7 Dinge, die du wissen solltest, wenn du in der Natur schwimmen gehst

Schwimmen in natürlichen Gewässern ist voll im Trend – aber Fluss, Teich und See sind keine Schwimmbadbecken. Worauf wir achten müssen, damit unser Badeausflug sicher, gesund und gut für die Umwelt bleibt, haben wir bei drei Expert*innen nachgefragt.

Badeseen Kärnten

Wer statt im Schwimmbad in der freien Natur schwimmen geht, wird als Erstes einen großen Unterschied bemerken: die Stille. Während im Stadtbad hunderte von Leuten zusammengedrängt in einem kleinen Becken herumtoben, der*die Bademeister*in in sein*ihr Pfeiferl bläst und von der Kantine nicht nur Pommesgeruch, sondern auch laut dröhnende Sommerhits herdrängen, hört man am Baggersee und Teich nur eines: die Natur. Wir haben uns einige der wichtigsten Fragen sowie Mythen angeschaut und mit Menschen gesprochen, die sich auskennen.

1. Welches Wasser ist zum Baden am gesündesten?

Wasser ist nicht gleich Wasser, weiß der Linzer Dermatologe Johannes Neuhofer. "Das Schwimmbad ist chloriert und kontrolliert, da ist alles steril und man kann auf nichts drauf treten", so der Mediziner. "Da ist die Gefahr von Keimen im Gegensatz zu natürlichen Gewässern geringer. Allerdings ist die Reizung der Haut durch Überchlorierung, besonders bei Neurodermitiker*innen oder hautempfindlichen Menschen, wesentlich größer. Im Badeteich, wo sehr viele Leute beisammen sind und auch Wasservögel und anderes Getier, gibt es natürlich schon das Risiko der Überkeimung. Vor allem in langen Hitzeperioden, wenn die Wassertemperatur länger hoch ist." Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte im Sommer eher in frischen Bergseen oder fließenden Gewässern baden. "Das ist kühl – und kühl ist generell auch für die Haut entzündungshemmend."

2. Ich habe Angst im Naturwasser – was kann ich tun?

Es ist ein bisschen peinlich, aber gar nicht so wenige erwachsene Menschen haben Angst, im See oder Fluss zu schwimmen. Karmen Kreidl von der Österreichischen Wasserrettung kennt das: "Im Schwimmbad ist das Wasser klar, es ist ein vom Menschen gestalteter Raum. Im Freigewässer ist die Sicht sehr unterschiedlich, es gibt Fische und Pflanzen. Wenn sich jemand da unwohl fühlt, kann das leicht in Angst und Panik umschlagen." Freie Gewässer aber ganz zu meiden ist für Kreidl auch nicht die beste Lösung. Stattdessen könne man sich langsam mit der schwimmenden Natur vertraut machen, rät sie. "Einfach mal ins flachere Wasser gehen und nur mal schauen: Welche Fische sehe ich? Vielleicht ein Bestimmungsbuch nehmen und nachschauen, welche Arten das sind", empfiehlt die gelernte Biologin. "Wasserpflanzen, wie wir sie etwa in Wien sehen, sind ein Zeichen für gute Wasserqualität. Die haben alle einen Namen, viele davon blühen. Wenn man sich das alles einmal genau anschaut, sinkt auch die Berührungsangst."

3. Woran erkenne ich gute und schlechte Wasserqualität?

"Wenn man jetzt von Extrembeispielen wie toten Fischen oder sichtbaren Verunreinigungen absieht, gibt es eigentlich keine Möglichkeit, das mit freiem Auge zu erkennen", erklärt Franz Allerberger von der Ages, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, die unter anderem die Wasserqualität in den österreichischen Badestellen kontrolliert. Wer beim Naturbaden lieber auf Nummer sicher gehen will, geht an eine der 236 offiziell ausgewiesenen EU-Badestellen: Sie sind mit Schildern mit Smileys gekennzeichnet und werden in der offiziellen Badezeit zwischen 15. Juni und 31. August regelmäßig kontrolliert.

