3 Tipps, wie Sie durch richtiges Atmen selbstsicherer werden

Er ist unser Lebenspartner. Von der ersten bis zur letzten Minute. Durch ihn existieren und funktionieren wir: der Atem. Deshalb sollten wir uns Zeit nehmen, ihn besser kennenzulernen. Und öfter eine Verschnaufpause einlegen – für die wichtigste Beziehung unseres Lebens.

1. "Breathwalk"

„Atem-Auslauf" steht auf dem Programm, in Trendsprache: „Breathwalk". Obwohl es die zwei natürlichsten Dinge sind - Atmen und Gehen-, ist ein Breathwalk-Trainer anfangs unerlässlich. Deshalb steht auch Yoga- und Breathwalk-Trainerin Gabriela Gerold frühmorgens in den Startlöchern.

SA-TA -NA -MA? „Breathwalk", so die Trainerin, „ist ein Mix aus bewusstem Atmen und Walking mit Meditations- und Yogaübungen. Beim Breathwalk gibt es 16 verschiedene Programme für 16 verschiedene Probleme, von Depression über Müdigkeit, Lampenfieber, hohen Blutdruck bis Kopfschmerzen." Nach einem kurzen Aufwärmen mit Yoga- und Atemübungengeht's los: „Füße, Finger, Atmung und Konzentration werden nun gefordert", warnt Gerold und gibt folgende Anweisungen, um die Breathwalk-Maschinerie zu starten: Erstens: zügig gehen - je nach Fitnessgrad. Zweitens: im Schritttempo den sogenannten „glückseligen Adler" atmen. Das geht so: viermal gleich lang einatmen, viermal gleich lang ausatmen. Drittens: die Finger dazu, denn die stimulieren währenddessen die Akupunkturpunkte: im Schritttakt abwechselnd mit dem Daumen erst die Kuppe des Zeigefingers, dann des Mittelfingers, dann des Ringfingers und kleinen Fingers berühren. Und viertens: zur Konzentration das Mantra in sich hineinsagen:

SA-TA-NA-MA. Damit man gedanklich bei der Atmung bleibt - und nicht zur Einkaufsliste wandert. Das Ziel der Übung: die Energiereserven anzukurbeln, die Sinne zu schärfen, die Stimmung aufzuhellen, seinen Atem beobachten zu lernen und die Konzentration zu verbessern. Es klappt: Der Körper kommt in Fahrt, das Hirn sowieso und zur Stimmung tragen die belustigten Blicke der faulen Parkbanksitzer bei. „Wie fühlen Sie sich?", fragt Breathwalk-Trainerin Gabriela Gerold nach der Schlussmeditation am Ende des 90-Minuten-Walks. Wie aufgeräumt, frisch gestrichen und durchgelüftet - bis ins hinterste Lungenbläschen im Beziehungshaus.

2. Atem-Management

„Atem macht den Menschen aus. Je voller der Atem, desto intensiver das Leben", steht auf einem Flipchart im Behandlungsraum von Gerda Kopa, Atemtherapeutin und NLP-Coach. Erkennt sie am Atem, welcher Mensch vor ihr steht? „Ja, ich lese aus dem Atem. Ich sehe zuerst auf die Haltung und Bewegung, dann höre ich auf die Atemgeräusche und erkenne, wo es Blockaden gibt", erklärt sie. „Denn der Atem ist eng mit Haltung, Stimme und Ich-Gefühl verbunden."

Alle drei sind wichtige Zutaten für das Überleben in der Arbeitswelt. Teamwork mit dem Atem ist also angesagt. Denn nicht viele sind damit gesegnet, in größeren Runden sprechen zu können, ohne Lampenfieber, kurzen Atem, ohne sich zu verhaspeln und ohne dass die Stimme hoch und gepresst klingt. „Viele Menschen atmen in Stresssituationen flach, also Brustatmung statt tiefer Bauchatmung. So ein eingeschränkter Atem lässt unsere Stimme dünn erscheinen."

Ein unsicherer Mensch ist somit noch unsicherer, ein nervöser Mensch noch nervöser. „Schade, denn der Atem könnte die eigene Standfestigkeit sehr unterstützen, das Selbstbewusstsein kann gestärkt werden. Und Panik, Angst sowie Lampenfieber sind mit Atmung heilbar", sagt Gerda Kopa.

3. Stressbewältigung

Stressiger Beruf, Trennung, Burn-out-Gefährdung, Krebserkrankung in der Familie, Herzrhythmus- und Schlafstörungen - das sind die Beweggründe, warum die Teilnehmer den Sonntag nachmittag mit Atempädagoge Norbert Faller verbringen wollen. „Leistungs- und Zeitdruck, Erkrankungen, schlechte Haltung, ungelöste Konflikte sind die Ursachen", erklärt Faller und weiter: „Atem und Stress beeinflussen sich gegenseitig. Einerseits ist es wichtig, Stressverursacher zu erkennen und einzubremsen, andererseits auch entstandenen Stress abzubauen."

Stressempfinden gibt es jedoch nicht erst seit der Erfolgsgesellschaft. Es sicherte das Überleben unserer Vorfahren. „Drohte Gefahr, mobilisierte der Körper Energie, um zu fliehen oder zu kämpfen. Am Arbeitsplatz geht das jedoch nicht. Wenn aber kein Abflusskanal vorhanden ist, verursacht dieser Energieüberschuss auf Dauer körperliche Symptome wie Verspannungen, Ängste, Depressionen oder Burn-out." Stress wegatmen, geht das? Ja, vor allem durch langsames und tiefes Atmen mit Atempausen. „Bei Stress atmen wir oberflächlich, nicht tiefer als in die Brust, und nehmen uns keine Zeit für Atempausen." Dabei wäre Einatmen - Ausatmen - Atempause der natürliche Atemrhythmus. „Wird nicht pausiert, ist der gesamte Organismus in ständiger Beschleunigung. Deswegen sind Atem und Bewegung wichtig - sie lösen körperliche und seelische Anspannungen und stärken die Körperwahrnehmung. Denn gerade Menschen unter Stress haben eine stark verminderte Eigenwahrnehmung." Der einzige „Stress", den die Teilnehmer nach dem Seminar noch verspüren, ist der Drang nach Hause, zu den Liebsten. Dass aber unser Lebenspartner in uns wohnt, das ist hoffentlich nicht bereits vergessen, wenn die Haustür ins Familienleben aufgeschlossen wird.

In vielen alten Kulturen wird der Begriff „Atem“ nicht einfach nur mit dem körperlichen Prozess gleichgesetzt, sondern bedeutet auch Seele, Energie, Geist, Leben und Lebenskraft. Und ihm wird seit Jahrtausenden in fernöstlichen Praktiken besonderes Augenmerk geschenkt. „Der Atem ist ein Seismograf. In ihm kommt sowohl unsere körperliche als auch seelische Verfassung zum Ausdruck. Er zeigt auf, wie wir leben“, erklärt Norbert Faller, Atempädagoge und Leiter des Instituts für atemlehre.at®.

Und wir leben meist gestresst, unter Druck, mit wenig Atempausen. Somit atmen wir flach und halten unwillkürlich die Luft an – ein Teufelskreis. Denn es kommt zur Sauerstoff-Unterversorgung von Organen, was unsere Leistungsfähigkeit schwächt und uns anfälliger macht für Kopfschmerzen, Kreislauf- oder Schlaf­störungen.

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