5 wissenschaftliche Fakten über Bisexualität

Bisexualität ist eine stark missverstandene Form der Sexualität. Der Sozialpsychologe und Sexualforscher Justin Lehmiller räumt mit den Mythen auf.

Es gibt eine Menge Mythen über Bisexualität, schreibt der Psychologe und Sexualforscher Justin Lehmiller. Er fasst die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um diese Form der Sexualität zusammen:

1: Bisexualität ist real

Bisexuell zu sein, bedeutet nicht schwul oder lesbisch zu sein. Viele Menschen verweigern die Existenz von Bisexualität und nehmen gleich an, dass jeder und jede, die sich damit identifizieren "heimlich" homosexuell sind. (Siehe etwa das Interview mit Sexualforscherin Jane Ward über Männer, die Sex miteinander haben.) Diverse Studien beweisen, dass Bisexualität ein von Homosexualität klar unterscheidbares Muster beim sexuellen Interesse und der sexuellen Erregung hat. In einer Studie wurden den TeilnehmerInnen Fotos von Frauen und Männern gezeigt, während die ForscherInnen gemessen haben, wie lange sie sich die Fotos angesehen haben. Das Ergebnis: bisexuelle Menschen haben sich die Fotos beider Geschlechter genauso lang angesehen, während Homosexuelle eine klare Präferenz für eines davon hatten. Andere Studien zeigten, dass bisexuelle Männer eine hohe Erregung in Bezug auf beide Geschlechter zeigen, während homosexuelle Männer nur an Männern interessiert sind.

2: Frauen identifizieren sich öfter als bisexuell

Frauen geben öfter an, bisexuell zu sein als Männer. Mehrere nationale Umfragen in den USA haben gezeigt, dass sich mehr Frauen als Männer mit dieser Form der Sexualität identifizieren. 2,6 Prozent der Männer gaben laut "National Survey of Sexual Health and Behavior" an, bisexuell zu sein - und standen damit 3,6 Prozent Frauen gegenüber. Andere Studien fanden viel größere Unterschiede. Der Sexualforscher Justin Lehmiller erklärt sich das mit der größeren sozialen Akzeptanz der weiblichen Sexualität in allen Facetten. Er fügt außerdem hinzu, dass die Zahl der Bisexuellen stetig steigt. Das heißt: immer mehr Menschen trauen sich, ihre sexuelle Identität offen zu leben.

3: Bisexuelle sind mit vielen Vorurteilen konfrontiert

Sowohl von hetero- als auch homosexuellen Menschen sind Bisexuelle mit vielen Vorurteilen konfrontiert - vor allem bisexuelle Männer. Ihnen wird oft gesagt, dass sie sexuell bloß "verwirrt" seien und dass sie zu viele SexpartnerInnen haben. Sowohl Homosexuelle als auch Heterosexuelle geben wenig Interesse an einer romantischen Beziehung mit Bisexuellen.

4: Bisexuelle haben einen höheren Sexualtrieb

Eines der gängigsten Vorurteile über Bisexuelle ist, dass sie automatisch mehr Lust auf Sex haben. Eine im Jahr 2007 im "Archives of Sexual Behavior" veröffentlichte Studie untersuchte 200.000 TeilnehmerInnen, die sich als bisexuell bezeichneten, auf ihren Sexualtrieb hin. Das Ergebnis: Bisexuelle haben einen genauso hohen Sexualtrieb wie jeder und jede andere.

5: Sie fühlen sich in gleichem Maße zu beiden Geschlechtern angezogen

Bisexuell zu sein, bedeutet nicht, dass man sich in gleichem Maße zu Männern und Frauen angezogen fühlt. Das heißt: die Anziehung muss nicht gleich groß sein. Die Forschung hat herausgefunden, dass bisexuelle Männer mehr Erregung gegenüber einem Geschlecht zeigen können - manche fühlen sich also mehr zu Männern, andere mehr zu Frauen hingezogen. Manche zeigen aber auch das gleiche Interesse an beiden Geschlechtern - dennoch ist diese Tatsche nicht essentiell, um bisexuell zu sein.

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