6 Anzeichen, dass dein Partner dich manipuliert

Manipulative Partner wissen, wie sie es schaffen, dass du dir selbst nicht mehr traust. Das kann schneller gehen, als du glaubst. Und vor allem: bis du es bemerkst.

Wenn du eines oder mehrere der folgenden Muster aus deiner Beziehung kennst, bist du kein/e schlechte/r PartnerIn. Du wurdest aber offenbar so weit manipuliert, dass du glaubst, es zu sein. Wenn du dich selbst in einer solchen Position wiederfindest, kann dir diese Liste als erster Schritt hoffentlich weiterhelfen: indem sie dir eine Erklärung für die ständige Unzufriedenheit und den Ärger gibt, den du im Bauch hast. Und dir bis jetzt nicht erklären konntest.

1. Konflikte fühlen sich nie wirklich gelöst an

Wenn Streits aus den vergangenen Tagen, Wochen oder sogar Monaten dich immer noch beschäftigen, obwohl du sie mit deinem Partner oder deiner Partnerin diskutiert hast, dann ist es möglich, dass dir glauben gemacht wurde, das Thema wäre aus der Welt geschafft - dabei ist es das für dich offenbar keineswegs.
Eine häufige Methode: Du sprichst etwas an, das dich am Verhalten des anderen Menschen stört, und dein Gegenüber erklärt dir, dass du es aus dem falschen Blickwinkel betrachtest. Und dass aus dem richtigen, also seinem, die Schuld eigentlich bei dir selbst liegt. Daraufhin bekommst du ein schlechtes Gewissen, weil du das nicht gleich so gesehen hast. Am Ende der Diskussion musst du an dir arbeiten, weil du überreagiert hast oder überzogene Erwartungen hast.

Jemandem dieses Gefühl zu geben, nennt man Gaslighting. Es geht soweit, dass man Streits - egal, wie groß die Verletzung bei einem selbst ist - vermeidet, um den anderen nicht zu verärgern.

In einer gesunden Beziehung hört dir dein Partner oder deine Partnerin zu, wenn dich etwas aufregt. Und sein oder ihr Ziel ist es, eine gemeinsame Lösung für das Problem zu finden. Und nicht zu diskutieren, ob es überhaupt legitim ist, sich darüber aufzuregen.

2. Wenn deine Partnerin/dein Partner dich verletzt, bist du am Schluss diejenige, die sich entschuldigt

Wenn du wiederholt dahingehend manipuliert wirst, zu glauben, dass deine Gefühle falsch sind, wirst du dich schnell schuldig dafür fühlen, sie überhaupt zu haben. Gespräche fangen dann damit an, dass du darauf aufmerksam machst, dass der andere deine Gefühle verletzt hat, und enden damit, dass du dich dafür entschuldigst, dich überhaupt verletzt gefühlt zu haben.

Ein Beispiel: Der oder die andere reagiert mit einem "Das Leben ist zu kurz, um wütend zu sein, warum können wir nicht einfach diesen schönen Tag miteinander genießen?" - und prompt bist du die Böse, weil du es gewagt hast, diesen schönen Tag mit einem Streit anzupatzen. Und genauso fühlst du dich auch.

Wenn du angefangen hast, zu glauben, dass du deinen eigenen Gefühlen nicht trauen kannst, sogar bis zu dem Punkt, dass du dich für sie entschuldigst (weil man dir oft gesagt hat, du wärst übersensibel oder irrational oder würdest übertreiben), dann kann das ebenfalls ein Zeichen für Gaslighting sein.

3. Du hast Dinge getan, die dir unangenehm waren, um den nächsten Streit zu vermeiden

Manipulation tritt auf, wenn dich jemand aus deiner Komfortzone zwingt. Und da sprechen wir nicht von einem spontanen Trip oder davon, neues Essen auszuprobieren. Hier geht es um das Überschreiten von körperlichen, emotionalen oder auch finanziellen Grenzen.

Manipulative PartnerInnen wissen, wie sie andere dazu bringen, zu glauben, dass die eigenen Grenzen und Komfortzonen keine Gültigkeit hätten.
Dass sie unverständlich, unlogisch wären und das Respektieren dieser Grenzen dem Nicht Respektieren seiner oder ihrer Grenzen gleich käme.

Ein Beispiel: Du bestehst darauf, dass er oder sie sich auf Geschlechtskrankheiten testen lässt, bevor ihr ungeschützten Sex habt. Dein/e PartnerIn meint anfangs, er oder sie würde einen Termin ausmachen. Über Monate passiert nichts und du musst das für dich wichtige Thema immer wieder ansprechen - was dich in seinen oder ihren Augen zur nervenden Partnerin macht. Irgendwann hörst du die Ausrede von großer Angst vorm Arzttermin, dem unangenehmen Kondom und dass ja eh nichts sein könnte, weil die bisherigen PartnerInnen bestimmt alle gesund waren. So lange, bis du nachgibst. Weil du seine/ihre Gefühle in Sachen Arzttermin oder Kondomen respektieren willst. Damit er nicht aus seiner Komfortzone muss.

4. Du hast das Gefühl, dass du deine/n Partner/in gar nicht verdient hast

Wenn dir jemand das Gefühl gibst, du wärst der Grund für jeden Streit und dass es deine Entscheidung wäre, zu glauben, dass deine Gefühle verletzt werden, dann wirst du vielleicht bald glauben, dass du die andere Person gar nicht verdienst. Dass du mit deinem ständigen Kritisieren sowieso jede/n zukünftige/n PartnerIn vertreiben würdest. Und wie toll der/die andere ist, weil er oder sie dich trotzdem liebt und dir hilft, die Dinge wieder richtig zu sehen.
Du versuchst also ständig, zu beweisen, dass du ihn oder sie doch verdienst. Und überschreitest immer weiter deine Grenzen.

5. Du bekommst keine klare Antwort auf deine Fragen

Stellen wir uns ein TV-Interview mit einem Politiker oder einer Politikerin vor: Er oder sie wird auf die Frage, sofern sie unangenehm ist, nicht eingehen, sondern das Thema wechseln und so lange darüber sprechen, bis alle, ModeratorIn bis Publikum, vergessen haben, was die eigentliche Frage war.

So ungut kann das auch in einer Beziehung ablaufen: Du sprichst ein Problem an und als Reaktion bekommst du eine Erzählung über etwas komplett Anderes oder nicht Relevantes. Es wird dich in den Wahnsinn treiben. Und die Wut im Bauch wird größer.
Manipulative Menschen tun das: Anstatt sich Konfrontationen oder Kritik zu stellen, lenken sie die Aufmerksamkeit um. Vielleicht sogar mit einer emotionalen Geschichte, nach der wiederum du dich schlecht fühlst, weil du das Thema angesprochen hast.

6. Du fühlst dich wie zwei verschiedene Persönlichkeiten

In der einen Minute beschwerst du dich bei Freundinnen und Familie über deine/n PartnerIn. In der nächsten verteidigst du sie oder ihn gegen ihre Beschwörungen, dass dieser Mensch nicht gut für dich ist. Eben hast du dir noch geschworen, dich zu ändern und deine Erwartungen anzupassen, um kurz darauf wütend zu werden, weil er eben diese Erwartungen nicht erfüllt.

Du fühlst dich wie eine gespaltene Persönlichkeit, die ständig die Seiten wechselt. Deine Gedanken sind komplett durcheinander und du findest keinen Ausweg.

Dein Anker: Freundinnen und Familie. Am Ende ist es nämlich unmöglich, beide Rollen zu spielen. Und sie werden dich daran erinnern, welche Version wirklich du bist.

 

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