5 Bücher von 6 gescheiten Frauen, die du jetzt lesen solltest

#frauenlesen sollte sowieso an der Tagesordnung stehen. Wenn Autorinnen dann noch so herausragende Bücher schreiben, können wir nicht oft genug sagen: Lest das!

Melisa Erkurt - Generation Haram

Generation Haram von Melisa Erkurt

Diesen Montag erschienen und schon ein Beststeller: Am Erstling von Melisa Erkurt kommt man gerade nicht vorbei. Gut so! Die Journalistin und ehemalige Lehrerin fasst verständlich, zugänglich und in einem Fluss mit persönlichen Erzählungen zusammen, was das österreichische Bildungssystem seit Jahrzehnten geflissentlich ignoriert. Bildung und damit verbundene Chancen sollten nicht davon abhängig sein, in welche Familie Kinder hineingeboren werden. In Österreich aber wird Bildung vererbt. Was das im Alltag in Schulklassen bedeutet, kann man auf 189 Seiten nachlesen und ist danach hoffentlich wütend genug, um sich für nachhaltige Veränderungen im hiesigen Schulsystem einzusetzen. Damit Schule hier auch für Hülya und Ali gemacht wird - und nicht nur für Paul und Anna aus wohlhabenden und/oder engagierten Elternhäusern.

"Generation Haram" ist ein gesellschaftspolitisches Buch, das jede*r lesen sollte, die*der nur irgendwas mit Bildung zu tun hat - und das schließt sowohl Eltern als auch (ehemalige) Schüler*innen mit ein. (Ja, das heißt: Wirklich JEDE*R.)

Melisa Erkurt, "Generation Haram. Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben.", erschienen bei Zsolnay

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Starting a Revolution von Naomi Ryland und Lisa Jaspers

Ende August erscheint es endlich auf Deutsch: Das Buch, das für viele Leser*innen zu einer Bibel in Sachen Unternehmer*innentum geworden ist - und wie man es radikal neu und nachhaltig denken kann. Die beiden Autorinnen Naomi Ryland und Lisa Jaspers haben zusammen bei der NGO Oxfam gearbeitet und anschließend zwei der bekanntesten Social Businesses Deutschlands gegründet: tbd* und folkdays. In ihrem gemeinsamen Buch haben sie mit spannenden und fortschrittlichen Gründerinnen gesprochen. Ryland und Jaspers stellen konventionelle Businessmodelle auf den Kopf und zeigen, dass neue Wege, die in konservativem ökonomischen Umfeld radikal wirken mögen, funktionieren und - noch besser - ein neues "Wirtschaften" und eine neue Arbeitswelt möglich machen.

"Starting A Revolution" ist keine Einladung, sondern ein Auftrag, "outside the box" zu denken. Nicht nur für Unternehmer*innen, Gründer*innen oder Investor*innen, sondern für alle, die spätestens seit der Corona-Krise genug haben von einer Wirtschafts- und Arbeitswelt, die nur von Ressourcen spricht und gegen Mensch und Umwelt arbeitet. Mit der abschließenden Message, dass es anders laufen kann.

Naomi Ryland und Lisa Jaspers, "Starting A Revolution. Was wir von Unternehmerinnen über die Zukunft der Arbeitswelt lernen können", erschienen bei Econ/Ullstein Verlage.

Andrea Long Chu - Females

Females von Andrea Long Chu

"Everyone is female, and everyone hates it", steht am Klappentext des kleinen Büchleins. Und es ist Chus Credo: Weiblichkeit, das habe nichts mit biologischen Geschlecht zu tun, sei vielmehr eine "verheerender existentieller Zustand, der die ganze menschliche Rasse betrifft". Ein geradezu absurder Claim, den die Autorin wortgewandt verteidigt - ohne sich dabei auch nur eine Sekunde richtig ernst zu nehmen. Erinnert man sich daran, ist auch der Hass auf alles Weibliche als Leser*in besser zu ertragen, auch wenn er uns selbst vorgeworfen wird (und manchmal gerechtfertigt ist).

