7 Entdeckungen, die man erst als Papa macht

Viele Rätsel gab Samuel seinem Vater in seinem ersten Jahr zu lösen. Aber der junge Mann sorgte auch dafür, dass Papa-Blogger Michael selbst neue Entdeckungen machte.

Mit einem Baby ist vieles anders. Eigentlich alles. Aber das bietet auch die Möglichkeit, sich als erwachsener Mann weiterzuentwickeln oder neue Dinge zu erleben. Sieben Entdeckungen habe ich in meinem ersten Jahr als Papa gesammelt. Vorerst. Denn das werden noch nicht alle gewesen sein.

7 Dinge, die ich im ersten Jahr als Papa gelernt habe

1. Meins ist nicht mehr Meins

Der Volksmund behauptet ja, dass die Ehe einem Mann seinen Besitz nimmt. Das stimmt nicht. Es ist das eigene Kind. Egal, ob Fernbedienung, Handy, Tablet, Brille oder Zeitung – kaum habe ich eines dieser Dinge in der Hand, versuchen zwei unkoordiniert fuchtelnde Babyhände mir diese zu entreißen. Wirklich gefährlich ist mittlerweile das Verspeisen von Snacks auf der Couch: Im Augenwinkel sehe ich einen immer größer werdenden Mund verwegen auf mich zustürzen – ganz ohne Rücksicht auf eigene Verluste – um ja einen Bissen zu ergattern.

2. Schlafentzug

In all den Jahren zuvor hat mich das Thema Schlaf noch nie so intensiv, fast schon wissenschaftlich, beschäftigt. Ich hatte nur immer zu wenig davon. Das hat sich auch nicht geändert, nur liegt es jetzt nicht an mir. Und das fordert mich seit Monaten heraus, Literatur zu studieren, Best-Practices auszuprobieren und Schlafrituale zu entwerfen. Und total übermüdet am nächsten Tag aufzustehen. Wenigstens das funktioniert. Irgendwie.

3. Empathie

Als Elternteil entwickelt man scheinbar automatisch große Empathie mit anderen Erziehungsberechtigten. Und Kindern. Bekam ein kleiner Mensch in der U-Bahn einen Tobsuchtsanfall, sah ich früher beschämt weg und fragte mich, was denn hier nur schief laufe. Heute fühle ich mit den Eltern mit. Und den Kindern. Ähnlich ergeht es mir bei Medienberichten oder Filmen, in denen Kindern ein Unglück widerfährt. Solche Szenen belasten mich noch mehr als früher. Und frage mich selbst, wie ich als Kind Serien wie Nils Holgersson, Perrine oder Pinocchio, die allesamt ohne Eltern aufwachsen mussten, unbeschadet überstehen konnte.

4. Wandern

Etwas überraschend in dieser Liste ist das Wandern: Dabei liegt meine letzte Wanderung ohne Baby viele, viele Jahre zurück. Und wäre ohne Kind ja auch so einfach gewesen. Heute habe ich ein Baby auf den Bauch geschnallt und einen Rucksack mit seinen – überlebensnotwendigen - Dingen und die dazugehörigen ebenso wichtigen Reserven auf dem Buckel. Im Idealfall finde ich noch irgendwo Platz für eine kleine Trinkflasche für mich. Meist natürlich dort, wo ich mit all dem Ballast auf meinem Körper nicht hingelange. Dennoch: Es ist eine spaßige Alternative zur Kinderwagenausfahrt.

5. Baby-Lachen

Lachen ist gesund. Ein herzhaftes Babylachen setzt aber noch eines drauf. Und macht Eltern richtig süchtig danach. Obwohl es ja eigentlich nicht melodisch klingt. Eher rauchig und herb. Doch diese pure Lebensfreude, das Ergötzen an scheinbar belanglosen Dingen macht das Baby-Lachen zur elterlichen Energiequelle.

6. Zeit-Turbo

Sehe ich mir Fotos von meinem Sohn an, kommen mir die Zeitpunkte dieser Erlebnisse vor, als ob sie gestern gewesen wären. Sind sie aber nicht. Meist liegen viele Wochen dazwischen. Die allerdings wiederum so rasch vergangen sind. Mein professionelles Fazit: Mit einem Baby vergeht die Zeit tatsächlich viel schneller.

7. Ich bin alt

Der Zeit-Turbo macht auch vor mir nicht Halt. Viele, viele Jahre hörte ich wohlwollend, dass ich jünger aussehe, als ich tatsächlich bin. Diesen Satz habe ich nicht mehr gehört, seit ich Vater bin. Begrüßt mich morgens mein Spiegelbild, weiß ich auch warum. Auf meinem Kopf setzt die Schar an weißen Haare ihren Feldzug fort, Augenringe machen sich in meinem Gesicht breiter als gewünscht und ich wirke stets erschöpft. Oder eben alt. Und ich merke auch, wie schwerfällig ich geworden bin, hetze ich meinem krabbelnden Sohn am Boden hinterher.

Wie gesagt: Das alles wird’s noch nicht gewesen sein. Denn eines habe ich bereits gelernt: die einzige Konstante im Leben eines Vaters ist die Veränderung …

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

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