620 Kilometer lange Menschenkette: Frauen in Indien protestieren für ihr Recht

In einer spektakulären "Women's Wall" protestieren Frauen in Kerala für ihr Recht, in einem der heiligsten Tempel Indiens zu beten.

Zehntausende Frauen. Aneinandergereiht standen sie am Dienstag in einer 620 Kilometer langen Kette, quer durch den indischen Bundesstaat Kerala. Die "women's wall", wie die Menschenkette inzwischen genannt wird, protestierte 15 Minuten lang friedlich für den Zugang zum heiligen Tempel Sabarimala und machte so ihre Unterstützung für ein Gerichtsurteil aus September sichtbar, mit dem das Zutrittsverbot für Frauen zum Tempel aufgehoben wurde.

Schätzungen der Kommunistischen Partei, die den Protest unterstützt, sprechen von bis zu fünf Millionen Protestierenden. "Es waren soviele Frauen da, sie hatten nicht mal genug Platz um ihre Arme auszustrecken. Hätten die Frauen ihre Arme ausgestreckt, die Menschenkette wäre so lang geworden, dass die Frauen in die arabische See gestürzt wären," sagte die PolitikerinSubhashini Ali, die ebenfalls am Protest teilnahm, gegenüber CNN.

Gerichtshof: Zugangsverbot ist Diskriminierung

Indiens Verfassungsgerichtshof hatte vor wenigen Monaten das uralte Betretungsverbot aufgehoben, das Frauen "im gebärfähigen Alter" den Zugang zum Tempel von Sabarimala, einem der wichtigsten hinduistischen Heiligtümer, untersagte. Frauen und Mädchen zwischen zehn und 50 Jahren war es über Jahrhunderte untersagt, ihn zu betreten und dort zu beten. Der Gerichtshof hat nach einem jahrelangen Rechtsstreit befunden, dass dieses Verbot diskriminierend und damit nicht zulässig sei.

Widerstand: Ein Gott im Zölibat

Seit dem Urteil versuchten mehrere Frauen, zum Schrein des Gottes Ayyappa zu gelangen. Ein Kontingent von 1.300 PolizistInnen soll sie schützen und ihnen helfen, den Tempel besuchen zu können. Ihnen gegenüber stehen allerdings tausende Hindu-Traditionalisten, die das Verbot nach wie vor unterstützen und die Frauen daran hindern, den Tempel zu betreten. Ihrer Ansicht nach könnten menstruierende Frauen Ayyappa, den Gott des Wachstums, dem der Tempel gewidmet ist, verführen, wie The Guardian berichtet.

Dieser Konflikt zieht sich bis in die Regierungsebene. Die Kommunistische Partei, die in Kerala regiert, unterstützt den Schritt in Richtung Gleichstellung. Die BJP, Indiens hinduistisch-nationalistsiche Regierungspartei, stellt sich gegen die Entscheidung des Gerichtshofes. Sie argumentiert, das Urteil ignoriere die traditionelle Überzeugung, dass Ayyappa im Zölibat lebte. Für den 22. Januar ist eine Gerichtsanhörung der Gegner vorgesehen.

 

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