4. Ist die Hitze schlecht fürs Wasser?

Immer heißere Sommer machen auch etwas mit den Seen. "Ab 23, 24 Grad Wassertemperatur ist eine Massenvermehrung von Cyanobakterien möglich", erklärt Allerberger. Wenn diese Überhand nehmen, bilden sie sogenannte "Algenblüten", sichtbare Ansammlungen auf dem Wasser und an den Ufern. Die sind für den Menschen erst gefährlich, wenn er einen halben Liter Wasser schluckt, können aber bei Hunden bedrohlich werden, wenn diese sie aus ihrem Fell lecken. "Wir sehen jedes Jahr fünf, sechs Tiere, die in die Veterinärmedizin kommen." Das zweite Risiko, das durch Erwärmung steigt, sind Zerkarien: Das sind Parasiten, die sich an Wasservögeln und Schnecken ansiedeln und auch den Menschen befallen können. Dermatologe Neuhofer dazu: "Das Problem sind nicht die Würmer an sich, die sterben an der Haut des Menschen ab. Sie können aber eine starke Abwehrreaktion auslösen – richtige Knötchen und Juckreiz." Was hilft: nach dem Schwimmen kalt duschen und in der Hitzewelle nicht in kleine stehende Gewässer steigen.

5. Darf man nach dem Essen wirklich nicht ins Wasser?

Wir haben es als Kinder schon gehört: nicht mit vollem Magen ins Wasser! Aber stimmt das wirklich? Ja, sagt Karmen Kreidl: "Weil der Körper da viel Blut für die Verdauung braucht und weniger zum Schwimmen übrig ist. Da kann es dann passieren, dass einem schwarz vor Augen wird. Und wenn dann keine Hilfe in der Nähe ist, geht man unter." Auch ein anderer Klassiker ist übrigens immer noch aktuell: lieber langsam ins kalte Wasser gehen als den Köpfler hinein machen. "Wenn der Temperaturunterschied zwischen dem Körper und dem Wasser zu groß ist, kann es gefährlich werden. Dann besteht wirklich die Gefahr eines Kreislaufstillstands", so Kreidl.

6. Was tue ich bei Badeunfällen?

In Österreich sterben jedes Jahr circa 40 Menschen durch Ertrinken. Um diese Zahl zu reduzieren, gibt es Sicherheitsrichtlinien und Schwimmtrainings von der Österreichischen Wasserrettung. Aber wie verhält man sich richtig, wenn jemand im Wasser Schwierigkeiten hat? "Wir raten davon ab, zu einer Person, die in Panik ist, hinzuschwimmen und zu versuchen, sie zu retten, wenn man nicht wirklich weiß, was man tut", sagt Karmen Kreidl. "Was man tun kann, ist: einen Schwimmkörper zuwerfen, versuchen, die Person zu beruhigen, und Hilfe rufen. Wenn die Person ruhig ist, kann ich ihr auch helfen, zurückzuschwimmen." Und was, wenn ich selbst in Gefahr gerate? "Das Wichtigste: Ruhe bewahren. Die Schwimmlage wechseln, sich mal auf den Rücken legen, Wasser treten."

7. Was sind die wichtigsten Sicherheitsregeln beim Schwimmen?

Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit gibt es in Österreich 700.000 NichtschwimmerInnen. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren bezeichnen ihre Schwimmfähigkeiten als unsicher bis mittelmäßig. Hier gilt es vor allem, das eigene Können richtig einzuschätzen. "Die meisten Badeunfälle passieren aus Selbstüberschätzung. Der Großteil der Betroffenen ist männlich und eher jung", erklärt Karmen Kreidl. Ihr Rat: "Immer schauen, dass man gesund ist, wenn man ins Wasser geht. Dann schauen: Wie ist das Wasser? Gibt es spitze Steine?" Außerdem: "Stets parallel zum Ufer schwimmen. Auch ruhig einen Schwimmkörper mitnehmen." Besondere Vorsicht gilt beim Baden in Flüssen: Strömungen sind für Laien schwer zu lesen und können schnell lebensgefährlich werden. Wer wirklich in Flüssen schwimmen will – und damit ist nicht die Alte Donau gemeint, die gilt eher als stehendes Gewässer –, sollte in gute Flussausrüstung investieren. "Fließwasserausrüstung besteht aus festem Schuhwerk, etwa Canyoningschuhen, einem langen Neoprenanzug, Wildwasserhelm und Weste."

 

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