5 Gedanken, die wir uns diesen Sommer nicht mehr machen

Eine globale Gesundheitskatastrophe liegt (hoffentlich bald) hinter uns und hat nicht nur unseren Alltag, sondern auch Denkmuster beeinflusst. Zeit, unsere Unsicherheiten zu überdenken!

Zwei Personen, die nachdenken

1. FOMO - "Ich verpasse gerade so viel und mache nichts mit meinem Leben!!!"

Die bekannte "Fear of Missing Out" hat im Sommer 2021 nichts mehr zu suchen. Auch wenn du auf Social Media siehst, wie Freund*innen und Bekannte fröhlich durch die Weltgeschichte reisen, auf hunderten Parties tanzen, in windeseile Uniabschlüsse nachholen, drei neue Jobs finden und dann noch heiraten - atme tief durch!

Gerade in diesem Sommer bekommt man schnell das Gefühl, dass andere die Corona-Zeiten für Selbstoptimierung genutzt haben und jetzt mit neuen Looks, Hobbies, Zielen und massenhaft gespartem Geld in einen neuen Lebensabschnitt starten. Du möchtest in diesen Monaten noch ein bisschen vorsichtig sein? Und Geld hast du eigentlich dank Jobverlust, Kurzarbeit und*oder anderen Lebensumständen auch nicht? Voll okay. Lass alle mal machen! Du verpasst nichts.

In diesem Jahr gilt: Jedes Tempo ist okay. Vergleiche bringen dir nichts und setzen nur dich (und dein Umfeld) unter Druck.

2. Rasur - "Aaaaaah, ich muss noch unbedingt meine Beine rasieren!"

Mal unter uns - wer hat das letzte Jahr nicht die Haare sprießen lassen? In diesem Sommer verdrehen wir uns nicht in kleinen Duschkabinen, um wirklich jedes Haar entfernen zu können. Es ist okay, wenn man erahnen kann, dass Frauen nicht als haarlose Wasserwesen auf die Welt gekommen sind. Deine Behaarung - egal ob Bein-, Scham-, Achsel- oder Gesicht - ist nicht weniger hygienisch und schon gar nicht unansehnlich. Auch wenn es sich ungewohnt anfühlt, mit unrasierten Beinen und Rock rauszugehen: Dein ästhetisches Empfinden wird sich schnell wieder an den Look gewöhnen.

Und wenn du es doch rasiert lieber magst? Natürlich völlig okay! Wichtig ist nur, sich mit der Scham vor dem natürlichen Körperzustand auseinanderzusetzen. Wie du es dann lieber trägst, ist immer dir selbst überlassen!

3. Freizeit-Stress - "Uaaaah, ich muss noch fünf Freund*innen die Woche sehen!"

Auch hier gilt: Entspann dich. Wir alle freuen uns, dass es gerade viele Möglichkeiten gibt, Freund*innen in einem safen Umfang zu sehen. Aber es ist auch klar, dass sich deine Psyche und dein Körper erst wieder an das neue Tempo gewöhnen müssen.

Nimm dir Zeit, zu reflektieren: Was möchte ich jetzt tatsächlich tun? Gibt es eine Unternehmung, die ich unbedingt nachholen möchte? Mach dir einen groben Plan in deinem Terminkalender. Es bringt keinem was, wenn du von null auf hundert etliche Dates planst und am Ende der Woche merkst, dass du total ausgelaugt bist und dir vielleicht noch eine Verkühlung eingeheimst hast, weil dein Immunsystem im Keller ist. Versuche deinen Alltag step by step wieder voller zu gestalten und dich nicht aus Gründen der FOMO (I see you!) zu überstrapazieren.

Eins steht fest: Du musst nicht das ganze Jahr 2020 in diesem Sommer nachholen.

4. Mode Trends - "Kann ich das überhaupt tragen?"

Nach der alljährlichen Diskussion um Radlerhosen, Birkenstocks, Crocs und andere angebliche "Sommer-Modesünden" müssen wir jetzt alle mal innehalten. Es reicht. Wen interessierts? Im Sommer - gerade zu besonders heißen Temperaturen - ist es wichtig, dass du den Alltag bequem und luftig bestreitest. Der*die ein oder andere Blog, Influencer*in oder Designer*in wird streng behaupten, dass gewisse Kleidung nicht gut aussieht oder schon längst "out" ist. Vielleicht gefällt es dir aber einfach gut? Fertig, voilá. Dein Outfit steht!

In diesem Sommer halten wir fest: Was jemandem "steht" ist ein reines Konstrukt, das meist an sehr dünnen Models und anderen normschönen Körpern gemessen wird. Wir haben also zwei Möglichkeiten: 1) Das ganze Leben danach eifern, was wir ohnehin nicht erfüllen können und deswegen bis ins hohe Alter unsicher bleiben ODER 2) einen individuellen Sinn für Ästhetik entwickeln, der nicht von unterschiedlichen Diskriminierungsformen beeinflusst ist, um ein grundsätzliches Selbstbewusstsein zu entwickeln. (Ich würde Zweiteres empfehlen.)

Wenn du dir jetzt denkst, dass das alles ein bisschen radikal klingt, weil es ja schon Kleidung gibt, die super unvorteilhaft und einfach hässlich ist ... dann gilt dieser Punkt besonders dir! Mal unter uns: Beeinflusst dich die Kleidung anderer in irgendeiner Form? Gibt es für dich Auswirkungen, wenn jemand Schuhe trägt, die du als hässlich wahrnimmst? Nein. Was du als hübsch empfindest, wird sich noch etliche Male in deinem Leben ändern. Spätestens jetzt solltest du in dich gehen und dich fragen, warum dich das eigentlich so stört. Wenn du dich in dieser Hinsicht ein bisschen entspannst, wirst du auch schnell mehr Akzeptanz für deinen eigenen Körper entwickeln.

5. Social Media - "Waaah, Instagram stresst mich gerade ur!!!"

Irgendwie fühlt sich der Besuch auf Instagram nicht mehr so gut für dich an? Deine Timeline besteht aus Celebrities, die weltfremde Posts während Corona hochladen, Kolleg*innen, die du seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hast und selbst posten möchtest du eh nicht?

Es ist Zeit, dass du deinen Social Media-Auftritt wieder so gestaltest, dass du tatsächliche Freude daran hast. Räum deine Followlisten auf, kommentiere bei deinen Freund*innen aufgeregt, interagiere mit deinen Lieblingsaccounts. In Österreich hast du nun die Möglichkeit, deine Likes zu verstecken. Dadurch siehst du bei keinem Post die Anzahl der Likes, auch nicht bei deinen eigenen. Vielleicht ist das ja ein Anreiz, einfach mal wieder dein Lieblingsgericht, Schnappschuss aus dem Garten oder Gruppenfoto zu posten. Falls du den Account für deine Arbeit brauchst, dann könntest du dir auch einen Finsta erstellen - ein Instagram Profil, von dem nur ausgewählte Freund*innen wissen.

Und wenn all das nicht hilft: Lösch deinen Account und*oder die App. Unsere MySpace-Accounts haben wir irgendwann ja auch zurückgelassen. Social Media ist da, damit du in Kontakt mit Menschen trittst - wenn du nur noch FOMO, Neid und Langeweile spürst, dann erfüllt die Plattform nicht mehr ihren Zweck.

 

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