7 schlechte Angewohnheiten, die man Kindern nicht vorleben sollte

Kinder spiegeln das Verhalten der eigenen Eltern. Und einem wachsamen Kinderblick entgeht so schnell nichts. Das Ergebnis? Nicht immer wünschenswert.

Lektion 1: Rücksicht ist nicht angeboren.

Als meine ältere Tochter knapp über zwei Jahre alt war, haben wir an einem Abend Pizza bestellt. Mein Partner war schon am Weg nachhause, die Pizzabestellung aufgegeben, eigentlich konnte nichts mehr schief gehen.

Über längere Zeit kam aber weder die Pizza, noch mein Partner. Nach einer Zeit sage ich zu meiner Tochter: „Der Papa braucht heute aber lange. Was machen wir jetzt, wenn der Pizzamann zuerst kommt?“ Sie: „Essen.“

An dieser Stelle heißt es dann als Eltern den Kindern Geduld und Höflichkeit zu lehren, sonst braucht man sich Jahre später nicht zu wundern, wenn diese bei Tisch gleich anfangen zu essen und nicht warten bis alle sitzen. Übrigens: für uns löste sich das Problem von selbst, kurz darauf kamen der Pizzabote und mein Partner gleichzeitig.

Lektion 2: Pünktlichkeit will geplant sein, denn Kinder kennen keinen Stress.

Kinder versuchen immer das Beste aus dem Leben zu machen. Wenn es hektisch her geht, werden sie langsamer. An sich ist das nicht Schlechtes, im Gegenteil: Wer unter Stress die Nerven wegschmeißt, ist ohnehin verloren und kann um die eigene Gesundheit bangen.

Allerdings macht es Eltern das Leben auch nicht leichter, wenn ich zu den Kleinen sage „Schnell, wir müssen dringend los“ und diese daraufhin einen - oder manchmal auch zwei - Gänge zurück schalten und extra viel Hilfe beim Anziehen brauchen. Das wiederum stresst mich und das Chaos ist vorprogrammiert.

Die einzige Möglichkeit, um auch mit Kindern pünktlich zu bleiben, ist immer einen ordentlichen Zeitpolster einzuplanen. Diese Rechnung geht zwar nicht immer auf, denn Kleinkinder haben grundsätzlich dann eine volle Windel, wenn es am wenigsten passt, aber zumindest manchmal kann man entspannt auf die Straße hinaus. Und wenn nicht, heißt es tief durchatmen und die Kinder die eigene Gereiztheit besser nicht spüren zu lassen.

Lektion 3: Erst durchatmen, dann schimpfen.

Eine Tages komme ich ins Kinderzimmer zu meiner älteren Tochter, als sie gerade mit ihren Puppen spielt. Völlig in ihr Spiel versunken werden ihre Puppenbabys gewickelt, gefüttert und geherzt. Alles ganz harmlos. Ich erledige im Wohnzimmer einige Dinge, als ich sie plötzlich schreien höre: „DU DARFST NICHT BEISSEN, WIR BEISSEN NICHT.“ Erschrocken schaue ich rüber ins Zimmer und frage, was passiert ist. Erklärt sie mir völlig ruhig, dass die Puppe sie gebissen hat. Und sie musste jetzt mit ihr schimpfen. Nicht sehr schön, wenn die Tochter schimpft wie ein Rohrspatz!

Seit diesem Zeitpunkt bemühe ich mich in Krisensituationen zuerst tief durchzuatmen, sie vielleicht kurz in ihr Kinderzimmer zu schicken und dann ruhig zu erklären, was sie falsch gemacht hat.

Lektion 4: Der Fernseher ist kein Babysitter.

