3 Gründe, warum Schmerzen bei Frauen nicht ernst genommen werden

Frauen müssen in Notaufnahmen häufig länger warten als Männer. Woran liegt es, dass die Schmerzen von Frauen nicht ernst genommen werden?

Frauen mehr Schmerzen

Es ist leider kein Geheimnis, dass es nach wie vor einen großen Gender Health Gap gibt. Frauen werden dadurch zu spät, falsch oder gar nicht behandelt. Manchmal bekommt man auch einfach gesagt, man sollte nicht so wehleidig sein. Oder dass diese starken Menstruationsschmerzen normal seien. Sind sie nicht, übrigens. Doch woran liegt es, dass die Probleme von Frauen weniger ernst genommen werden, sie länger in der Notaufnahme warten müssen und ihnen eher psychologische Probleme als echte Schmerzen diagnostiziert werden?

Jammer nicht

In einem Experiment des amerikanischen Psychologen Tor Wager mussten Menschen die Schmerzen von Frauen und Männern einschätzen. Ihnen wurden Videos gezeigt, die Personen zeigten, denen etwas weh tat und die Proband*innen mussten einschätzen, wie stark die Schmerzen waren. Durch die Bank wurden die Schmerzen der Männer überschätzt, die von Frauen unterschätzt. Das passierte nicht nur von den männlichen Testpersonen, sondern auch von den weiblichen. Grund dafür sind Geschlechterklischees. (Wie wir sie doch lieben.)

Es wird angenommen, dass Frauen eher bereit sind, von Schmerzen zu berichten, auch wenn diese noch nicht so stark sind. Sie haben gelernt, ihre Gefühle zu kommunizieren und auszusprechen. Männer hingehen nicht. Diese suchen sich erst Hilfe, wenn sie bereits sehr leiden, deshalb muss deren Schmerz entsprechend groß sein. Alles nur Vorurteile natürlich, aber der Grund wieso Frauen in der Notaufnahme häufig länger warten müssen.

Schmerzempfinden

Dasselbe Experiment brachte auch den zweiten Grund zu Tage, wieso die Schmerzen von Frauen weniger ernst genommen werden. Und zwar gehen Menschen davon aus, dass Männer eine höhere Schmerztoleranz haben. Wenn ein Mann und eine Frau also dieselbe Menge an Schmerz empfinden, wird davon ausgegangen, dass es dem Mann schlechter geht. Problematisch? Auf jeden Fall!

Außerdem muss hier noch die Schmerzschwelle mit betrachtet werden. Schmerzschwelle ist die Grenze wo jemand zum Beispiel einen Druck auf den Fingernagel als Schmerz empfindet und nicht mehr nur als Berührung wahrnimmt. Diese Schwelle ist bei allen Menschen unterschiedlich hoch. In der öffentlichen Wahrnehmung geht man aber auch davon aus, dass Männer eine höhere Schmerzschwelle haben und Frauen "überempfindlicher" sind.

Dramaqueens

Kann man einer Frau, die von ihren Schmerzen berichtet, glauben? Auch Mediziner*innen denken häufig, dass Frauen unglaubwürdiger sind. Das ergab die Studie "Gender Biases in Estimation Of Other's Pain", bei der Fallgeschichten und Videos präsentiert wurden, in denen Schmerzen von Personen gezeigt werden. Obwohl Männer und Frauen gleich dargestellt wurden, schätzten die Betrachter*innen trotzdem die Schmerzen von Männern stärker ein und verschrieben diesen eher Schmerzmittel, den Frauen hingehen psychologische Behandlung.

Es wurde bei Frauen davon ausgegangen, dass diese die Schmerzen übertrieben. Je stärker die Schmerzen der gezeigten Frau waren, umso geringer schätzten die Betrachter*innen den echten Schmerz ein. Frauen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als emotionaler, es wird also erwartet, dass sie übertriebener und dramatischer reagieren. Dramatisierung und Übertreibung sind weiblich charakterisiert. Diese Wahrnehmung zieht sich leider bis in die Medizin.

 

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