5 Dinge, die passiert sind, als ich mit der Pille aufgehört habe

Als Teenagerin denkt man sich, die Pille ist die Lösung aller Probleme. Im Erwachsenenalter kommt man dann drauf: sie ist viel eher die Ursache davon.

Vor über einem Jahr habe ich damit aufgehört, hormonell zu verhüten. Nachdem ich fast sieben Jahre lang jeden Tag eine kleine rosa Pille mehr oder weniger genau um 20 Uhr mit einem Schluck Wasser hinuntergespült hatte. Mit 17, als ich die erste Packung euphorisch aufriss und hoffte, mit der Pille würden sich alle meine Haut- und Verhütungsprobleme in Luft auflösen, war ich guter Dinge. Und tatsächlich: so schöne Haut hatte ich schon lange nicht mehr, und um meine Verhütung musste ich mir von nun an auch keine Sorgen mehr machen. (Vorausgesetzt ich nahm sie regelmäßig - was, zugegeben, nicht immer der Fall war.)

Was mir damals aber niemand gesagt hat: wie sehr sie mich verändern würde. Darüber machte ich mir nie Gedanken, meine Frauenärztin wies mich abseits der offensichtlichen Risiken nie auf weitere Nebenwirkungen hin, es schien, als wäre diese Wunderpille die Lösung all meiner Probleme. Mal abgesehen von den wirklich gefährlichen Gesundheitsrisiken (Thromboserisiko! Brustkrebsrisiko!), wäre ich viele Jahre lang nie auf die Idee gekommen, dass meine Stimmungsschwankungen, die ständige Müdigkeit, unerklärliche Lustlosigkeit, Selbstzweifel, Gewichtszunahme, Schmerzen in der Brust - all das auch auf die kleine Pille, die ich jeden Tag schluckte, zuruckzuführen sind.

Als ich mich schließlich dazu entschied, die Pille nach sieben Jahren abzusetzen - weil einige meiner Freundinnen es auch schon gemacht hatten - habe ich mit allem gerechnet, aber nicht mit dem, was wirklich passiert ist.

1: Die schlechten Nachrichten zuerst


In den ersten Wochen, vielleicht sogar drei Monaten, merkte ich fast keinen Unterschied. Mein Körper zehrte wohl noch von den "alten Hormonen". Doch irgendwann ging der Horror los. Meine Haut verschlechterte sich rapide - plötzlich bekam ich Unreinheiten an Stellen, die vorher keine Pickel gesehen haben (etwa am Rücken) und kämpfte wieder mit Hautproblemen, die mich in meine Pubertät zurückversetzten. Doch viel schlimmer als die Hautprobleme war der Haarausfall. Ich bemerkte, wie sich immer mehr Haare auf meiner Kleidung, in der Bürste, im Waschbecken sammelten. Der Hinweis diverser Ärzte und Ärztinnen, ich solle ruhig bleiben, weil es sich wieder einpendeln würde (jedoch nie wieder so sein werde wie vorher) half nur wenig. Am meisten schockierte mich der mehrmalige - auch ärztliche - Rat, ich solle die Pille doch einfach wieder nehmen. Das Ganze quasi nach hinten verzögern. Nein, danke. Mittlerweile hat es sich "eingependelt" - und ich hoffe, dass es so bleibt.

2: Ich lernte meinen Körper kennen


Ja, es dauert eine Zeit, bis auch der Zyklus wieder in geregelten Bahnen verläuft. Das Gute daran: ich lernte meinen Körper kennen. So richtig und zum ersten Mal. Eine Perioden-App half dabei und zeigt mir jetzt immer genau an, wann mein Eisprung (während der Pillenzeit wird der Eisprung verhindert) und meine Monatsblutung stattfinden werden. Inzwischen stimmt es auch wieder genau. Der Nachteil am neuen Körpergefühl: die PMS-bedingten Stimmungsschwankungen und die Müdigkeit kommen dazu. Dennoch: ich fühle mich lieber einmal im Monat ein paar Tage lang dreckig - als die ganze Zeit.

3: Ich habe mehr Selbstbewusstsein


Was auf den ersten Blick komisch klingt, stimmt wirklich: ohne Pille fühle ich mich weitaus weniger nervös in Situationen, die mir vorher den Schlaf geraubt hätten. Man könnte es auch innere Gelassenheit nennen. Denn: Östrogen fördert tatsächlich Angstzustände, wie ich heute weiß. Mit dieser Veränderung hätte ich vorher aber nie gerechnet. Manchmal spreche ich sogar von "früher" und "jetzt" - weil "früher" habe ich bereits Schweißausbrüche bekommen, wenn mich Menschen in der U-Bahn angestarrt haben. Heute ist mir das alles mehr als egal. Und das ist ein tolles Gefühl.

4: Und mehr Lust auf Sex


Frauen können WIRKLICH Lust auf Sex haben. An dieser Tatsache habe ich während meiner Pillenjahre oft stark gezweifelt, weil ich es einfach nicht nachvollziehen konnte. Ganz anders sieht es heute aus: der Eisprung, der vorher, wie bereits erwähnt, ein Fremdwort war, befördert mich in bis dato unbekannte Welten. Ein Hoch auf die Natürlichkeit!

5: Energie, Energie, Energie


Die Lustlosigkeit während der Pillenzeit ging auch über in andere Bereiche, in mein Berufsleben zum Beispiel. Viele Dinge gingen mir äußerst schwer von der Hand, und ich hatte oft das Gefühl, dass ich übermüdet, träge und kaputt bin. Bereits kurz nachdem ich die Pille abgesetzt hatte, fiel mir das zuerst auf: ich hatte mehr Lebensfreude und Energie. Hatte mehr Lust, hinauszugehen und war plötzlich offen für spontane Abenteuer. Heute denke ich mir: die Energie, die ich jetzt habe, hätte ich früher oft gebraucht. Leider ist es dafür jetzt zu spät. Doch umso mehr genieße ich sie - die Zeit und die Freiheit nach der Pille.

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