6 Dinge, die ich nach sieben Jahren Beziehung gelernt habe

Dass Beziehungen nichts mit Hollywood-Romantik zu tun haben, habe ich nach sieben Jahren mit meinem Partner nun auch kapiert. Das Schöne und das Hässliche liegen halt doch zu nah beieinander.

Aber fangen wir von vorne an: meinen jetzigen Freund kenne ich schon lange. Das beweisen unzählige Tagebuch-Einträge aus der Schulzeit, die zeigen, wie verknallt ich ihn war. Teenager-Dasein halt. „Wie süß, dass ihr jetzt zusammen seid“, denken sicher viele. Nun, das denke ich auch. Irgendwie. Trotzdem habe ich mir eine romantische Beziehung anfangs anders vorgestellt. Denn über diese 6 Dinge erfährt man in Hollywood-Filmen nichts.

1: Die ersten zwei Jahre vergehen wie im Flug


Wenn ich meinem früheren Ich aus heutiger Sicht gerne etwas gesagt hätte, dann wäre es: genieße die ersten Jahre! Sie kommen nie wieder! Das klingt jetzt vielleicht nicht so rosig, aber so ist das nun mal. Der Anfangszeit wohnt schließlich ein ganz eigener Zauber inne – es ist die Zeit, in der man sich noch schämt, bei ihm aufs Klo zu gehen, in der man beim gemeinsamen Essen noch darauf achtet, wie man dabei aussieht und in der man sich JEDEN Tag die Beine rasiert. (Das hängt auch mit der Sexfrequenz zusammen. Und ja, sie wird sinken.) In der ersten Zeit fällt einer auch alles leichter, weil man mit dem Kopf irgendwo hoch oben in den Wolken schwebt. Er schläft zu lange? Nein, er doch nicht! Er ist ein Chaot? Pfft, so ein Blödsinn! Liebe macht anfangs nämlich wirklich blind. Das Erwachen gestaltet sich dafür umso „interessanter.“ Eigentlich bin ich rückblickend doch froh, dass das alles vorbei ist.

2: Das Wort „eklig“ bekommt eine neue Bedeutung


Ja, es stimmt. Paare, die lange zusammen sind, finden nur noch wenige – bis gar keine – Dinge eklig aneinander. (Vielleicht ein Grund, warum auch das Sexleben nicht mehr so spannend ist?) Seien das gemeinsame Badezimmeraufenthalte, Fußmassagen mit "Duftnote", das gegenseitige Ausdrücken von Mitessern oder sonstiger Austausch von Gerüchen und Körperflüssigkeiten (siehe dazu: 8 eklige Dinge im Bett, über die wir alle lachen können) – wir kennen sie alle. Aber das ist ja schließlich auch was wir uns wünschen, oder? Denn wer sein „Zuhause“ beim Partner sucht, wird es definitiv auch finden – versprochen! Man muss halt auch wissen, dass das aufregende Sexleben nicht von alleine wiederkommt, sondern dass man dafür auch mal was Neues ausprobieren muss.

3: Beziehungen sind harte Arbeit


Es wird vielleicht manche verwundern, aber viele Beziehungen halten nur, weil gerade das Timing passt. Und dazu gehören eben auch ganz pragmatische Dinge wie die finanzielle Situation, eine eigene Wohnung (Rückzugsort!) und dass man gerade auch wirklich Zeit füreinander hat. So können Beziehungen sich ganz langsam entfalten und haben keinen Druck von außen. Das hängt natürlich auch vom Alter ab. In meinem Fall hatten wir Glück, dass wir uns früh kennengelernt haben. Rückblickend war das vielleicht auch nicht so gut, schließlich hat man oft das Gefühl, etwas zu „verpassen“, aber es hat ja auch was Schönes, sich gemeinsam zu entfalten und viele Dinge zum ersten Mal gemeinsam zu erleben, aneinander zu wachsen und sich gegenseitig zu prägen. Okay, das klingt ein wenig kitschig. Aber wir wissen alle: niemand verleugnet die Realität so gut wie Paare, die lange zusammen sind. Was folgende zwei Dinge umso wichtiger macht: Kommunikation und Kompromisse. Denn Beziehungen sind wirklich harte Arbeit. Wenn einem etwas daran liegt, dass sie halten, sollte man sich auf den anderen einlassen können. Nichts fällt vom Himmel, schon gar nicht eine langjährige Partnerschaft. Und mit Kompromissen ist nicht gemeint, dass man sich selbst aufgibt – denn das sollte man auf keinen Fall tun. Sondern einfach, dass man vielleicht doch zweimal darüber nachdenkt, ob man jetzt grundlos an die Decke geht oder nicht.

