7 Mythen über Vagina, Vulva & Co., die nicht stimmen

Das Buch "Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht" will mit Horrorgeschichten und Mythen rund um das weibliche Geschlechtsorgan aufräumen.

"Fundiertes Wissen über die Funktionsweise des Körpers wird es Frauen erleichtern, in einem geschützten Rahmen eigene, selbstsichere Entscheidungen zu treffen. Die Sexualität gehört entmystifiziert, und wir müssen klarstellen, dass wir über unseren Körper selbst bestimmen."

Kein Rumgerede über die "Muschi", keine falsche Scham und auch kein medizinisches Kauderwelsch: Die jungen Ärztinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl erklären im Buch "Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht" direkt, unverkrampft und mit dem nötigen Fachwissen alles über die entscheidenden Themen: die Klitoris – nur die Spitze des Eisbergs; PMS – das Potentielle Mordsyndrom oder mögliche Sorgen im Intimbereich. Aus ihrer Erfahrung als Sexualberaterinnen und aus ihrem Klinikalltag wurde ihnen eines klar: Höchste Zeit, uns besser mit der Vagina vertraut zu machen.

Hier sind 7 Mythen rund um Vagina, Vulva & Co., mit denen die beiden in ihrem Buch aufräumen:

Mythos 1: Das Jungfernhäutchen

"Der Mythos des Jungfernhäutchens gehört wohl zu denen, die sich am hartnäckigsten halten, und er bringt weiterhin Mädchen auf der ganzen Welt in Gefahr", schreiben die Autorinnen. Denn: das Jungfernhäutchen gibt es so eigentlich gar nicht. "Der Mythos des Jungfernhäutchens besagt: Blutet die Frau nach dem Geschlechtsakt, weiß man, dass sie vorher noch keinen Sex hatte. Blutet sie nicht, hatte sie welchen. Aber dieser Mythos ist, wie so viele andere, schlicht falsch." In Wirklichkeit ist es nämlich weder ein Häutchen, noch reißt irgendetwas: Gleich hinter der Scheidenöffnung befindet sich eine ringförmige Schleimhautfalte, die sich wie ein Kranz um die Scheidenwand legt. Das ist das Hymen - und es sieht bei jeder Frau ein wenig anders aus. "Beim ersten Vaginalsex wird das Hymen mit der restlichen Scheide gedehnt. Bei vielen Frauen ist das Hymen so flexibel, dass es keine Probleme gibt, aber bei manchen kann das Hymen reißen und leicht bluten. Mit anderen Worten: Manche bluten beim ersten Sex, andere nicht."

Mythos 2: Hormonelle Verhütung ist unnatürlich und gefährlich

Die beiden Ärztinnen wollen auch mit dem Stigma rund um hormonelle Verhütung aufräumen. "Schwerwiegende Nebenwirkungen sind äußerst selten, und nur wenig deutet darauf hin, dass das Gros der Frauen, die hormonell verhüten, von Depressionen oder herabgesetzter sexueller Lust betroffen ist." Nebenwirkungen, von denen ein bis zehn Prozent der Anwenderinnen betroffen sind, sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel und ein Spannungsgefühl in den Brüsten. "Diese Nebenwirkungen sind ungefährlich, aber sie können trotzdem lästig sein."

Nebenwirkungen machen sich vor allem am Anfang bemerkbar, wenn man gerade mit dem Verhütungsmittel begonnen hat, so die Autorinnen, aber nach ein paar Monaten verschwinden sie in der Regel wieder oder werden zumindest schwächer. "Der Körper passt sich dem neuen Hormonhaushalt an und kommt zur Ruhe. Setzt man das Mittel dann ab, braucht er erst einmal eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, nur um beim nächsten Start dieselben Nebenwirkungen erneut durchzumachen." Hormonelle Verhütungsmittel können außerdem auch positive Auswirkungen auf den Körper haben: neben dem sicheren Schwangerschaftsschutz schützen sie auch vor Unterleibsinfektionen und helfen etwa bei Endometriose.

Aber wie gesagt: Das ist wiederum bei jeder Frau unterschiedlich.

Mythos 3: Vaginaler Orgasmus

"Es gibt keinen vaginalen Orgasmus im eigentlichen Sinne, sondern verschiedene Orgasmen, die auf unterschiedliche Weise ausgelöst werden können, aber alle gleich schön sind." Nur weil die eigentliche Penetration nicht zum Orgasmus führt, solle sich keine Frau schlecht fühlen.

