30STM im Interview

Die Band versteht es gute Rockmusik zu machen und ungewöhnlich zu wirken. Das haben wir auch beim Kurz-Interview mit Tomislav Miličević, Jared Leto und seinem Bruder Shannon erfahren, die uns verrieten, wie das Leben von Thirty Seconds to Mars so ausschaut.

Wir treffen Thirty Seconds to Mars kurz vor ihrem Auftritt beim Nova Rock Festival im Burgenland. Vor dem Interview hören wir, dass die Band bei der Begrüßung nicht die Hand gibt und Frontmann Jared Leto es nicht mag, wenn man ihm beim Sprechen direkt in die Augen schaut. Die Gerüchte haben sich übrigens teilweise bewahrheitet - die Hand wurde uns zwar nicht gereicht, dafür ging Jared Leto beim Konzert mit seinen Fans auf Tuchfühlung. Aber unsere größte Herausforderung war: Was fragt man eine Band, wenn man nur fünf Minuten Zeit für ein Interview hat?

Interview Thirty Seconds Mars

Redakteurin Katja traf 30STM Backstage beim Nova Rock Festival.

Schon vor dem Talk ist uns klar: Thirty Seconds to Mars sind ganz speziell. Ihr Umweltbewusstsein spiegelt sich darin wider, dass ihr Tourbus ausschließlich mit Pflanzenöl fährt. Ihre Crew trägt ein T-Shirt mit dem Spruch "This isn't just a crew, it's a fucking army" und ihre aktuelle Single "Up In The Air" war der erste Song jemals, der in den Weltraum geschossen und auf einer Weltraumstation abgespielt wurde. Gitarrist Tomislav Miličević beantwortete unsere ersten Interviewfragen, während Sänger Jared Leto sich anfangs eher um sein Handy kümmerte und abwesend schien. Doch wir glauben, dass es nur ein Test war, denn: Der 41-Jährige, der vor der Musik als Schauspieler viele Erfolge in Hollywood feierte, will bei der Band nicht alleine im Vordergrund stehen. Deshalb sagte er in der Vergangenheit schon mehrere Konzerte ab, die mit seinem Namen statt für 30STM warben...

(Interview startet) Vor elf Jahren habt ihr euer Debütalbum veröffentlicht, seit über fünfzehn Jahren gibt es schon Thirty Seconds to Mars. Was ist das Beste daran in dieser und in keiner anderen Band zu sein?

Tomislav (Gitarrist): Weil wir uns nicht nur als Band, sondern als Kunstprojekt verstehen. Jeder von uns dreien hat neben der Musik auch andere Leidenschaften und Projekte, die er ausleben kann, und wird somit nicht gezwungen "nur" Rockstar zu sein. Außerdem erlauben wir es uns gegenseitig sich weiterzuentwickeln, ohne dass die Band sich dafür trennen muss. Wir sind Individuen, die es geschafft haben, ihre einzelnen und gemeinsamen Leidenschaften unter einen Hut zu bringen.

(Minute 0) "Love Lust Faith + Dreams" ist euer viertes Album. Ist es anstrengend sich jedes Mal wieder neu erfinden zu müssen?

Tomislav (Gitarrist): Nicht für uns. Wir gehen jetzt nicht ins Studio und denken uns "Wir müssen jetzt unbedingt cooler, kantiger oder revolutionärer klingen". Für uns ist es eine natürliche Sache, dass man sich mit der Zeit verändert. Und da für uns die Musik unsere Botschaften und Gedanken vermittelt, beeinflussen diese Veränderungen auch unsere Musik und Songtexte. Wir können mit Stolz sagen, dass dies unser bisher bestes Album ist. Aber wir haben ja noch viele Jahre vor uns (lacht).

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(Minute 1:00) Welche der folgenden Phasen im Leben einer Band gefällt euch am wenigsten: Album im Studio aufnehmen, auf Promotiontour gehen und Interviews geben, Konzerte spielen oder eine Bandpause machen?

Tomislav (Gitarrist): Ich glaube, als Musiker musst du dich auf das Gesamtpaket einlassen. Natürlich gibt es Phasen, in denen man eventuell gerade keine Lust darauf hat. Aber es ist ständig die Herausforderung da das umzusetzen, für das man lebt. Und bei uns spielt das Projekt Thirty Seconds to Mars eine wichtige Rolle im Leben.

(Minute 1:45) Jared (er schaut mich an), als ich heute auf Facebook war, habe ich gelesen, dass eine Freundin von mir dich in der Wiener Innenstadt gesehen hat, sich aber nicht getraut hat, dich anzusprechen. Fühlst du dich bei solchen Aussagen geehrt oder amüsierst du dich eher darüber?

Jared (Sänger): Das muss wohl gewesen sein, als ich am Donaukanal entlang gejoggt bin...ich denke, solche Situationen hat jeder Musiker schon mal erlebt, dass Fans sie sehen und ansprechen wollen, sich aber nicht trauen. Nur ob mich jemand anspricht oder nicht, darauf achte ich ehrlich gesagt nicht. Es interessiert mich auch nicht, was jeder über mich auf Facebook & Co. schreibt. Ich nutze gerne soziale Netzwerke, um mich unseren Fans mitzuteilen. Aber ob sie von mir schwärmen oder mich nicht toll finden - ich weiß, wer ich bin, und das reicht mir vollkommen.

(Minute 3:00) Du hast erwähnt, dass du in Wien joggen warst. Viele Menschen sagen, dass sie durch das Laufen einen freien Kopf bekommen. Kommen dir dabei auch Ideen für Songs?

Jared (Sänger): Ja, das ist schon mal passiert. Ich muss mir aber die Ideen merken, da ich während des Joggens weder Stift und Papier zur Hand habe noch meinen Lauf unterbrechen will, um meine Gedanken auf mein Handy zu sprechen. Bisher hat das ganz gut geklappt.

(Minute 4:00) In dem Song "End Of All Days" wirkt deine Stimme sehr zerbrechlich und leidend zugleich. Wie hast du dich bei den Studioaufnahmen in diese Stimmung versetzt?

Jared (Sänger): Ich habe in der Situation nicht an einen bestimmten Moment oder an eine bestimmte Person gedacht. Auch auf der Bühne sind es Gefühle, die einfach aus mir rauskommen. Vielleicht hat das auch mit meiner zweiten Leidenschaft, der Schauspielerei zu tun. Hier muss man auch auf Abruf Gefühle ausdrücken können, die aber echt sein und wirken müssen, damit die Botschaft stimmt.

(Minute 4:30) Wir kommen zu unserer letzten Frage: Auf dem Album gibt es die Liedzeile "All we need is faith". Worauf vertraut ihr: Gott, Schicksal, Karma an die Menschheit oder an etwas ganz anderes?

Jared (Sänger): Ich habe einmal gesagt, dass an alles, was ich glaube, ist, an nichts zu glauben. Aber worauf wir vertrauen ist das, was wir sind.


Das Musikvideo zur aktuellen Single "Up in the Air":Video2 (9109444e)

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