Ich selbst habe meinen Fernsehkonsum mit der Geburt meiner ersten Tochter fast völlig eingestellt. Schluss sind die langen Abende vor der Glotze, die außer vielleicht ab und an Kopfweh nichts gebracht haben. Die Kinder dürfen aber dennoch am Tag eine Folge von Kleinkindersendungen anschauen wie zum Beispiel „Bob, der Baumeister“ oder „Lauras Stern“. Die Inhalte sind einfach gestrickt und leicht zu erklären. Wenn man dann noch daneben sitzt und das Gesehene erklärt, kann man eine Überforderung vermeiden.

Dass das nicht in allen Familien so gehalten wird, durfte ich vor einigen Wochen feststellen, als die Große krank zuhause war. Irgendwann kommt sie zu mir mit der Aufforderung: „Kannst du bitte den Fernseher einschalten – ich bin krank, ich darf jetzt den ganzen Tag fernsehen.“ Und das hatte sie ausnahmsweise mal nicht von mir.

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Lektion 5: Höflichkeit muss sein.

Vier Dinge kann man kleinen Kindern recht früh beibringen: Sich begrüßen, verabschieden, sowie ein „Bitte“ und „Danke“. Dabei ist allerdings Konsequenz gefragt. Wer zur Begrüßung und zur Verabschiedung nur manchmal anderen Leuten die Hand gibt, braucht sich nicht wundern, wenn die Kinder überhaupt niemanden die Hand geben.

Ich selbst sehe das Begrüßen durch Händeschütteln eher locker und finde es tatsächlich nicht immer notwendig. Meine ältere Tochter spiegelt allerdings dieses Vorgehen, nur dass sie nicht unterscheiden kann, wann es wichtig ist und wann nicht. Und das kann dann dazu führen, dass sie manchmal einen Raum verlässt, ohne sich zu verabschieden. Die Kleine hingegen hängt mir bei Treffen mit vielen Leuten ohnehin im Arm und wenn wir Aufbrechen, besteht sie darauf allen selbst ihre Hand zu reichen – wenn es sein muss auch zwei- oder dreimal.

Nachdem ich diesen krassen Unterschied zwischen den beiden beobachten konnte, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Eltern lieber etwas zu höflich zu den Mitmenschen sein sollten, damit die Kinder das auch mitbekommen. Lieber ein „Bitte“ oder „Danke“ zu viel, als eines zu wenig.

Lektion 6: Gesunde Ernährung kommt nicht von alleine.

Der Geschmack von Kindern lässt sich nicht beeinflussen. Das eine Kind mag eben Paprika, das andere kann diese nicht ausstehen. Ich finde man sollte Kinder nicht dazu zwingen, etwas zu essen, was sie gar nicht mögen – es geht letztendlich auch gar nicht.

Was man Kindern allerdings sehr wohl vorleben kann, ist wie wichtig einzelne Lebensmittel am Speiseplan sind. So zum Beispiel sollte bei keinem Essen Salat oder Gemüse fehlen. Oder wer möchte, dass die Kinder nicht dauernd Saft trinken, der muss selbst Wasser trinken. Denn „Wasser predigen und Wein trinken“ funktioniert schon bei den Kleinen nicht.

Lektion 7: Bei Tisch gehört die Aufmerksamkeit der Familie.

Ich persönlich finde es schrecklich, wenn Familien beim Essen zusammen sitzen und jeder ist nur mit sich selbst beschäftigt: der eine liest, der andere spielt am Handy und der Dritte rennt die ganze Zeit aus dem Zimmer, um zu schauen, ob das Update am Computer schon beendet ist.

Die Mahlzeiten sind in vielen Familien die einzige Gelegenheit, bei der alle zusammensitzen und die wichtigsten Ereignisse des Tages besprochen werden können. Wenn man die Aufmerksamkeit der Kinder möchte, muss man sie ihnen aber auch schenken und sie nach ihrem Tag fragen. Wer das nicht tut, darf sich nicht wundern, dass diese nach dem Essen sofort aufstehen und wieder verschwinden – auf was sollen sie auch warten? Dem lesenden Papa oder der lesenden Mama zuzuschauen ist nicht gerade das Tageshighlight.

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