Aber um Ernst soll es auch nicht gehen, sondern um Sex und Lügen, um Gender und Lust und alles, was dazwischen liegt. Chu will Gedanken und Diskussionen anregen, wie sie es auch auf ihrem Twitteraccount @andrealongchu tut. Und das schafft sie mit "Females" auf alle Fälle. Es ist Provokation und Theorie, Kunst und Kunstkritik und eine Übung in nicht-unbedingt-konsistenter Logik. Klingt anstrengend? Ist es auch. Aber es sorgt ganz bestimmt für mehr als einen Abend voller Gedanken im Kopf.

Andrea Long Chu, "Females", erschienen bei Verso.

Kathrin Weßling - Nix passiert

Nix passiert von Kathrin Weßling

Eigentlich ist ja schon etwas passiert. Eigentlich hat Jenny Alex verlassen und der weiß jetzt nicht so recht, wie das alles weitergehen soll mit dem Leben - und flüchtet erstmal zur fremd gewordenen Familie im deutschen Kaff. Alex lähmende Depression, die so niemand benennen will, zieht sich Seite um Seite und lässt die*den Leser*in genauso handlungsunfähig zurück wie den Protagonisten in seinem Bett im Kellerzimmer. Wenn eine Mutter, die es eh nur gut meint, dann auch noch rät, dass man einfach mal an die frische Luft gehen soll, ist der fahrlässige und ignorante Umgang mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft so kompakt in eine Alltagssituation gegossen, dass man am liebsten schreien möchte.

Weßlings zweiter Roman wurde als "Roman einer Generation" angekündigt, und das ist wohl immer ein etwas zu großes Versprechen. "Nix passiert" ist aber eine eingehende wie kurzweilige Geschichte über das Verlassenwerden, die sich nicht scheut, bei den schmerzhaften Lächerlichkeiten eines gebrochenen Herzens genau hinzuschauen. Der Rest ist ein bisschen Klischee, ein paar Scherzchen und nicht zuletzt ein wichtiges Mahnmal psychischer Erkrankungen und aller Stigma, die damit einhergehen. Als Millennial wird man sich außerdem in einigen Sätzen wiederfinden - ob man will oder nicht!

Kathrin Weßling, "Nix passiert", erschienen bei Ullstein.

Lady Bitch Ray - Madonna

Madonna von Lady Bitch Ray

Für ihre Schulfreundinnen ist Madonna eine 'lesbische Schlampe' – die 11-jährige Reyhan Şahin denkt sich "Ja und?! Jetzt erst recht". Heute kennen wir Reyhan als Lady Bitch Ray und die denkt sich immer noch "Jetzt erst recht". In ihrem zweiten Buch geht es zwar nur am Rande um die Pop-Ikone, aber dafür gibt es ganz viel Dr. Bitch Ray und das ist bitte mindestens genauso so gut. Die Rapperin und promovierte Sprachwissenschaftlerin prangert die weiß-heteronormative Musiklandschaft an und sagt dabei alles, was gesagt werden muss und eben immer noch schief läuft im Musikbusiness und der Welt - besonders für Women of Color, die nicht nur die Hindernisse der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch die der eigenen Community überwinden müssen.

"Madonna" ist Pop- und Gesellschaftskritik ohne Blatt vor dem Mund - und das erste Buch einer WoC in der Reihe "Musikbibliothek" des KiWi-Verlages. Auch das muss (leider!) erwähnt werden. Oh, und wer bis jetzt nicht verstanden hat, worum es bei kultureller Aneignung geht, der möge das Büchlein bitte sowieso schleunigst lesen. Dann können wir Patriarchat und Rassismus vielleicht endlich sein lassen.

Lady Bitch Ray, "Madonna", erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

 

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