5 Fragen, die alles beantworten, was sie über Naturkosmetik wissen müssen

Wem kann man vertrauen? Wo sind die Grenzen? Und gibt es auch knallige Farben?

1. Kann es „natürliches“ Make-up überhaupt geben?

Tatsächlich ist der Ursprung von Make-up natürlich: Erste Schminkprodukte wie indischer Eyeliner oder ägyptischer Lippenstift basierten auf rein pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen, vermischt mit Tierfett oder Pflanzenölen. Heute ist das (meist) anders: Normalem Make-up werden chemische Stoffe zugesetzt, um bunte, lang anhaltende, geschmeidige Farben in großen Mengen herzustellen. Es werden synthetische Farb- und Duftstoffe sowie Konservierungsmittel verwendet – etwas, was Naturkosmetik-Fans ablehnen.

Natur-Make-up enthält dagegen keine Chemie, sondern pflanzliche und mineralische Rohstoffe. Und Bio-Kosmetik geht noch einen Schritt weiter und arbeitet mit Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau. „Cruelty free“-Produkte werden tierversuchsfrei produziert und veganes Make-up kommt gänzlich ohne tierische Produkte wie Honig oder Wollfett aus. Wobei „vegan“ nicht gleichbedeutend mit „natürlich“ oder „bio“ ist, da bei Ersterem sehr wohl chemische Bestandteile zum Einsatz kommen können.

Welche Spielart von natürlicher Kosmetik Kundinnen nun auch präferieren, Fakt ist: Sie boomt. Während der konventionelle Kosmetikmarkt immer langsamer wächst – durchschnittlich um ca. 1,3 Prozent – hat Naturkosmetik ihr Wachstum seit 2000 verdreifacht und lag 2013 bei mehr als 10 Prozent Marktanteil. Das merkt frau auch an der Produktvielfalt: Profi-Visagistin Petra Hristov-Mennella etwa konnte noch vor 10 Jahren auf nur wenige Bio-Make-up-Produkte in Profi-Qualität zurückgreifen. Mittlerweile kann sie ihren gesamten Schminkkoffer damit füllen.

2. Ist Bio-Make-up immer naturfarben – oder gibt’s das auch in bunt?

So richtig knallig wird es bei den Bio-Marken leider (noch) nicht. Grund: Für ganz intensive Töne braucht’s derzeit noch die Hilfe von chemischen Farbstoffen. Die schwierigsten Hürden der Naturfarben sind übrigens Rot und Orange. Zwar kann aus Schildläusen der natürliche Farbstoff Karmin gewonnen werden, für Tierschützer ist dies jedoch ein Problem, das sich nur mit chemischen Ersatzstoffen lösen lässt. Vegane Deko gibt es hingegen auch in Knallfarben, denn mit mineralischen Pigmenten und chemischen Farbstoffen kann man alle Farben des Regenbogens abdecken, ohne auch nur ein tierisches Produkt zu verwenden. Bloß: Ein Naturzertifikat gibt es für diese Farben wie gesagt keines.

Glamouröser Schimmer ist dafür bei Naturkosmetik kein Problem: Der ist mineralischen Ursprungs. Richtig dramatischer Glitter hingegen geht leider nicht. Die größeren, glänzenden Partikel sind meistens aus Plastik bzw. umstrittenem Mikroplastik und werden in ökologisch nachhaltigen Produkten nicht verwendet.

Dafür werden Nagellacke immer grüner! Nachdem in den vergangenen Jahren Lösungsmittel und Weichmacher reduziert ­wurden, gibt es jetzt den ersten, als Naturkosmetik zertifizierten Nagellack von Logona im Bio-Shop zu kaufen.

3. Natur ist nicht gleich Natur. Wem kann ich vertrauen?

Nicht jede grüne Packung, auf der „Natur“ steht, ist wirklich bio. Zertifikate wie Bio Austria, Na True, Leaping Bunny, Fair Trade oder das BDHI-Siegel bieten Orientierungshilfe im grünen Produkte-Dschungel und werden von den ausgezeichneten Firmen stolz auf die Verpackung gedruckt. Erste-Hilfe-Tipp, um den Dschungel zu durchschauen: Inhaltsstoffe checken! Magdalena Riekmann, Inhaberin der NC Natural Cosmetics Beauty Boutique, rät: „Packerl in die Hand nehmen, umdrehen, durchlesen. Je übersichtlicher und klarer die Inhaltsstoffe von einer Marke aufgelistet und präsentiert werden, umso besser!“ Wenn Sie sich bei Inhaltsstoffen nicht sicher sind, können Sie die Stoffe auf Links wie cosmeticanalysis.com/de überprüfen und nachlesen. Oder über Apps wie "Tox Fox" (über bund.de) das ganze Produkt mittels Barcode auf seine Gesundheitsverträglichkeit hin durchleuchten.

