7 Anzeichen, dass man endlich kündigen sollte

Sind ein schlechter Arbeitstag und Frust nach Feierabend gleich ein Kündigungsgrund? Was kann man im Job aushalten und wann ist es Zeit, zu neuen beruflichen Ufern aufzubrechen? Wir haben nachgefragt.

Einen Job ohne ein wenig Frustration oder Misserfolge gibt es nicht. Oder? Karriere-Coach Andrea Jindra erklärt, wie viel jeder selbst zu seinem persönlichen Berufsglück beitragen kann und wann jede Hoffnung verloren ist.


Wie viele „schlechte“ Tage in der Woche sind normal?

Im Grunde ist das Maß, wann etwas als zu viel empfunden wird, etwas sehr individuelles. Jede/r hat eine unterschiedliche Frustrationstoleranz. Wenn der Job so stark belastet, dass ein Abschalten am Abend und am Wochenende nicht mehr möglich ist oder gar Schlafstörungen auftreten und das bereits über einen längeren Zeitraum, dann ist Gefahr für die Gesundheit im Verzug.

Stammt die Unzufriedenheit von einer temporären Situation im Unternehmen, dann heisst es: Durchhalten! Mental könnte die Zeit danach, also der Normalzustand, also die Zeit danach fokussiert werden.

Ist jedoch kein Ende der Situation, die die Unzufriedenheit hervorruft in Sicht, dann sollte überlegt werden, was die Unzufriedenheit und Demotivation hervorruft und ob, man selber zu der Verbesserung der Situation etwas beitragen kann. Und wenn ja, was konkret.

Wie stelle ich fest, ob meine Unzufriedenheit vom Job kommt oder doch eher privater Natur ist?

Hier gilt es darauf zu achten, wann im Speziellen die Unzufriedenheit auftaucht. Steht diese z.B. im Zusammenhang mit einer bestimmten Aufgabe, Tätigkeit, die auszuführen ist oder hängt diese mit einer Person im Unternehmen zusammen, z.B. Vorgesetzten, Kollegen. Es kommt immer wieder auch vor, dass private Probleme z.B. Beziehungsprobleme, Scheidung, gesundheitliche Probleme, Todesfall im Umfeld Auswirkungen auf den Gemütszustand haben. In solchen Phasen hat der Beruf nicht die höchste Priorität und möglicherweise belasten berufliche Themen stärker, als in Phasen mit einem positiven Allgemeinbefinden. Wenn private Probleme die berufliche Unzufriedenheit hervorrufen oder verstärken ist es wichtig, sich das bewusst zu machen. Hierbei ist auch zu überlegen, ob es sinnvoll ist, mit offenen Karten zu spielen, und dem Arbeitgeber/Vorgesetzten von dem privaten Problem zu informieren und zu signalisieren, dass es sich um eine vorübergehende Phase handelt. Bei einem empathischen Umfeld wird in diesem Fall mit Sicherheit Verständnis gezeigt.

Der (arbeitende) Mensch ist ein Gewohnheitstier – wenn die Dinge im Job eingespielt laufen, lebt es sich leichter. Aber was tun, wenn daraus Fadesse wird?

Neue Aufgaben und Herausforderungen können vorübergehend auch einmal das Gefühl der Überforderung hervorrufen. Das Bewältigen der neuen Aufgaben führt aber zur Weiterentwicklung und ruft ein Erfolgsgefühl hervor. Wir brauchen diese neuen Aufgaben, um zu lernen. Wenn der Job keine neuen Herausforderungen mit sich bringt und reine Routine darstellt, treten wir auf der Stelle, das Gehirn wird nicht gefordert, wir werden träge. Menschen, die längere Zeit unterfordert waren, tun sich schwerer mit neuen Anforderungen, die aber in jedem Berufsfeld kontinuierlich vorhanden sind, z.B. einer neuen Aufgabe, Veränderungsprozesse im Unternehmen, neue Technologien etc.