Mythos 4: Vulva ist nicht Vagina

Viele glauben, der sichtbare Teil des weiblichen Genitals heiße Vagina. Das stimmt jedoch nicht: "Mit Vagina bezeichnen wir nur einen Teil unseres Genitals, genauer gesagt den Muskelschlauch, der bei penetrierendem Sex oder bei der Geburt zum Einsatz kommt, also den Schlauch, der zur Gebärmutter führt." Die meisten, die von einer Vagina reden, meinen die Vulva, den sichtbaren Teil.

Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl starteten einen der erfolgreichsten Blogs Norwegens: Underlivet (Unterleib), in dem sie über Sex und Sexualität schreiben. Die beiden lernten sich zu Beginn ihres Medizinstudiums bei einem Workshop für Sexualberatung kennen. Seitdem engagieren sie sich in Beratungsstellen für sexuelle Gesundheit.
Ihr Buch »Gleden med Skjeden« ist in Norwegen ein großer Bestseller; es wurde in 30 Länder verkauft.

Mythos 5: Der G-Punkt

Viel wird um ihn herumgerätselt, so richtig gefunden hat ihn aber noch keiner: den G-Punkt. "Der G-Punkt wird als besonders empfindsamer Punkt in der Vagina mancher Frauen beschrieben, und einige behaupten, dass sie allein durch Stimulation des G-Punktes zum Orgasmus kommen können. Er soll sich im Inneren der Vagina an der vorderen Scheidenwand befinden und dadurch stimuliert werden, dass man mit dem Finger eine »Komm-her-Bewegung« macht", so das Buch.

Eine These zum G-Punkt besagt, dass er keine eigene materielle Struktur ist, sondern ein tieferliegender innerer Teil der Klitoris, der beim Sex direkt durch die Scheiden­wand hindurch stimuliert wird. Eine Studie aus dem Jahr 2010 untersuchte die vordere Scheidenwand einer Frau während vaginaler Penetration. Mit Hilfe von Ultraschallaufnahmen verfolgten die Wissenschaftler den Akt und suchten nach dem G-Punkt. "Sie fanden ihn nicht, kamen aber zu dem Schluss, dass der innere Teil der Klitoris so dicht an der vorderen Scheidenwand liegt, dass die Klitoris die Lösung für das G-Punkt-Rätsel sein könnte." Der G-Punkt könnte auch mit einer Ansammlung von Drüsen zu tun haben. Wie auch immer: die Forschung muss weitergehen, so die Autorinnen.

Mythos 6: Die Klitoris

Je fester man rubbelt, desto besser? Eher nicht. Denn so funktioniert der Klitorisknopf nicht. "Da sie so reich an Nervenenden ist, wird schon die geringste Variation in der Berührung wahrgenommen. Das sorgt für ungeahnte Möglichkeiten der Stimulation und der Lust, aber es hat auch zur Folge, dass der Übergang zu Schmerz oder schlicht zu Taubheit fließend ist. Langanhaltendes festes Drücken kann bewirken, dass die Nervenenden keine Signale mehr an das Gehirn schicken."

Und ja: der Klitorisknopf ist tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs. "Was die meisten Menschen als Klitoris bezeichnen, ist nur ein winziger Bruchteil eines großen Organs, das sich im Körperinneren bis ins Becken erstreckt und zu beiden Seiten der Vulva verläuft."

Mehr zum Thema: Dieses Projekt zeigt, wie eine Klitoris wirklich aussieht.

Mythos 7: Die Erektion

Nur Männer haben eine Erektion? Von wegen! Denn Frauen kennen etwas, das einer Erektion sehr ähnlich ist. "In einer Studie an der Universität Florida wurden in den 1970er Jahren zwei Frauen mit großen Kitzlern untersucht und mit Männern verglichen. Man fand heraus, dass die Frauen im Schlaf ebenso viele nächtliche ,Erektionen' hatten wie die Männer. Eine andere Studie beobachtete, dass Frauen bis zu achtmal pro Nacht eine ,Erektion' hatten, über eine Zeit von zusammengenommen einer Stunde und zwanzig Minuten (!), schreiben die Autorinnen. Wenn das mal kein Perspektivenwechsel ist.

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