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Leider bedeutet bio nicht gleich anti-allergen. Naturstoffe, ­allen voran Blumenprodukte, können Allergieauslöser sein. Am besten ist, Sie lassen sich beraten. Denn in Naturparfümerien finden Sie engagierte Naturkosmetik-Enthusiasten wie Expertin Riekmann, die jede ihrer Firmen und jeden Inhaltsstoff kennen und einschätzen können: „Im Endeffekt sind mir Zertifikate nicht so wichtig. Ich lese mir die Inhaltsstoffe durch, kenne die Produktionsweise und oft auch die Produzenten – das schafft Vertrauen.“

4. Wo liegen die Grenzen? Und wo die Chancen?

Eine Hürde, die beispielsweise noch zu knacken ist, ist die Wasserfestigkeit. Produkte wie wasserfeste Wimperntusche, Superstay-Lipsticks und Gel-Eyeliner basieren auf Silikonen und Kunstharzen und würden ohne die chemischen Anteile nicht so haltbar trocknen. Da Grenzen aber immer auch neue Herausforderungen sind, entwickeln vor allem engagierte, junge Firmen neue Lösungen, die auch ästhetische Alternativen bieten.

Die Ilia-Lippenstifte etwa haben eine ungewöhnliche transparent-matte Textur, die sich durch Bienenwachs mit den Lippen verbindet: So wirken die Lippen nicht wie angemalt, haben aber trotzdem eine supertolle Farbe – diese Optik kennt man so von keinem kommerziellen Produkt! Auch die nicht wasserfesten Cremelidschatten von Rms Beauty machen die Not zur Tugend. Sie bleiben dafür cremig und schön schimmernd auf den Lidern: ein Look, der zugleich sexy und natürlich wirkt. Und Kjaer Weis, eine US-Marke dänischen Ursprungs, löst die Verpackungsproblematik mit aufwändig designten, ­hochwertigen Metalletuis, die man nie im Müll entsorgen würde, sondern ­lieber die in Papier verpackten Nachfüllungen kaufen geht.

5. Schöne neue Zukunft: Wo geht die Reise hin?

Fakt ist: Gesundheit und Umweltbewusstsein liegen uns Konsumentinnen immer mehr am Herzen. Wir kaufen, was uns guttut, und noch lieber von Firmen, die auf faire Produktion achten. Branchenexpertin Elfriede Dambacher sieht das als große ­Chance der Naturkosmetik: „Konsumenten kaufen mehr und mehr werte­orientiert ein. Besonders junge Leute achten darauf, wer hinter einem Produkt steht und wie es hergestellt wird.“

Bio-Make-up bieten in erster Linie mittlere und kleine Unternehmen an, die nicht wie die großen Firmen am Massenmarkt agieren müssen. Die produzierten Mengen sind kleiner, dadurch sind die Produktionsweisen viel leichter zu kontrollieren. So können die Naturkosmetikfirmen bei den Rohstoffen wählerischer sein – und damit auch besondere Zutaten wie Heilpflanzenauszüge verwenden. Doch dieser besondere Vorteil ist zugleich das Dilemma des Öko-Markts. Denn riesige Pflanzenmengen aus Wildsammlungen oder Bio-Anbau in immer gleicher Qualität zu gewinnen, ist schlicht nicht möglich. Das heißt: Echte Naturkosmetik kann derzeit kein Massenprodukt sein.

Unterm Strich bewegt der Bio-Hype trotzdem mehr als uns bewusst ist. Denn auch die Kosmetikriesen hören den Ruf der Kunden und versuchen auf ihre Art, nachhaltiger zu agieren.

Links & Shops:

staudigl.at

naturalcosmetics.at

saint.info

stattgarten.at

bio-kosmetika.com

naturkosmetik-tirol.at

haut-seele.at

ecco-verde.at

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