8 Dinge, von denen ich mit 18 dachte, ich würde sie immer glauben

Mit 18 hat man zu vielen Dingen klare Meinungen. Man geht davon aus, dass man ein fertiger, erwachsener Mensch ist und sich all diese Meinungen auch nicht mehr ändern. 10 Jahre später ein Rückblick.

Glaubenssätze 18 Jahre

Mit 17 Jahren erklärte ich einem Arbeitskollegen mal: "Ich bin erwachsen. Erwachsener werde ich nicht mehr. Ich bin ein fertiger, erwachsener Mensch und was ich jetzt denke, werde ich immer denken." Haha, ja, ich lache heute noch darüber. Damals habe ich das aber wirklich geglaubt. Wer jetzt schmunzeln muss, ist vermutlich älter als 18 und weiß, wie sehr sich viele seiner Glaubenssätze verändert haben. Eine kleine Sammlung.

Alles ist Schwarz oder Weiß

Irgendwie sind alle Probleme mit 18 viel einfacher. Ich bin entweder dafür oder dagegen. Es ist richtig oder falsch. Es gibt keine Kompromisse, keine Differenzierungen. Damals war das gut so, diese Einstellung hat mich zu Demos gebracht und dazu geführt, dass ich mich leidenschaftlich für Dinge eingesetzt habe. Heute habe ich noch Grundsätze, bemerke aber, dass alles sehr viel komplizierter ist, als ich damals dachte. Die letzten 10 Jahre haben sich sehr viele Grautöne zwischen Schwarz und Weiß ergeben.

Meine Jugendfreund*innen sind für immer

Wir sind gemeinsam aufgewachsen und teilen so viele Erinnerungen. Irgendwann in einer betrunkenen Nacht haben wir uns mal geschworen, diese Freundschaft ist für immer. Dann sind wir nach der Matura in verschiedene Richtungen gegangen, in unterschiedliche Städte gezogen und langsam aber sicher waren wir nicht mehr die ersten Personen, die wir angerufen haben. Manche von uns (ja, genau, vor allem ich) haben vielleicht auch viel zu lange an diesen Freundschaften festgehalten und sich zu viel gefallen lassen. Heute sind mir Freundschaften auch wichtig, aber es geht mehr darum, in diesem Augenblick eine gute Zeit zu haben, als zu schwören, dass wir uns noch im Altersheim verstehen.

Feminismus ist überbewertet

Ich traf im Zuge meines Studiums auf einige Feministinnen, die ich ehrlich gesagt belächelt habe. Wofür brauchen wir Gendersternchen, Gleichberechtigung und den ganzen Schmafu, hab ich mich gefragt. Wir Frauen haben doch alles. Wir können ja einfach genau so vor uns hinleben wie Männer, und tun was wir wollen. Je älter ich werden, umso klarer wird: Well, it is not that simple … Ob das daran liegt, dass ich einfach höhere Ansprüche habe, mehr über die Hintergründe weiß oder mir selbst mehr wert bin? Who knows.

Ich werde meine Jugendliebe für immer lieben

Ich erinnere mich daran, wie ich auf dem Heimweg einer Party im Taxi auf der Rückbank saß und Rotz und Wasser heulte. Der Taxifahrer wollte sich nicht mit meinem 17-jährigen Liebeskummer beschäftigen und honestly I don’t blame him. Rückblickend bin ich froh, dass viele meiner großen Lieben nichts geworden sind oder wir nicht mehr zusammen sind. Was ich damals durch meine rosarote Brille nicht wahrnehmen konnte: Viele dieser Beziehungen waren toxisch, unfair, die Männer nicht gut genug zu mir oder wir haben einfach nicht zusammengepasst. Was ich dem schluchzenden Mädchen mit der verronnenen Wimperntusche eigentlich gerne sagen würde: Sei froh, du findest etwas Besseres.

Der Arbeitsmarkt ist gleichberechtigt

Als ich nach meinem Studium begonnen habe, zu arbeiten, dachte ich, die Probleme für Frauen am Arbeitsmarkt sind ähnlich wie Feminismus: Überzogen und Hauptsache, man hat etwas zu jammern. Dann hat mich mein Chef immer wieder Wurstsemmeln für ihn holen geschickt, während meine männlichen Kollegen nicht gefragt wurden, so etwas zu machen. In meinem nächsten Job erfuhr ich dann, dass mein Kollege mit derselben Erfahrung und derselben Position einige hundert Euro mehr verdient als ich. Und ich wurde zu Kund*innenterminen mitgebracht, weil "ich so hübsch bin". Und irgendwann konnte ich es nicht mehr leugnen: Die Realität hat meine Wunschvorstellung eingeholt.

Betrug ist immer, egal unter welchen Bedingungen, ein Dealbreaker

Hier spreche ich vielleicht nur für mich, aber mit 18 war auch das sehr Schwarz-Weiß. Betrug war der ultimative Dealbreaker und der Beweis, dass ich nicht geliebt werde. Nach einigen Jahren Beziehung und Jahre später ist alles nicht mehr ganz so einfach. Zu viele Beziehungen hat man bereits daran scheitern sehen, die Scheidung der eigenen Eltern mitgemacht und war selbst vielleicht in der ein oder anderen heiklen Situation, sodass ich weiß, wie schnell so etwas passieren könnte (Betonung auf könnte!). Und plötzlich ist es nicht mehr ganz so klar. Wäre ich sehr getroffen, wenn mein Partner mir Untreue gesteht? Absolut. Aber würde ich eine funktionierende Beziehung wegen einem betrunkenen Kuss auf ner Party aufgeben? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich habe darauf keine so klare Antwort mehr wie mit 18.

So viele Probleme gibt es auf der Welt auch wieder nicht

Je weniger man sich mit den Problemen der Welt beschäftigt, desto einfacher ist das Leben. Und mein Leben war mit 18 sehr, sehr einfach. Heute weiß ich: Es gibt einen Grund, wieso sehr intelligente Menschen eher zu Depressionen neigen. Sie wissen zu viel. Als ich während meinem Journalismus-Studium tiiiief in das Weltgeschehen eintauchte und permanent über ALLES informiert war, fiel ich ganz schön tief und merkte: Die Welt ist ein ganz, ganz furchtbarer Ort. Wenn man sich dann auch noch ohnmächtig fühlt, nichts dagegen tun zu können, tut das ganz schön weh.

Ich weiß genau, was ich von meiner Zukunft erwarte

Mit 16 hatte ich einen sehr genauen Plan davon, wie meine Zukunft aussehen würde: Nettes Haus mit Gartenzaun, Rutsche und Schaukel für die zwei Kinder im Garten, Ehemann und ein Hund. Mal davon abgesehen, dass ich mir sicher war, mit 27 bereits verheiratet zu sein (hahahhahahahaha :D i mean…) ging ich davon aus, dass ich auch beruflich einen sehr gradlinigen Weg vor mir hatte. Inzwischen bin ich so oft abgebogen, zurückgefahren, im Kreisverkehr hängen geblieben und über ne rote Ampel an der Kreuzung gedüst, dass ich nicht sagen kann, wo ich in fünf Jahren bin. Aber das ist okay und aufregend. Alle meine Erfahrungen waren wichtig, ich bereue (fast) nichts. Vielleicht lande ich irgendwann im Haus mit Gartenzaun mit zwei Kindern, vielleicht bleibe ich auch kinderlos und wohne alle zwei Jahre in einer anderen Stadt auf der Welt. Gedanklich ist für mich alles offen. Nichts ist fix.

 

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