Weiter geht's auf Seite 2 mit der Frage: "Wo ist dein Freund?" und warum es die große Liebe nicht gibt.

4: Die Frage „Wo ist dein Freund?“ nervt irgendwann gewaltig


Ja, ich habe einen Freund – aber das heißt nicht, dass ich nicht ICH bin. Ein EIGENständiger Mensch. Daher nervt die Frage: „Bist du ganz alleine da? Wo ist dein Freund?“ gewaltig. Man stelle sich vor, Frauen definieren sich nicht ausschließlich über ihre Beziehung und können sogar alleine außer Haus gehen. Wow! Frauen bekommen diese Frage definitiv häufiger gestellt als Männer. Schließlich brauchen Frauen ja auch ein männliches Gegenstück, um als vollwertige Person zu gelten (Achtung, Sarkasmus). Für manche mag das ja in Ordnung sein, aber mir graust vor der Vorstellung, dass Paare zu einem klebrigen, nicht auseinanderzuhaltenden Etwas zusammenwachsen, das sich keine zwei Zentimeter voneinander entfernen kann ohne winselnd „Schatzi!“ zu rufen. Das mit den Kosenamen ist sowieso so eine Sache – irgendwie nehmen wir unseren PartnerInnen damit ein Stück ihrer Persönlichkeit weg, wenn wir sie gar nicht mehr beim Vornamen ansprechen. Deshalb versuche ich die „Schatzis“, „Hasis“ und „Mausis“ so oft wie möglich zu vermeiden. Aber das ist vielleicht auch nur Geschmackssache.

5: Der harte Kampf zurück ins soziale Leben


Manchen Paaren fällt es tatsächlich schwer, ihre Komfortzonen zu verlassen und sie entscheiden sich dann doch für das gemütliche Zuhause-am-Sofa-Abendprogramm. Mir aber fiel es immer schwer, zuhause zu bleiben. Deshalb war ich umso überraschter, als plötzlich alle davon ausgingen, ich würde kein soziales Leben mehr brauchen, weil ich ja jetzt „eh in einer Beziehung“ bin. Das führte dazu, dass ich nicht mehr zu Partys eingeladen wurde und seitens mancher Freunde plötzlich Funkstille herrschte. Wie bereits vorhin erwähnt: in einer Beziehung zu sein, bedeutet NICHT auf einem Luftschloss fernab jeglicher sozialer Realität zu wohnen, sich nur noch gegenseitig an den Ohren zu knabbern, während man Chips-essend auf dem Sofa lümmelt und sich dabei den Nacken massiert. (Absolute Horrorvorstellung, übrigens.) Also, liebe Menschen, die alle, die „in einer Beziehung sind“, gleich mal aus dem Telefonbuch streichen: tut es nicht! Sie brauchen euch! Schließlich wird man ja wahnsinnig, wenn man die ganze Zeit mit nur einem Menschen verbringt – und dieser gleichzeitig Freunde, Eltern und Geschwister ersetzen soll.

6: Die Erwartungen ja nicht zu hoch schrauben


Das ist wohl der wichtigste Punkt, der mir sicherlich viel Kummer erspart hätte, hätte ich ihn schon in jüngeren Jahren gewusst. Die Sache mit den „Seelenverwandten“ und der „großen Liebe“ mag ja in Filmen ganz gut funktionieren, mit der Realität hat sie aber rein gar nichts zu tun. Statt also hechelnd irgendeiner Hollywood-Vorstellung von Liebe hinterherzurennen, sollte man sich lieber mal darauf besinnen, was man hat und sagen: „Hey, eigentlich bin ich glücklich.“ Sei das als Single, in einer monogamen Beziehung oder auch in einer offenen Beziehung. Egal für welche Liebensart man sich entscheidet: wenn wir wissen, dass wir zufrieden sind, uns wohlfühlen und mit dieser Entscheidung selbstbewusst durchs Leben gehen, kann uns alles andere herzlich egal sein. Denn mit der „großen Liebe“ ist es wie mit dem Christkind: es gibt sie einfach nicht. Es gibt vielleicht manche Menschen im Leben, mit denen man sich außerordentlich gut versteht, oder meinetwegen auch jemanden, mit dem es besonders gut klappt, aber das heißt nicht, dass zu keiner Zeit, in einem anderen Land, auf einem anderen Planeten, jemand ist, mit dem das nicht genauso gut klappen könnte. Nur halt auf eine andere Art und Weise. Denn: jeder Mensch und somit jede Beziehung ist einzigartig. Und wenn wir diesen Menschen, für den wir uns entschieden haben, in seiner oder ihrer Einzigartigkeit akzeptieren, auch zusammen wir selbst bleiben und gegenseitig voneinander lernen, dann können wir es wohl „Liebe“ nennen.

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