Wie viel Wertschätzung muss vom Chef kommen? Wie kann ich mich selbst motivieren, wenn mein Vorgesetzter mit Feedback und Lob spart?

Idealerweise erkennt ein Chef, welche Mitarbeiter sich engagieren, gute Arbeit leisten und kann dies auch in wertschätzender Weise anerkennen. Leider sieht die Praxis oft anders aus und viele Vorgesetzte sind sehr sparsam mit Lob und Anerkennung.

Idealerweise erkennt ein Chef, welche Mitarbeiter sich engagieren, gute Arbeit leisten und schätzt dies auch. Leider sieht die Praxis oft anders aus.
Jobcoach Andrea Jindra

Sich selbst zu motivieren und auch zufrieden mit den eigenen Leistungen zu sein, sind aber wertvolle Eigenschaften, die unbedingt gefördert werden sollten. Das kann so funktionieren, dass man sich selber Ziele setzt und sich selbst bei der Erreichung der Ziele belohnt und sich darüber freut. Das Gefühl, ein gesetztes Ziel selbst erreicht zu haben fördert das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Hat man diese kleinen täglichen Erfolgserlebnisse nicht, oder kann sich über die eigenen Erfolge nicht freuen, dann sinkt das Selbstbewusstsein und man macht sich zu stark abhängig von der Anerkennung der Anderen.

Darf ich mein Job-Glück von meinem Vorgesetzten abhängig machen?

Die meisten Menschen kündigen ihren Job nicht, weil Sie mit der Arbeit unzufrieden sind, sondern weil es Probleme mit dem Vorgesetzten gibt. Natürlich wäre es besser, sein Job-Glück nicht vom Vorgesetzten abhängig zu machen, in der Praxis ist das erfahrungsgemäß schwierig. Hierbei ist zu überlegen, ob der Vorgesetzte möglicherweise in einer absehbaren Zeit weiterzieht. Wenn die Aufgabe an sich Spass macht und die Firma ein guter Arbeitgeber ist, dann wäre es besser, diese Zeit auszusitzen. Wenn es nicht absehbar ist, dass der Vorgesetze wechselt, dann ist nach einer passenden Lösung zu suchen. Mögliche Beispiele: Interner Wechsel in eine andere Abteilung, klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten oder der Personalabteilung, sich verbünden mit Kollegen und sich gegenseitig aufbauen. Wenn das alles nicht möglich ist, oder nichts hilft, dann ist auch zu überlegen ob ein Firmenwechsel eine Perspektive darstellt.

Wie finde ich heraus, was mir in einem Job wichtig ist?

Diese Frage ist am Besten zu beantworten, wenn es bereits Erfahrungen im Berufsleben gibt. Dann ist nämlich zu reflektieren, was in den früheren Jobs gut gefallen hat und was nicht. Üblicherweise geht es um Arbeitsinhalte, Kollegen, Vorgesetzte, Betriebsklima, Arbeitszeiten, Gehalt, Neues vs. Routine, Lage des Unternehmens und Anreise, räumliche Faktoren (Grossraumbüro vs. kleines Büro), Umweltfaktoren (Lärm, Schmutz etc.), Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Arbeitgeberimage, Sinnhaftigkeit der Tätigkeit etc.

Kann ich das Feuer für meinen – vielleicht langjährigen Beruf – wieder entfachen, wenn die Leidenschaft irgendwo am Weg abhandengekommen ist?

Hier ist zu überlegen, was helfen könnte. Die Beantwortung ist eine höchst individuelle Sache. Mögliche Überlegungen könnten sein. Braucht es: neue Tätigkeiten, neue Herausforderungen, mehr Anerkennung, Veränderungen im Team, flexible Zeiteinteilung...

Grundsätzlich ist es völlig normal, dass ein Job nicht immer zu 100 Prozent und zu jeder Zeit Spaß macht. Wie im Leben, so gibt es auch im Job Höhen und Tiefen. Wenn das Tief zu lange andauert, dann ist sinnvoll, über mögliche Lösungen nachzudenken.

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