700.000 ÖsterreicherInnen können nicht schwimmen

Der Start der Badesaison bringt leider wieder eine Häufung von Ertrinkungsunfällen mit sich. Viele könnten durch bessere Schwimmkenntnisse verhindert werden. Nur: ÖsterreicherInnen überschätzen ihr Können oft, wie eine aktuelle Studie warnt.

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Erstmals widmete sich eine breite Untersuchung der ansteigenden Zahl von Ertrinkungsopfern in Österreich: Unter dem Titel „So schwimmt Österreich“ führte das Kuratorium für Verkehrssicherheit gemeinsam mit dem Roten Kreuz eine Studie durch, die über die Ursachen der vielen Badeunfälle aufklären soll.

Jährlich ertrinken 40 Menschen in Österreich

Die Untersuchung zeigt vor allem, dass ÖsterreicherInnen ihre Schwimmkenntnisse oft überschätzen – und vor allem auch das ihrer Kinder. So kommt es, dass fünf von den 40 Menschen, die jährlich hierzulande ertrinken, Kinder sind. Vor allem bei Kleinkindern geschieht das Ertrinken oft völlig unbemerkt und lautlos, warnt das Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Anstieg der Schwimmunfälle: Kinder sind besonders gefährdet!

Die neue Studie zur heimischen Schwimmkompetenz zeigt aber auch, dass viele Unfälle nicht auf äußere Einflüsse zurückzuführen sind, sondern durch bessere Schwimmkenntnisse verhindert werden könnten. Bei Kindern bis fünf Jahren ist Ertrinken die häufigste tödliche Unfallursache, bei Jugendlichen die zweithäufigste. Laut Untersuchung kann hierzulande nämlich nur die Hälfte der Unter-19-Jährigen gut schwimmen.

Die Eltern hingegen sind von den Kenntnissen ihrer Sprösslinge überzeugt: Rund fünf Prozent der Eltern mit Kindern unter fünf Jahren beurteilten die Schwimmkenntnisse ihres Nachwuchses als "sicher" oder "sehr sicher". Die motorischen Voraussetzungen zum richtigen Schwimmen entwickeln Kinder allerdings meist erst zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr. Ab vier Jahren können sich Kinder zwar irgendwie über Wasser halten; das Durchschnittsalter, in dem Schwimmen gelernt wird, liegt aber bei gut fünf Jahren. Dazu kommt, dass ein einzelner Schwimmkurs oft nicht ausreichend sei. Und: Wer im Becken gelernt hat, muss nicht zwingend im Meer oder See gut schwimmen können.

Verantwortung vor allem auch bei Privatpersonen

Mittlerweile ist bei jedem zweiten Eigenheim-Neubau ein Pool oder Teich dabei. Die StudienautorInnen appellieren daher vor allem auch an Privatpersonen, Schwimmbereiche mit Zaun zu sichern. Auch wenn mehrere Erwachsene während des Badens anwesend sind, sollte immer eine Person explizit mit der Aufsicht am Wasser beauftragt sein.

Schwimmunfälle resultieren in schweren Gehirnschäden oder Tod

Kinder und Erwachsene zeigen beim Ertrinken ein unterschiedliches Verhalten: Vor allem Kleinkinder schlagen nicht um sich, schreien nicht, wodurch es sich oft um einen völlig lautlosen Tod handelt. Laut Fokusreport 2018 kommt aber auf jedes Kind, das ertrinkt, eines, das gerettet werden konnte - allerdings dann schwere Gehirnschäden hatte.

Wie man im Notfall reagiert:

  • Zu allererst den Notruf 144 wählen.
  • Andere Personen auf die Situation aufmerksam machen.
  • Wenn man es sich zutraut, die ertrinkende Person selbst an Rand zu retten, sollte man unbedingt Hilfsmittel wie Schwimmweste oder Rettungsring verwenden. Ertrinkende haben Panik und wollen sich im Regelfall an allem festklammer – auch an der rettenden Person. So kann der/die RetterIn selbst unter Wasser und in Gefahr geraten.
  • An Land das Bewusstsein und die Atmung überprüfen: Wenn die Atmung normal funktioniert, die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen. Setzt die Atmung aus, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden: 30x Herzdruckmassage, 2x beatmen. Bei der Herzdruckmassage müssen – anders als das in Serien oft dargestellt wird – die Ellenbogen durchgestreckt sein.
 

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