7 Menschen, die du am Neustifter Kirtag triffst

Rechtzeitig zum Wiener Trachtenereignis des Jahres haben wir uns an einer Typologie der BesucherInnen am Neustifter Kirtag versucht.

Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit: Zehntausende Wienerinnen und Wiener ziehen nach Neustift im Walde, um drei Tage lang in Tracht und in Begleitung jeder Menge flüssiger Beigetränke den "Neustifter Kirtag" zu feiern. Über 100.000 Gäste zieht der Kirtag in Wien Döbling jedes Jahr in das kleine Heurigengrätzl am Stadtrand, das sich für einige Stunden in eine Rummel- und Partyzone aller Generationen verwandelt. 

Dabei trifft man traditionell auf skurrile Persönlichkeiten, alt-bekannte Gesichter und immergleiche Verhaltensmuster. Wir haben uns an einer Kategorisierung der Personen versucht, die man während eines Kirtagsbesuchs trifft.

 

1. Die Touristen

Ein paar von ihnen verirren sich immer bis "rauf" nach Neustift (und allein dafür gebührt ihnen jeder Respekt!): Die Touristen. Leicht erkennbar an ihren leicht irritierten Blicken und ihrem zaghaften Herantasten an die österreichische (Sauf-)Kultur stechen sie bereits von weitem aus der Masse hervor. Ein, zwei Gläser Wein später ist von der Unsicherheit aber nur noch wenig zu bemerken - dann findet man sie meist mit "unsereins" bis spät in die Nacht schunkelnd am Tisch zu Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich mitgrölen. Integration im Schnellverfahren, quasi. 

 

2. Der Typ von Tinder

All jene, die die Dating-App "Tinder" in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen nutzen, werden das Phänomen vielleicht schon beobachtet haben. Typen (oder Mädels), die du auf Tinder gesehen hast, sind auch in freier Wildbahn anzutreffen und die Chancen ihnen im echten Leben zu begegnen stehen am Kirtag besonders hoch (vermutlich auch deswegen, weil gefühlt halb Wien auf ein paar hundert Quadratmetern versammelt ist). Wenn du dir also denkst "ah, den/die kenn ich doch irgendwo her", bist du vermutlich nicht der/die Einzige.

 

3. Die ParteibuchträgerInnen

Wenn du denkst, du hättest dich erfolgreich durch die Zone der flyerverteilenden Parteibubis (und -mädis) durchgekämpft, wähne dich nicht allzulange in Sicherheit: Es wird vermutlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass du mit jemandem an diesem Abend über Politik diskutiert hast. Besonders am Kirtag scheint die Dichte an Personen, die von ihrer politischen Meinung sehr (!) überzeugt sind, überdurchschnittlich hoch zu sein (mag vielleicht auch mit dem ein oder anderen Glas Weißwein zusammenhängen).

 

4. Die ständig Besoffenen

Ähnlich wie am Oktoberfest scheinen auch am Kirtag viele die Grenze ihrer eigenen Alkoholverträglichkeit dezent zu unterschätzen. An manchen Tischen wird gar so viel getrunken, dass man meinen könnte, die Damen und Herren versuchten gerade ihren Jahresverbrauch an Alkohol an einem Abend zu konsumieren. Ganz im Gegensatz zum folgenden Typus...

 

5. Die Nüchternen (aka „Ich bin mit dem Auto da“)

Auf den Kirtag zu gehen und gar nichts zu trinken, ist in etwa so intelligent wie ein Besuch des Fitnessstudios ohne Sportschuhe. Vor allem aus einem simplen und einfachen Grund: Man hält ihn sonst nur schwer aus. Wer das Wagnis trotzdem eingeht, ist entweder mit großer Naivität gesegnet oder der/die "Fahrer/Fahrerin" des Abends (mein Beileid). Jene Personen sollten allerdings mit einem besonders robusten Nervenkostüm ausgestattet sein: Es gilt nicht nur die beschwipste Kirtag-Partie auszuhalten, sondern auch einen Parkplatz zu finden (der idealerweise nicht 5km Fußmarsch vom Geschehen entfernt ist) und diesen Parkplatz auch wieder heil zu finden und zu verlassen (ohne beim Nachhausefahren im Postkirtagsstau die Nerven zu schmeißen). 

 

6. Die Möchtegern-Dirndlträgerinnen

Das Problem mit Trachtenfestln aller Art in Wien ist, dass die meisten WienerInnen keine Ahnung von der Trachtenkultur haben. Und ja, das sieht man auch. Dirndln, die in einer verzweifelten Last-Minute-Aktion im "Peek" oder "Dirndl Outlet" um €50 erstanden wurden, sehen leider auch so aus, wie viel sie gekostet haben: Billig, meistens zu kurz und idealerweise aus Vollplastik (sodass die Trägerin im besten Fall auch noch richtig schön reinschwitzt). Für den Extra-Touch wird dann auch noch die Dirndlbluse daheim gelassen und die Brüste mit jeder Menge Polsterung nach oben gepusht - am Ende hat das Ganze nur noch sehr wenig mit Tradition zu tun. Wer's mag ...

 

7. Die TrachtenverweigerInnen

Obwohl in den letzten Jahren der Trend zum Trachtentragen in die Höhe geschnellt ist, gibt es immer noch einige BesucherInnen des Kirtags, die auf das (pseudo-)traditionelle Verkleidungsspiel keine Lust haben. Meistens kommen sie in Jeans und Shirt, manche von ihnen wollen dann doch nicht ganz aus der Reihe fallen und kramen für einen Nachmittag/Abend das bunt karierte Trachtenhemd aus dem Schrank.

 

Kurzum: Der Neustifter Kirtag ist längst nicht mehr bloß Treffpunkt der Vienna International Business School oder des ortsansässigen Weinclubs, sondern verbindet unterschiedlichste Kulturen und Generationen an einem Fleck. Die große Heurigen Party mag zwar nicht für jeden etwas sein - das ist ob der Massen, die sich in den letzten Jahren durch die engen Döblinger Gassen gequetscht haben, aber wohl auch besser so.

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