5 Gründe unbedingt aufs Fahrrad umzusteigen

Stadtleute entdecken das Radfahren wieder. Und machen dabei auch die "Erfahrung“, dass sie nicht möglichst schnell und möglichst ausgepowert ankommen wollen. Im Gegenteil: Es geht ihnen um gute Laune, um Stil und um eine lebenswertere City. Falls Ihnen fürs Umsteigen noch die Motivation fehlt: Wir helfen Ihnen hier nach!

Fahrradfahren ist chic. So wie schon Brillen - einst ungeliebte Sehhilfen - zum Modeaccessoire aufgestiegen sind und gar mit Fensterglas getragen werden, wird nun das Fahrrad (wieder-)entdeckt. Entfacht hat den Hype der Blog Cycle Chic von Mikael Colville-Andersen aus der Radfahrermetropole Kopenhagen.

Der Filmemacher fotografiert seit 2007 den dänischen Streetstyle der Radler und stellte ein 10-Punkte-Manifest auf. Eine Forderung darin:

Stil vor Geschwindigkeit!
Mikael Colville-Andersen

Mittlerweile ist daraus eine weltweite Bewegung geworden - mit Blogs aus Ottawa ebenso wie aus

Abgelichtet werden stylishe, auffällige und hübsch gekleidete Menschen am Rad. Tabu sind hingegen Radlerinnen und Radler in Gore-Tex-, Lycra- oder ähnlichem Funktionsgewand.

Nur gut auszusehen reicht Ihnen nicht, um endlich aufs Rad (um-)zusteigen? Dann liefern wir Ihnen fünf weitere Günde:

  • Motivation 1:

    Radeln ist alltagstauglich. Noch immer brauchen wir unsere Muskeln, um radelnd von A nach B zu kommen. Und ja, manchmal macht Radeln dreckig. Doch die Cycle Chic-Bewegung verpasste dem Rad(fahren) eine Imagekorrektur: Heute verbinden wir damit nicht mehr Sport, Schweiß und Extremleistungen, sondern nehmen das Fahrrad als Transportmittel ernst. Denn das impliziert Cycle Chic eben auch: Man steigt in Alltagskleidung (wie gestylt auch immer) auf den Sattel und radelt, ohne aus der Puste zu kommen.


    Dennoch kommt man schneller ans Ziel als andere: Bei Strecken unter fünf Kilometern ist das Fahrrad in der Stadt das schnellste Verkehrsmittel. Außerdem hat eine Studie der Portland State University herausgefunden hat: Von allen Verkehrsteilnehmern sind jene Pendler, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, am glücklichsten


  • Motivation 2:

    Radeln ist gesund. Für gewöhnlich sind wir recht unbeweglich: Im Schnitt gehen wir pro Tag nur 560 Meter zu Fuß. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber empfiehlt rund sieben Kilometer täglich, um gesund zu bleiben.

    Mobiler - und damit nah dran am WHO-Betätigungsideal - sind da Radler:

    "Der Riesenvorteil, das Rad als Fortbewegungsmittel zu nutzen, besteht darin, dass man regelmäßige Bewegung einfach in den Alltag einbauen kann“, sagt Sylvia Titze, Leiterin des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Graz.

Durch das Radfahren werden Lebensmonate gewonnen. Denn Radeln stärkt das Herz-Kreislauf-System, steigert die allgemeine Fitness und kräftigt die Beinmuskulatur. Die Beinbewegung wiederum fördert die Nährstoffversorgung des Knorpels.
Sylvia Titze, Leiterin des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Graz



Weshalb Radeln auch für Menschen mit Übergewicht ideal ist, weil die Knie stoßfrei beansprucht werden. Und während man sich für den Einstieg in Intensivsportarten oft quälen muss, fühlen sich die meisten Menschen schon nach nur zwölf Wochen Alltagsradeln fitter und besser.

  • Motivation 3:

    Radeln tut der Seele gut. Fragt man Radlerinnen und Radler, was sie an ihrer Art der Fortbewegung lieben, wird jede(r) einen anderen Aspekt betonen:

    • "Viele genießen die Nähe zur Natur, die Möglichkeit, während der Fahrt auf Bekannte zu treffen oder zu beobachten, wie sich die Natur im Lauf der Jahreszeiten verändert“, nennt Expertin Titze positive Effekte aufs Wohlbefinden.

    • Wieder andere schätzen es, sich auf dem Rad frei und unabhängig zu fühlen oder schneller zu sein und weiter zu kommen als zu Fuß - bei geringerem Kraftaufwand. "Ein Fahrradfahrer kann die verfügbare Körperenergie für physische Mobilität besser nutzen als der Fußgänger. Mit dem Fahrrad braucht man pro Kilometer nur rund ein Drittel“, schreibt Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher in Zurück zur Mobilität (€ 9,95, Ueberreuter).

    • Für ihr Quäntchen Lebensfreude schauen Radler auch nicht auf die Uhr, weiß Sportwissenschaftlerin Titze: "Wir wissen aus Studien, dass Radfahrer Umwege in Kauf nehmen, um entlang grüner Strecken zu fahren. Und ab 20 Minuten sportlicher Aktivität lässt das Gehirn quälende Gedanken und Sorgen hinter sich.“

  • Motivation 4:

    Radeln verändert die Stadt. Doch der Umstieg aufs Rad ist nicht nur Privatvergnügen: Sie haben es damit in der Hand, die Lebensqualität in Ihrer Stadt zu verändern - Cycle Chic ist nämlich chic und politisch. Mehr Radler bedeuten weniger (krank machender) Lärm. Und: "Je mehr Leute mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto, desto besser wird die Luft“, sagt Titze, "und desto sicherer wird es.“ Warum mehr Radler die beste Sicherheitsmaßnahme sind? Weil Autofahrer dann eher mit ihnen rechnen, sie als Verkehrsteilnehmer akzeptieren und in der Folge auf sie weniger gefährdend reagieren. Eine Studie des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) aus dem Jahr 2010 zeigt: In den vergangenen zehn Jahren ist das Unfallrisiko beim Radfahren um 47 Prozent zurückgegangen.

  • Motivation 5:

    Radeln hat Vorbildcharakter für Kinder. Sieht man mehr Fahrräder im Straßenbild, wird es auch selbstverständlicher für Kinder, das Rad zu nutzen.


    Heutzutage werden diese viel öfter im Auto herumkutschiert als die Kids früherer Generationen und der zunehmende Autoverkehr ermöglicht ihnen viel seltener das ungehinderte Spielen im Freien.
    Die Folgen: Bewegungsunlust und Übergewicht schon im Kindergartenalter. Dabei ergab eine Schoolway.net-Umfrage: 33 Prozent der 10- bis 14-jährigen Kinder in Österreich würden gern mit dem Rad zur Schule fahren, nur elf Prozent tun es auch. Größtes Hindernis: die Sorge der Eltern.


    Dabei können schon Kleinkinder lernen, wie man selbstständig auf dem Rad unterwegs ist: Die Vienna Cycling School etwa bietet für 2-bis 3-Jährige auf (Lauf-)Rädern Eltern-Kind-Kurse an. Früh das Rad zu verwenden hat laut VCÖ einen gesunden Langzeiteffekt: Wer schon den Schulweg geradelt (oder zu Fuß gegangen) ist, wird auch später für kurze Strecken nicht ins Auto steigen.
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