5 Tipps, wie Sie Kinder ohne Rollenklischees erziehen

Alles rosa und hellblau? Nein, danke! Das Buch „Die Rosa-Hell-Blau-Falle“ will eine Kindheit ohne Rollenklischees – und zeigt, wie’s geht.

Rosa ist für Mädchen, Hellblau für Jungs - nach diesem Prinzip sind ganze Kaufhausabteilungen geordnet. Als Elternteil ist es oft schwierig, sich der Rosa-Hellblau-Falle zu entziehen und Kinder einfach zu erziehen, ohne in Rollenklischees zu fallen. Almut Schnerring und Sascha Verlan, selbst Eltern von drei Kindern, beschäftigen sich in ihrem Buch mit den Rollenklischees, die derzeit wieder fröhlich ins Kraut schießen, eine ganze Produktindustrie am Leben halten und sich zunehmend in den Köpfen der Betroffenen festsetzen. Wie würden unsere Kinder aufwachsen, wenn die Klischeefallen und Schubladen nicht immer wieder bedient würden?

Wir haben die besten Tipps aus dem Buch zusammengefasst:

1: Seht eure Kinder als das, was sie sind


„Um den Interessen unserer Töchter und Söhne gerecht zu werden, könnten wir versuchen, ihre Eigenschaften als individuelle Eigenschaften wahrzunehmen.“ Und das bedeutet: unabhängig von ihrem Geschlecht. Warum überhaupt von „typisch Junge“, „typisch Mädchen“ sprechen, warum nicht „typisch Jan“, „typisch Louise“ und „typisch Fritzi“, fragen sich die AutorInnen. Man sollte auf seine Kinder eingehen, ohne sie in ein Rollenbild zu zwängen. „Machen wir uns bewusst, dass eine Fähigkeit, eine Verhaltensweise, ein Gefühl, ein Interesse nicht ›weiblich‹ oder ›männlich‹ ist, sondern dass sie alle bloß weiblich oder männlich konnotiert sind.“ Ein technisch interessiertes Mädchen muss mit der gleichen Vehemenz gefördert werden wie ein Junge, der sich für Technik interessiert.

2: Sich selbst hinterfragen


„Eine geschlechtergerechte Erziehung setzt voraus, dass wir immer wieder über unser eigenes Handeln und Sprechen nachdenken, uns selbst immer wieder infrage stellen, um uns dann beim nächsten Mal vielleicht sensibler zu verhalten“, schreiben die AutorInnen. Das heißt: wir müssen zuerst bei uns selbst ansetzen und hinterfragen, welche Rollen wir unseren Kindern eigentlich vorleben. Ist es immer die Mama, die tröstet und weiß, welche Schuhgröße das Kind hat? Immer noch erledigen Frauen 80 Prozent der Fürsorge- und Hausarbeit. Aus diesem Grund wurde auch der Equal Care Day begangen. Die Rollenverteilung der Eltern hat große Auswirkungen auf die Kinder und wie sie die Welt der Geschlechter wahrnehmen.

3: Mädchen ermuntern, stark zu sein


Nachdem wir in einer Welt leben, die vor allem Buben sagt, dass sie stark sind, sollten wir auhc unseren Mädchen zeigen: Ihr seid stark! „Mädchen darin ermuntern, sich durchzusetzen, Raum einzunehmen, sich auch mal heftiger zu verteidigen. Und Jungen darin bestärken, fürsorglich zu sein, sich zu kümmern, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.“ Die Gesellschaft redet Mädchen ohnehin ein, dass sie nicht gut in Mathe sind und Jungs, dass sie nicht weinen dürfen – und Eltern sollten das auf keinen Fall bestärken.

4: Rosa und Hellblau verbannen


„Die Rosa-Hellblau-Falle steht schon bereit, noch bevor ein Kind überhaupt geboren ist“ schreiben die AutorInnen. „In der Schwangerschaft folgt dann auf die erste harmlose Frage »Wann ist es denn so weit?« gleich die häufigste: »Was wird es denn?« Und noch bevor das Kind auf der Welt ist, erfahren werdende Eltern, dass Mädchen der Mutter die Schönheit rauben und viele Tritte oder ein spitzer Bauch auf einen Jungen hinweisen.“ Wie man sich dem entzieht? Vielleicht einfach mal sagen: „Es wird ein Mensch.“ Und bei der Kinderzimmerfarbe auf etwas Neutrales zu setzen. Dazu gehört auch, die eigenen Erwartungshaltungen zu hinterfragen.

Doch auch nach der Geburt wird es nicht einfacher. Ja – es ist manchmal schwer, Kindern ihren Wunsch nach dem blauen Roboter oder der rosa Prinzessin zu verwehren. Doch Kinder sollen nicht ausbaden müssen, was die Marketingindustrie ihnen suggeriert. Und wer bei seiner geschlechtergerechten Erziehung konsequent sein will, muss andere Wege finden und Alternativen anbieten können. Etwas länger zu zögern beim Einkauf, auch den Fernsehkonsum mit den Kindern zu besprechen und ihnen bewusst zu machen, dass Rosa keine Mädchenfarbe ist und Blau nichts mit Stärke zu tun – das sind kleine Schritte, die enorm helfen können.

5: Kindern zeigen, wer wir wirklich sind


„Anstatt uns Gedanken zu machen, wie wir unseren Kinder beibringen könnten, was ein Mann und was eine Frau ist, zeigen wir ihnen doch einfach, wer wir selbst sind. Wenn wir ungeduldig, ehrlich, laut, schusselig, albern, streng, fair oder sanft sind, dann ist das Ausdruck unserer eigenen, ganz persönlichen Identität und nicht die des eigenen oder des anderen Geschlechts“, schreiben die AutorInnen zum Schluss. Denn: Väter, die sich um ihre Kinder kümmern und fürsorglich sind, zeigen nicht ihre „weibliche“ Seite – sondern ihre menschliche Seite und ihre Persönlichkeit. Erst, wenn wir diese Rollenbilder in unserer Erziehung ablegen, können wir Kinder geschlechtergerecht erziehen.

Denn: „Die Rollenklischees der Kinderwelt infrage zu stellen, ist kein Nischenthema für überambitionierte Eltern, sondern die Voraussetzung für ein gleichwertiges Miteinander aller.“

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