6 blöde Aussagen über Gehaltsunterschiede, die einfach nicht stimmen

Frauen verdienen eigentlich eh gleich viel wie Männer. Jaja, wir kennen alle Ausreden und Behauptungen über den "nicht-existenten" Gender-Pay-Gap zwischen Frauen und Männern und haben sie einmal unter die Lupe genommen.

Rüstet euch für die nächste Stammtisch-Debatte über den Gender-Pay-Gap, denn eines ist sicher: Sie wird kommen! Mit jeder Menge Falschaussagen und unwahren Behauptungen über Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern (die es - nüchtern betrachtet - ja eh nicht gibt).

Wir haben uns einmal Behauptungen und Fakten angesehen. Und die sind eindeutig.

1. Im europäischen Vergleich steht Österreich eh gut da.

"In Österreich lag der Gender Pay Gap 2010 bei 24,0%. Im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zählt Österreich damit zu den Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden." schreibt die Statistik Austria in ihrer aktuellen Gender-Statisitk.

Nur in Estland ist der Anteil mit 27,7 Prozent noch größer. Zum Vergleich: Das Land mit dem geringsten Lohn-Unterschied, Slowenien, hält bei einem Prozentunterschied von 0,9 Prozent.

2. Frauen fragen nicht oft genug nach einer Gehaltserhöhung

Dieses Argument wird nur allzu gerne gebracht. Frauen, diese fragilen und schüchternen Wesen, trauen sich einfach nicht so oft nach einer Gehaltserhöhung zu fragen, wie Männer.

Selber Schuld also? Naja, nicht wirklich. Das bestätigt nun auch eine Studie der University of Wisconsin und der University of Warwick. Laut ihrer Auswertung von 4.600 Angestellten und mehr als 800 australischen Arbeitgebern, kommen sie zu dem Schluss, dass Frauen genauso häufig nach einer Gehaltserhöhung fragen wie Männer.
Der einzige Unterschied: Ihnen wird diese seltener zugestanden. Denn obwohl Frauen und Männer gleichermaßen nach mehr Geld fragen, haben Männer eine um 25 Prozent höhere Chance, dieses auch zu bekommen, so die Studienautoren.

Mehr lesen: Warum Frauen nicht daran schuld sind, dass sie weniger verdienen

3. Der Unterschied ist dadurch erklärbar, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen arbeiten

Richtig, Frauen entscheiden sich immer noch oft für Berufe, die im Gegensatz zu beispielsweise technischen Berufen, schlechter bezahlt sind.

Erklärt das den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen? Nein, sagt die Statistik Austria in ihrer Gender Studie.

Demnach könnten lediglich 9,1 Prozentpunkte des Gender Pay Gaps auf Faktoren wie schlechter bezahlte Dienstleistungsberufe und die Arbeit in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten zurückgeführt werden. Der Rest (und weit größere Anteil), nämlich 14,9 Prozent, kann dagegen nicht durch diese Merkmale erklärt werden.

4. Der Unterschied wäre nicht so groß, wenn Frauen weniger Teilzeit arbeiten würden

Stimmt. Im Grunde sind Frauen ja einfach faul und verrichten in ihrer Freizeit lieber 80 Prozent der unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt und kümmern sich um die Kinderbetreuung. Frauen arbeiten laut einer OECD-Studie somit viermal so viel wie Männer und selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, wenden Frauen mehr Zeit fürs Putzen, Kochen und Wäschewaschen auf.

Meist sind Frauen gezwungen die Kinderbetreuung zu übernehmen, da es in Österreich weiterhin keine entsprechenden (und ausreichenden) Rahmenbedingungen gibt. Das kritisiert selbst Bundeskanzler Christian Kern in einem Statement zum Equal Pay Day.

Wären in Österreich genügend Betreuungsplätze vorhanden, wären weniger Frauen gezwungen Teilzeit-Jobs anzunehmen.

Der Faktor der Teilzeitarbeit ist übrigens nicht im Gender Pay Gap miteinberechnet.

Würde man die Teilzeit-Arbeit von Frauen ebenfalls berücksichtigen, würde der Gehalts-Unterschied zwischen Frauen und Männern sogar bei 40 Prozent liegen, rechnet kontrast-blog.at vor.

5. Es arbeiten mittlerweile doch schon viel mehr Frauen in Führungspositionen. Man muss dem Ganzen einfach nur Zeit geben.

Schön wärs. Das erst kürzlich erschienene Mixed Leadership Barometer der Beraterfirma Ernst&Young errechnete, dass es keinen Anstieg des Frauenanteils in Vorständen börsennotierter Unternehmen in Österreich im letzten Jahr gab. Weiterhin liegt der prozentuelle Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder in Österreichs börsennotierten Unternehmen bei mikrigen 4,6 Prozent. Das sind zwar 0,1% mehr als im Vorjahr (4,5%) - dieser Zuwachs ist allerdings nicht auf eine größere Zahl von Frauen, sondern auf eine geringere Zahl an Vorstandsposten – vier fielen im letzten Jahr weg – zurückzuführen.

Mehr dazu: Nur vier Prozent Frauen in der Chefetage: „Weiter Weg bis zur Gleichberechtigung“

An fehlender Qualifikation kann der Mangel an Führungskräften übrigens auch nicht liegen. Mittlerweile schließen deutlich mehr Frauen als Männer ein Studium an Österreichs Universitäten ab. Der Frauenanteil der Uni-AbsolventInnen in Österreich lag 2014 bereits bei 61,4 Prozent, wie derstandard.at berichtet.

6. Der Gender Pay Gap ist eine Erfindung unzufriedener Feministinnen.

Ja, die Erde ist eine Scheibe und Donald Trump respektiert Frauen.

Laut dem WEF - World Economic Forum gibt es auf der Welt kein Land in dem Frauen gleichviel wie Männer verdienen. Laut ihrer Berechnungen würde es bei der jetzigen Verbesserungsrate noch 81 Jahre dauern, bis Männer und Frauen gleichviel verdienen.

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