecken.

4. Working Mom

Das Problem, das viele berufstätige Mütter mit eben diesem Begriff haben: Er definiert sie zuerst als Mutter, dann als Frau mit Job. Dabei haben die meisten schon vor der Geburt ihrer Kinder gearbeitet, zuerst war also der Job, dann das Kind. Für Frauen, die sich nicht nur über ihre Mutterschaft definieren möchten, greift „Working Mum“ also mit Sicherheit zu kurz.
Und ganz nebenbei: Hat schon mal jemand von einem Working Dad gehört? Eben.

5. Baby-Led Weaning

Die kindliche Ernährung ist ein ganz großes Thema. Wann fängt man an, wie fängt man an, wann ist das Kind wirklich bereit dazu? Selbstgekocht versus Gläschenkost? Genug Futter für elterliche Grabenkämpfe. Gottseidank gibt es jetzt "Baby-led Weaning", kurz BLW und zu deutsch „vom Kind geführte Entwöhnung“ und meint damit die ersten Schritte in Richtung feste Nahrung ohne Brei, also etwa ein Stück Karotte in die Hand und los geht's. Warum es diesen schicken Begriff braucht für etwas, dass unsere Eltern vor dreißig Jahren einfach getan haben, in dem sie uns im Alter von fünf Monaten sonntags einfach ein Stück Gugelhupf in die Hand gegeben haben? Kaum vorstellbar.
Mag sein, dass BLW sowieso etwas ist, mit dem sich vor allem Erstlings-Eltern auseinander setzen. Denn beim zweiten oder dritten oder vierten Kind hat niemand mehr so viel Zeit und Nerven, um zeitgerecht und vor allem rechtzeitig vor dem kindlichen Hungergeschrei die bissfest gekochte Pastinake aus Bio-Anbau auf den Tisch zu zaubern, eine halbe Stunde dem Kind dabei zuzuschauen, wie es die Menge eines Esslöffels in sich reinbekommt, den Rest auf den Boden schmeißt oder im eigenen Gesicht zerreibt, wohlwissend, dass in einer halben Stunde wieder Hunger angesagt ist, aber das große Kind eigentlich schon vom Kindergarten abgeholt werden sollte.

Die Conclusio: BLW oder Gläschenkost, das eine ist nicht schlechter als das andere und schon gar keine Einladung, jemanden zu verurteilen. Mütter und Väter werden gemeinsam mit ihrem Kind den Weg finden, der für sie passt, ob das nun mit Löffel oder Pastinakenstück in der Hand passiert. Hauptsache, es schmeckt. Mahlzeit!

6. Natürlich

Schwangerschaft, Geburt, Erziehung: Alles soll gaaanz natürlich passieren. Und setzt am Ende doch wieder alle unter Druck. Jeder tut, was für ihn selbst und seine Familie am besten ist. Ob mit „Natürlich“-Stempel oder ohne. Und niemand sollte sich anmaßen, deshalb über den anderen zu urteilen.

7. Co-Sleep, Co-Parent, or Co-Was-auch-immer

Das unnötigste Präfix seit langem: Hat man mit seinem Partner in den Jahren vor der Geburt der Kinder auch schon Co-Sleeping praktiziert? Und wie nennt man es, wenn es gerade unmöglich ist, ohne den zweijährigen Sohn aufs Klo zu gehen: Co-Lulu?

8. Altersgerecht

Es soll tatsächlich Sechsjährige geben, die am liebsten mit Duplo-Beginner-Boxen für Zweijährige spielen. Es soll passiert sein, dass Vierjährige einen Film wie „Star Wars“ schauen und dadurch nicht fürs Leben geschädigt sind. Und genauso funktioniert es auch in eine andere Richtung: Was Kinder in welchem Alter können, schaffen, wollen sollen, mag eine Richtlinie sein. Aber daran halten sich weder Kinder noch das Leben gern.

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