5 Fragen, die man sich während des Hahnenkamm-Wochenendes stellt

Wer ist "Rosi" und tragen wirklich alle Moon Boots in "Kitz"? Unsere Autorin hat es herausgefunden.

Kitzbühel, das ist eigentlich ein kleines besinnliches Städtchen mitten in Tirol. Schöne, bunte Häuser reihen sich hier aneinander, ein paar Leute spazieren durch die Fußgängerzone im Stadtzentrum, doch bis auf ein paar Bauarbeiten im Hintergrund ist es hier ausgesprochen ruhig.

Kaum vorstellbar, dass sich hier binnen weniger als 48 Stunden tausende Menschen durch die kleinen Gassen schieben werden. Die Tage vor dem weltberühmten Hahnenkammrennen sind nämlich alles andere als laut, stimmungsgeladen und ausgelassen – sie sind nahezu gespenstig ruhig und besinnlich, ein bisschen so wie ein Vulkan, der erst noch ausbrechen muss. Es dauert nur wenige Stunden bis sich das Bild dieses besinnlichen kleinen Skiortes in eine laute Partyzone verwandelt. Ganz egal, ob mitten auf der Straße zwischen hunderten von Fans oder im VIP-Zelt neben Hansi Hinterseer, Benni Raich oder Bernie Ecclestone – gefeiert wird hier, unabhängig vom Ausgang des Skirennens laut, ausgelassen und hochprozentig.

Doch so bekannt Kitzbühel auch ist, es gibt so einige Dinge, die so eigen und ortstypisch sind, dass man sie nur versteht, wenn man schon einmal dort war. Wir waren während dem Hahnenkamm-Rennen vor Ort und haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht.

1. Wer ist "Rosi" und warum wollen alle zu ihr?

Keine Frage, wer während dem Hahnenkammrennen in Kitzbühel ist, kommt an dem Namen "Rosi" nicht vorbei. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Oma eines bekannten Skifahrers, sondern eine der bekanntesten "After-Race"-Partys im Skiort. Gastgeberin Rosi Schipflinger schmeißt hier jedes Jahr die "Kitz Night" in der "Sonnbergstuben", für die Bussi-Bussi-Gesellschaft ein Party-Höhepunkt am Wochenende, genauso wie die "Weiswurstparty" im Luxushotel "Stanglwirt".

2. Was passiert eigentlich im VIP-Zelt?

Wer das Hahnenkammrennen in den Medien verfolgt, wird bereits öfters über das legendäre "VIP-Zelt" im Zielbereich des Hahnenkammrennens gestolpert sein. Neben Privatpersonen laden etwa Sponsoren des Rennens, wie etwa der Schweizer Uhrenhersteller Longines, Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sport und Medien in das Zelt des ehemaligen Rennfahrers und Kitz-Vermarkters Harti Weirather. Untertags, während den Rennen, wird hier gesittet gegessen und getrunken, auf dutzenden Bildschirmen verfolgen hier all jene das Rennen mit, die keine Lust haben im Freien zu stehen. Wer gute Stimmung und "Kitz-Feeling" sucht, ist hier aber fehl am Platz - die gibt es nur auf der Tribüne oder neben der Strecke bei den Ski-Fans.

3. Tragen eigentlich wirklich alle Moon-Boots?

Es ist eines dieser "Kitz-Klischees", das sich seit Jahren hartnäckig hält. Ganz unwahr ist es aber nicht, tatsächlich setzen viele Frauen auf das wuchtige Schuhwerk, idealerweise sind die Schuhe dann auch noch passend zum Gesamt-Outfit abgestimmt. Ob man bei 10 Zentimetern Schneelage in der Innenstadt tatsächlich winterfeste Stiefel braucht, sei jetzt mal dahin gestellt. Aber wo sonst könnte man sie tragen?

4. Geht es wirklich noch um den Sport?

Bei dem ganzen Luxus und Klischees, die die Tiroler Stadt und das Hahnenkamm-Rennen umgeben, ist die Frage natürlich nicht ganz unberechtigt. Tatsächlich pilgern jährlich viele tausend Fans nach Kitzbühel, um bei dem legendären Sportereignis mitzufiebern, mindestens die Hälfte davon tut es aber genauso aus Feierlaune oder um ein bisschen Promiluft zu schnuppern. Ob das nun gefällt oder nicht, der Ort selbst lebt von diesem "Adabei"-Dasein und die Geschäfte erzielen in dieser Zeit auch ihre wichtigsten Umsätze. Da nimmt man als Geschäftsmann/-frau auch in Kauf, dass die eigene Hauswand von einigen "Fans" mit dem Pissoir verwechselt wird. Das "Abwaschen, Putzen und Neustreichen gehört eben jedes Jahr dazu", erklärt mir ein Shop-Besitzer - in dem Ort ist das schon lange keine Besonderheit mehr.

5. Ist Kitzbühel wirklich so teuer?

Während dem Hahnenkamm-Rennen steigen die Zimmerpreise in den Hotels auf Rekordniveau. In den 4- bis 5-Stern-Hotels kann es schnell passieren, dass man für eine Nacht (!) einen knapp vierstelligen Betrag zahlen muss, wer auf die Tribüne im Zielbereich möchte, muss weitere 300 Euro pro Person einplanen.

Wer rechtzeitig bucht und einige Kilometer Anfahrtszeit in Kauf nimmt, kann allerdings auch schon für moderatere Preise davonkommen, ohne etwas von der Stimmung einbüßen zu müssen: die teuersten Eintrittskarten für Fans liegen am Tag der Abfahrt bei €30.

Tipp: Kitzbühel ist auch außerhalb der Hahnenkammsaison einen Besuch wert! Die 700 Jahre alte Stadt hat weit mehr zu bieten als das Rennen, die Pisten um den Skiort zählen zu den schönsten und besten Österreichs. Gerade in den Wochen vor dem Rennen ist das Städtchen geradezu wie ausgestorben, die Pisten sind da keine Ausnahme!

6. Wer ist eigentlich dieses "Mausi"?

Eine Sache, die sich leider auch seit Beginn der #metoo-Debatte in Kitz nicht geändert hat: Als Frau auf den kleinen Stadtgassen fühlt man sich immer noch manchmal wie "Freiwild". Egal, ob man als Gruppe, alleine, in der Früh oder abends unterwegs ist - es gibt immer eine handvoll an Männern, die es für notwendig hält, Frauen nachzupfeifen, sie als "süße Mäuse" oder sonstige Tierarten zu bezeichnen. Was Catcalling betrifft ist Kitzbühel, so wie viele Sportveranstaltungen, leider noch keine Ausnahme. Schade!

Diese Reise erfolgte auf Einladung von Longines.

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