5 Dinge, die ich von Donald Trump lerne

Wir trinken Cola, schauen US-Serien, tragen Nikes – unser Leben ist durchwachsen mit amerikanischer Kultur und wir brauchen nicht eine Sekunde lang glauben, dass uns die amerikanische Präsidentschaftswahl nicht beeinflussen wird. Eine PräsidentIN hätte auch unser Frauenbild verändert. Daraus ist aber nichts geworden. Also orientiere ich mich um und lerne.

1. Die gläserne Decke existiert und sie ist möglicherweise aus Panzerglas

Wenn eine Frau, die sich wirklich wirklich angestrengt hat (Man sagt ja so gerne: Du musst dich nur anstrengen!) gegen einen unglaublich unqualifizierten Mann antritt und dann tatsächlich verliert, kann wirklich niemand mehr behaupten, dass Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts Einbildung ist. Eine Frau ist gegen einen schlechten Scherz angetreten und der schlechte Scherz hat gegen alle Zweifel gewonnen. Wir glauben, wir sind gleichberechtigt. Einen Schas sind wir.

2. Frauen abzuwerten ist gesellschaftlich erwünscht

Da wurde eine einzelne Frau gegenüber einer breiten Öffentlichkeit verbaler Gewalt ausgesetzt und scheinbar fanden das ganz viele Leute voll ok. Wahrscheinlich – und das finde ich besonders schlimm – weil viele das Verhalten von zu Hause kennen: Wenn die Mutter, Großmutter, Schwester, Tochter, Schwiegermutter, Tante oder Nichte von ihrem cholerischen Mann, Vater, Onkel oder sogar einer weiblichen Verwandten niedergemacht wird. (Oft genug sind es auch die kleinen Buben der Familie, an denen Macht demonstriert und Wut ausgelassen wird.) Als Kind leidet man mit, später ist man entweder froh, gerade nicht selbst das Opfer zu sein oder hat Mitleid, traut sich aber nicht zu sagen, dass es jetzt mal reicht, bis es sich irgendwann umdreht, man den Schmerz nicht mehr spürt und den Missbrauch als normal empfindet. Jetzt ist die verbale Gewalt raus aus den vier Wänden, rein ins strahlende Scheinwerferlicht mit einem Sitz im Weißen Haus. Bravo.

3. Es ist ok ein Arsch zu sein

Neid, Hochmut, Gier, Wut und Hass – all da hat uns Trump in den letzten Wochen vorgeführt und es wurde akzeptiert. Jetzt wird er zum Präsidenten gewählt und damit ist es sogar amtlich, dass so ein Verhalten (übrigens vier davon quasi Todsünden, aber ich will jetzt nicht theologisch werden) total in Ordnung ist. Vergesst die gute Erziehung, den Respekt vor anderen Menschen, die Vernunft und das Mitgefühl – das brauchen wir anscheinend nicht mehr. Kann man auch gleich in die Kindererziehung einfließen lassen: Wenn der mächtigste Mann der Welt schimpft, missbraucht und zürnt, wieso sollte es dein Kind dann nicht dürfen? Vorbild reloaded.

4. Wer lauter schreit gewinnt

Eine Erfahrung, die ich gerade nochmal von 59,7 Millionen Amerikanern bestätigt bekomme: Laut plärren und den Zampano spielen wirkt. Die Leute machen dann eher, was man sagt. Soft Skills scheinen dagegen wertlos - schließlich gehören die ja eher zu den Frauen … mit ihren Pussys … und die werden ja begrapscht und wer will das schon … wie auch immer, vielleicht sollten wir Frauen uns diese Erkenntnis für den nächsten Punkt zu Herzen nehmen:

5. Frauen gehören an ihren Platz

Sogar die US-Vogue, ein gar nicht so feministisches Modemagazin, hat einen Kommentar zu den Auswirkungen des Wahlergebnisses auf das weibliche Selbstbewusstsein geschrieben. Wir Frauen bekommen schon stark vor Augen gehalten, wo wir stehen und wie massiv wir öffentlich beleidigt werden dürfen, ohne dass was passiert. Das sagt mir: Der Platz, der für mich vorgesehen ist, ist viel weiter hinten als gedacht ... aber damit bin ich nicht einverstanden. Und du solltest es auch nicht sein: Mach dich stark. Schrei für deine Rechte. Tritt diejenigen in den Hintern, die dich nicht vorlassen, weil du eine Frau bist. Akzeptiere keine Abwertung. Schütze Schwächere. Und entscheide SELBST, wo DEIN Platz ist.

Das war die erste große Runde. Die haben wir vielleicht verloren, aber die nächste kommt bestimmt und dann bringen wir auch was mit, um das Panzerglas zu knacken.

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