6 blöde Aussagen über Gehaltsunterschiede, die einfach nicht stimmen

Frauen verdienen eigentlich eh gleich viel wie Männer? Jaja, wir kennen alle Ausreden und Behauptungen über den "nicht-existenten" Gender-Pay-Gap zwischen Frauen und Männern und haben sie einmal unter die Lupe genommen.

Rüstet euch für die nächste Stammtisch-Debatte über den Gender-Pay-Gap, denn eines ist sicher: Sie wird kommen! Mit jeder Menge Falschaussagen und unwahren Behauptungen über Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern.

Wir haben uns einmal Behauptungen und Fakten angesehen. Und die sind eindeutig.

1. "Im europäischen Vergleich steht Österreich eh gut da."

In Österreich liegt der Gender Pay Gap laut Statistik Austria derzeit bei 20,1 Prozent. Im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zählt Österreich damit zu den Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden.

Nur in vier Ländern ist der Unterschied noch größer, am höchsten derzeit in Estland mit 25,3 Prozent. Zum Vergleich: Das Land mit dem geringsten Lohn-Unterschied, Rumänien, hält bei einem Prozentunterschied von 5,2 Prozent.

Gender Pay Gap Länder

2. "Frauen fragen nicht oft genug nach einer Gehaltserhöhung"

Dieses Argument wird nur allzu gerne gebracht. Frauen, diese fragilen und schüchternen Wesen, trauen sich einfach nicht so oft nach einer Gehaltserhöhung zu fragen wie Männer.

Selbst Schuld also? Naja, nicht wirklich. Das bestätigt nun auch eine Studie der University of Wisconsin und der University of Warwick. Laut ihrer Auswertung von 4.600 Angestellten und mehr als 800 australischen ArbeitgeberInnen kommen sie zu dem Schluss, dass Frauen genauso häufig nach einer Gehaltserhöhung fragen wie Männer. Der einzige Unterschied: Ihnen wird diese seltener zugestanden. Denn obwohl Frauen und Männer gleichermaßen nach mehr Geld fragen, haben Männer eine um 25 Prozent höhere Chance, dieses auch zu bekommen, so die StudienautorInnen.

3. "Der Unterschied ist dadurch erklärbar, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen arbeiten"

Richtig, Frauen entscheiden sich immer noch oft für Berufe, die im Gegensatz zu beispielsweise technischen Berufen, schlechter bezahlt sind.

Erklärt das den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen? Nein, sagt die Statistik Austria.

Demnach kann nur ein Teil der Prozentpunkte des Gender Pay Gaps auf Faktoren wie schlechter bezahlte Dienstleistungsberufe und die Arbeit in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten zurückgeführt werden. Der Rest (und weit größere Anteil), kann nicht durch diese Merkmale erklärt werden, die Statistik Austria bezeichnet diesen Teil als "unerklärter Anteil" (im Jahr 2014 immerhin 13,6 Prozentpunkte, siehe Bild).

Gender Pay Gap

4. "Der Unterschied wäre nicht so groß, wenn Frauen weniger Teilzeit arbeiten würden"

Stimmt. Im Grunde sind Frauen ja einfach faul und verrichten in ihrer Freizeit lieber 80 Prozent der unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt und kümmern sich um die Kinderbetreuung. Frauen arbeiten laut einer OECD-Studie somit viermal so viel wie Männer und selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, wenden Frauen mehr Zeit fürs Putzen, Kochen und Wäschewaschen auf.

Meist sind Eltern (und damit eben noch häufig die Mütter) gezwungen die Kinderbetreuung zu übernehmen, da es in Österreich weiterhin keine entsprechenden (und ausreichenden) Rahmenbedingungen gibt.

Wären in Österreich genügend Betreuungsplätze vorhanden, wären weniger Frauen gezwungen Teilzeit-Jobs anzunehmen.

Der Faktor der Teilzeitarbeit ist übrigens nicht im Gender Pay Gap miteinberechnet. Würde man die Teilzeit-Arbeit von Frauen ebenfalls berücksichtigen, würde der Gehalts-Unterschied zwischen Frauen und Männern sogar bei 40 Prozent liegen, rechnet kontrast-blog.at vor.

5. "Es arbeiten mittlerweile doch schon viel mehr Frauen in Führungspositionen. Man muss dem Ganzen einfach nur Zeit geben."

Schön wärs. Das kürzlich erschienene Mixed Leadership Barometer der Beraterfirma Ernst&Young errechnete, dass es keinen Anstieg des Frauenanteils in Vorständen börsennotierter Unternehmen in Österreich im letzten Jahr gab. Weiterhin liegt der prozentuelle Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder in Österreichs börsennotierten Unternehmen bei mickrigen 4,8 Prozent. Das sind sogar 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

An fehlender Qualifikation kann der Mangel an Führungskräften übrigens auch nicht liegen. Mittlerweile schließen deutlich mehr Frauen als Männer ein Studium an Österreichs Universitäten ab. Der Frauenanteil der Uni-AbsolventInnen in Österreich lag 2014 bereits bei 61,4 Prozent, wie derstandard.at berichtet.

Christa Kirchmair,Equal Pay Day-Beauftragte des überparteilichen Netzwerks "Business and Professional Women (kurz BPW) Austria" kritisiert diesen Zustand seit Jahren: „Hier zeigen sich deutlich die Versäumnisse der Politik – etwa bei der Einkommenstransparenz. Um die Lohnschere zu schließen, braucht es aber auch ein gesellschaftliches Umdenken und einen Kulturwandel in den Unternehmen. Die faire Bezahlung von Frauen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, Unternehmen können von der Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt nur profitieren“, so Kirchmair in einer Aussendung.

6. "Der Gender Pay Gap ist eine Erfindung unzufriedener Feministinnen."

Ja, die Erde ist eine Scheibe und Donald Trump respektiert Frauen.

Laut dem WEF - World Economic Forum gibt es auf der Welt kein Land, in dem Frauen gleichviel wie Männer verdienen. Laut ihrer Berechnungen würde es bei der jetzigen Verbesserungsrate noch 81 Jahre dauern bis Männer und Frauen gleichviel verdienen.

Über den Equal Pay Day

Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen in Österreich schließt sich nur langsam: 2018 fiel der Equal Pay Day auf den 27. Februar, in diesem Jahr ist es der 26. Februar. Bis zu diesem Tag – also ganze 57 Tage – arbeiten ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen 2019 unbezahlt, um denselben Lohn wie Männer zu erhalten. „Wir haben die internationale Initiative des Equal Pay Days 2009 nach Österreich geholt. In diesen zehn Jahren ist der Equal Pay Day vom 14. April vor auf den 26. Februar gewandert – das ist eindeutig zu wenig. Wir können die Lohndiskriminierung von Frauen nicht einfach hinnehmen“, erklärt Christa Kirchmair von Business and Professional Women. BPW ist das größte internationale Netzwerk für berufstätige Frauen mit Mitgliedern in über 90 Nationen weltweit.Österreich war im Jahr 1930 als Gründungsmitglied in Genf maßgeblich beteiligt und vereint heute in BPW Austria österreichweit mehr als 10 Clubs mit über 300 Frauen.

WIENERIN-Bullshit Bingo zum "Equal Pay Day"

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