35 Frauen, die angeblich von Bill Cosby vergewaltigt wurden

6 Monate hat das New York Magazine an der neuen Titelgeschichte gearbeitet: Cosby: Die Frauen. Eine unerwünschte Schwesternschaft. Während dieser Zeit kamen immer mehr Anschuldigungen auf, 35 mutmaßliche Vergewaltigungsopfer erzählen ihre Geschichte.

Es ist ein eindrucksvolles Bild: 35 Frauen sitzen nebeneinander, schwarz gekleidet, die Hände in den Schoß gelegt. Noch eine Sache verbindet sie, die sich nicht sofort aus dem Bild ergibt: Sie alle behaupten, von Bill Cosby im Laufe der letzten 40 Jahre vergewaltigt worden zu sein. Dazu kommt ein leerer Stuhl, der vermutlich für diejenigen Frauen steht, die sich (noch) nicht trauen, ihre Stimme zu erheben.


Die Seite des New York Magazins ist im Moment überlastet und kann nicht aufgerufen werden, die Titelgeschichte von Montag schlug ein. Alle wollen die persönlichen Geschichten dieser Frauen lesen. Der Ansturm auf den Artikel zeigt die Macht von Bill Cosbys Geschichte. Er war einer der größten Entertainer der USA, seine Opfer waren Dutzende, und doch brauchte es Jahre bis die Anschuldigungen ans Licht kamen. Die Geschichten erzählen uns viel über Machtverhältnisse, gerade wenn es sich um berühmte Täter handelt, von Hilflosigkeit und Ohnmacht der Opfer, die das Gefühl hatten, niemand glaubt ihnen.


Bill Cosby wehrt sich nach wie vor vehement gegen alle Anschuldigungen, obwohl vor kurzem Gerichtsprotokolle bekannt wurden, in denen er unter Eid zugab, Frauen Drogen gegeben zu haben, um mit ihnen Sex zu haben. In beidseitigem Einverständnis, sagt er. Mehrere Institutionen haben ihre Zusammenarbeit mit ihm gekündigt, und öffentliche Personen wie Whoopi Goldberg oder Barack Obama distanzieren sich von ihm.

New York Magazine Cover

"Ich fühlte mich wie ein Gefangener", erzählt Barbara Bowman, "Wer hätte mir geglaubt?" Tamara Green wurde laut Eigenaussage Anfang der 1970er von Bill Cosby vergewaltigt und meint "2005 hatte Bill Cosby noch Macht über die Medien, aber 2015 gibt es Social Media, und unsere Stimme kann nun nicht mehr stumm geschalten werden, man wird es immer finden."

Beverly Johnson sagt, der Teil für den sie nicht vorbereitet war, war die Menge an Frauen die nach ihr ihre Geschichte erzählen würden. Tatsächlich ist es das, was man kaum fassen kann: Nicht, dass der Täter Amerikas liebster Vorzeige-Vater war. Sondern, dass er über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich, insgesamt dutzende von Frauen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hat, und das nicht annähernd an die Öffentlichkeit kam. Wer hätte ihn aufhalten sollen? Die Debatte um Bill Cosby gibt hoffentlich noch vielen Frauen Mut, ihre Stimme gegen Vergewaltiger zu erheben.

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