4 Dinge, die ich durch meinen Haarausfall gelernt habe

In jungen Jahren mit Haarausfall konfrontiert zu sein, ist belastend und lehrt viel über einen selbst.

"Immer mehr junge Frauen kommen zu mir in die Ordination." Das sagte mein damaliger Hautarzt, als ich zu ihm wegen einem Problem hinkam, das ich bis dato eigentlich nur mit Frauen in Wechseljahren oder älteren Männern in Verbindung gebracht hatte: Haarausfall.

Angefangen hat es einige Monate, nachdem ich die Anti-Baby-Pille abgesetzt hatte. Ich bemerkte beim Bürsten und nach dem Haarewaschen, wie immer mehr Haare liegen geblieben sind. Auch auf meiner Kleidung waren überall Haare - und langsam, aber doch machte sich das auf meinem Kopf bemerkbar. Meine Haare wurden merklich dünner und fielen dann einfach aus. Meine erste Reaktion war: es zu ignorieren. Bald danach folgte die Panik. Und dann ein langer Kreislauf mit Arztbesuchen, diversen Tabletten und Kuren, und viel Verzweiflung.

Dass ich da wieder herausgekommen bin, habe ich nicht nur dem Wundermittel Minoxidil zu verdanken, sondern auch mir selbst. Denn Haarausfall ist nur ein Symptom von vielen. Ich musste lernen auf meinen Körper zu hören. Hier sind vier Dinge, die mich mein Haarausfall nach zwei Jahren gelehrt hat:

1: Befasse dich mit deinem Lebensstil

Die Ursachen von Haarausfall können sehr vielfältig sein. Das sagten mir auch die unzählingen HautärztInnen, bei denen ich war. Manchmal werden die Hormone für den Haarausfall verantwortlich gemacht, manchmal die Gene und ein andermal das Immunsystem. Eine ungesunde, schnelle Lebens- und Ernährungsweise trägt natürlich ihr Übriges dazu bei. Das gesunde Gleichgewicht wird durch Stress, wenig Schlaf und ständige Alarmbereitschaft gestört. Somit ist Haarausfall oft nur ein Symptom unter vielen. Das machte es für mich umso schwerer, damit umzugehen. Und je mehr ich darüber nachdachte, je mehr kahle Stellen ich auf meinem Kopf entdeckte, umso gestresster wurde ich, zog mich zurück und wusste nicht mehr weiter. Langsam, aber doch fing ich aber damit an, mich zu akzeptieren, auch mit Haarausfall. Und ging wieder mehr hinaus. Verbrachte viel Zeit in der Sonne und an der frischen Luft - und dadurch besserte sich nicht nur mein Gemütszustand, sondern auch der Haarausfall.

2: Dein Körper ist eine Einheit - und kann schnell aus dem Gleichgewicht gebracht werden

Die hormonelle Umstellung nach dem Absetzen der Pille war nur eine der Ursachen, die zu meinem Haarausfall führten. Privater und beruflicher Stress, ungesunde Ernährung, Schlafmangel und auch eine erbliche Anlage - all diese Dinge "begünstigten" die Situation. Bis es aber soweit ist, dass man sich wirklich eingesteht, dass man ein wenig kürzer treten muss, vergeht leider oft zu viel Zeit. Auch in meinem Fall. Doch irgendwann habe ich dann eingesehen, dass mein Körper und mein Kopf einfach Ruhe brauchen. Habe mir bewusste Auszeiten genommen und einfach damit begonnen, mehr auf mich selbst zu achten und mich gesünder zu ernähren. Jeder "Störfaktor" und "Mangel" kann den Körper aus dem Gleichgewicht bringen - und es ist wichtig, seinen Körper zu beobachten. Wenn ich gestresst war, fielen mir immer mehr Haare aus, meine Kopfhaut war gereizter und ist es heute auch noch in diesen Situationen.

3: Geduld, Geduld, Geduld

Die meisten HautärztInnen sind ratlos, wenn es um Haarausfall geht. Zusätzlich ist der Prozess, bis es zu einer merklichen Besserung kommt, einfach ein sehr, sehr langer. Das heißt für Betroffene: sie müssen viel Geduld an den Tag legen. Haarausfall ist einfach keine Sache, die sich von heute auf morgen lösen lässt. Rückblickend wünschte ich aber, ich hätte das Problem nicht so lange ignoriert und wäre früher zum Hautarzt gegangen, hätte früher Bluttests gemacht oder mich einfach schon viel früher näher damit befasst. Denn je mehr Zeit vergeht und je mehr Haare ausfallen, desto schwieriger und auch schambesetzter wird es, anderen Leuten davon zu erzählen.

4: Haarausfall ist nicht das Ende der Welt

Ich musste lernen, damit aufzuhören, mir ständig durch die Haare zu fahren, mich mit anderen zu vergleichen und dem Problem eine so große Bedeutung zu geben. Das ist natürlich leichter gesagt als getan in einer derart psychisch belastenden Situation - dennoch muss man diese Entscheidung einfach bewusst treffen. Heute ist es besser geworden - ich sage "besser", weil es natürlich noch immer nicht so ist wie es vorher war - aber das muss es auch nicht. Wichtig war bei mir schließlich, dass ich bei der Minoxidil-Behandlung konsequent geblieben bin. Die ersten Wochen mit Minoxidil waren zusätzlich belastend, weil sich in der sogenannten "Shedding"-Phase noch mehr Haare verabschiedeten. Aber das ist ein gutes Zeichen! Denn es heißt, dass die Behandlung anspringt. Mittlerweile gehört das tägliche Auftragen auf die Kopfhaut einfach zur Routine und auch meine Kopfhaut, die anfangs stark gefettet hat, hat sich daran gewöhnt. Zu guter Letzt war es aber vor allem wichtig, mir selbst einzugestehen, dass Haarausfall ein Teil meines Lebens geworden ist - und dass ich mich selbst mit weniger Haaren am Kopf wohlfühlen kann in meiner Haut.

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